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Geothermieprojekt bei Weiderting vorgestellt

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Traunstein. Eine Probebohrung bis in 5000 Meter Tiefe bei Kosten von rund 15 Millionen Euro soll Gewissheit bringen, ob sich ein neues Geothermieprojekt auf einem landkreiseigenen Grundstück bei Weiderting lohnen würde. Thomas Engmann von Geothermie Traunstein GmbH stellte im Kreisausschuss unter Vorsitz von Landrat Hermann Steinmaßl Details vor. Das Gremium begrüßte das Vorhaben grundsätzlich – vor dem Hintergrund des ehrgeizigen Zieles, bis 2020 den Strombedarf im Landkreis zu 100 Prozent aus regenerativen Energien zu decken. »Dabei spielt Geothermie eine wichtige Rolle. Sie bietet außerdem große Vorteile im Hinblick auf Eingriffe in die Natur, auf Landschaftsbild und Flächenverbrauch«, betonte der Landrat. Angesichts des hohen Risikos für eine erfolgreiche Bohrung wünschte er »viel Glück«.


Engmann bezifferte das notwendige Investitionsvolumen mit 70 Millionen Euro, vielleicht sogar mit über 135 Millionen Euro. Dabei legte er eine Leistung von acht Megawatt beziehungsweise von 15 Megawatt zu Grunde. Zum Thema Finanzen meinte er: »Wir haben amerikanische Geldgeber. Sie kennen die Amerikaner. Sie sagen, wir machen es ganz oder gar nicht.« Die Grundstücksfläche umfasse etwa 15 000 bis 20 000 Quadratmeter. Eine Straße ziehe sich hindurch. Somit stünden rund 16 000 Quadratmeter zur Verfügung. Die voraussichtliche Bohrlänge betrage 6500 Meter. Davon verliefen 4000 Meter senkrecht und der Rest waagerecht durch den »Malm«, eine Schicht, die warmes Wasser mit einer erwarteten Temperatur von 150 Grad führt. Das Kraftwerksgebäude habe eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern.

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Untergrund bereits mit 3D-Seismik erforscht

Er gehe, so Engmann weiter, von Gewinnung von Strom für 10 000 Haushalte und von Wärme für 5000 Haushalte aus. Die Kraftwerksleistung liege bei acht Megawatt elektrischer und 55 Megawatt thermischer Energie. Mit »3D-Seismik« habe man bereits den Untergrund in 5500 Meter Tiefe erforscht, vermute in der etwa 300 bis 500 Meter starken »Malm«-Schicht ein Heißwasservorkommen, das sich anzubohren lohne.

Engmann betonte: »Es gibt bereits Gespräche mit den Stadtwerken Traunstein, mit gewerblichen Abnehmern und dem Landkreis. Ehe wir warmes Wasser in die Erde zurückleiten, kann man es für die Nahwärmeversorgung nutzen.« Ziel sei es, im Jahr 2015, spätestens 2016 die Stadt Traunstein mit Strom und Nahwärme versorgen zu können. Zum Risiko einer Bohrung sagte Engmann: »Scheitert die Bohrung, haben wir 15 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Das können wir uns nicht leisten. Wir müssen mit der ersten Bohrung erfolgreich sein.« Zu einer Anlage gehörten stets zwei Bohrungen – eine Entnahmestelle und eine Re-Injektionsstelle.

Im Kreisausschuss gab es zahlreiche Fragen. Thomas Engmann musste einräumen, eine Anlage benötige mit 35 Prozent noch relativ viel Eigenstrom. Derzeit sei das Projekt nur durch Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) möglich. Der Wirkungsgrad liege bei 30 Prozent. Zu beiden Punkten setzte er auf Fortschritte in der Kraftwerkstechnik. Ein Nahwärmenetz, in den Kosten nicht enthalten, sei noch nicht konkret im Gespräch. Kontakte gebe es zum Beispiel mit Unternehmen und mit dem Kreiskrankenhaus wegen eines neuen Bettenhauses. Ein neues Leitungsnetz müsse gebaut werden. Die Stadtwerke Traunstein hätten »eine Absichtserklärung« erteilt, Wärme ab Kraftwerk abzunehmen. »Derzeit lassen wir ein Nahwärmekonzept erstellen«, gab Thomas Engmann auf eine der Fragen Auskunft. Ein Konzept mache nur Sinn, »wenn man Strom und Wärme gewinnen kann«. Wie sicher es sei, auf 150 Grad heißes Wasser zu stoßen, war eine andere Frage. Dazu Engmann: »Als Unternehmer gehe ich jeden Tag vom Besten aus. 150 Grad sind der »business case«, bestätigt durch zwei Experten aus Graz und München. »Worst case« wäre, wenn man die Anlage gerade noch betreiben kann, aber kein Geld mehr hat.« Engmann erntete viel Zustimmung wie beispielsweise »Das ist insgesamt eine gute Geschichte«. Bürgermeister Franz Parzinger aus Traunreut, das sich bereits der Geothermie verschrieben hat, informierte: »Wir sind bei der erwarteten Temperatur nicht hingekommen. Dafür war die Schüttung besser als angenommen.« Er riet, für die erste Bohrung eine Versicherung abzuschließen: »Das ist ein ambitioniertes Projekt.«

Kosten für Schulsportanlage: Reduzierung erforderlich

Ferner ging es im Kreisausschuss auch um die neue Schulsportstätte »Brunner-Anlage« in Empfing, die der Landkreis, die Stadt Traunstein und der Sportbund Chiemgau Traunstein realisieren wollen. Das einhellige Ergebnis: Die von dem Traunsteiner Büro »esg-Ingenieure« vorgelegte Planung bei Gesamtkosten von rund 2,29 Millionen Euro, davon ein Landkreisanteil von 1,24 Millionen Euro, wurde zur Kenntnis genommen. Eine deutliche Kostenreduzierung ist jedoch erforderlich, hieß es. Weiterhin soll mit Verein und Stadt nochmals über eine veränderte Kostenverteilung verhandelt werden – »zu Gunsten des Landkreises«. Wir berichten noch ausführlich. kd