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Geothermie: Bürgermeister Parzinger ging baden

Aufgrund der erfolgreichen Ergiebigkeitstests auf der Geothermiebohrstelle in Traunreut gingen Geschäftsführer Thomas Neu (von links), Bürgermeister Franz Parzinger, Dr. Birgit Seeholzer und Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler baden. (Foto: Rasch)

Traunreut. Allen Grund Baden zu gehen, gab es gestern auf dem Geothermiebohrplatz in Traunreut. Aktueller Anlass war die letzte Phase der Ergiebigkeitstests. Thomas Neu, Geschäftsführer der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut (GKT), hatte es ja vor einigen Monaten angekündigt: Sollte der erste Pumpversuch erfolgreich verlaufen, werde er in eines der Becken springen.


Wegen der noch laufenden Pumpversuche bevorzugten die Badegäste – dies waren neben Neu Bürgermeister Franz Parzinger und sein Stellvertreter Ernst Ziegler sowie Dr. Birgit Seeholzer als Vertreterin des Landkreises – ein größeres Planschbecken. Der Sprung in eines der großen Becken, in dem elektrische Pumpen laufen, die das geförderte Wasser runter kühlen, war aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Wie Thomas Neu vor den Vertretern der Stadt erklärte, hätte durch das Abstellen der Pumpen das System wieder neu eingerichtet werden müssen.

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Die Badegäste fühlten sich bei einer Außentemperatur von gerade einmal 13 Grad jedoch auch im kleinen 29-Grad-Becken sichtlich wohl. »Reinstes Thermalwasser«, schwärmte Neu, der mit den Gästen anstatt Sekt mit klarem Thermalwasser auf die letzte Phase der Ergiebigkeitstests anstieß. Der zweiten Bohrung, die im Oktober beginnt, wünschte er einen guten Start. Wie berichtet, hatte die erste Bohrung mit über 5000 Meter Tiefe die unter dem Thermalwasser führenden Malmkarst liegende Schicht (»Dogger« genannt) angebohrt und damit die Mächtigkeit des Malmkarsts mit rund 416 Metern festgestellt. Bis jetzt fanden umfangreiche hydraulische Tests statt, um das Bohrloch zu reinigen und damit Fließwege zu öffnen, seine Temperatur und Ergiebigkeit zu messen und die chemische Zusammensetzung des Thermalwassers zu bestimmen. Mit über 130 Liter pro Sekunde wurde eine ausreichende Ergiebigkeit der Bohrung gemessen. Auch die chemische Analyse bedeutet für den Kraftwerksbau keine größeren Herausforderungen bezüglich möglicher Ablagerungen in Rohrleitungen. Das Thermalwasser könne als Heilwasser im Sinne der für Kurorte und Heilbäder einschlägigen Regularien klassifiziert werden, so Neu.

Sorgen bereitet allerdings die niedrige Thermalwassertemperatur. Derzeit werden am Bohrlochkopf circa 106 Grad Celsius gemessen, daraus wird eine langfristige Temperaturerwartung von circa 115 bis 118 Grad prognostiziert. Diese Werte liegen deutlich unter den erwarteten 130 Grad. Die für Herbst 2013 vorgesehene Fernwärmeauskopplung sei davon nicht betroffen, betonte Neu. Allerdings müsse das Kraftwerk deutlich kleiner gebaut werden, sodass weniger Strom erzeugt werden könne. Um für diesen Fall vorzusorgen und um den privaten Investoren Sicherheit zu geben, wurde 2011 eine sogenannte Fündigkeitsversicherung bei der Münchner Rück abgeschlossen. Die hieraus erwartete Zahlung ermöglicht die Fortführung des Geothermieprojektes. ga