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Geothermie: Auch zweite Bohrung erfolgreich

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Am heutigen Montag soll auf der Geothermiebaustelle in Traunreut mit dem Abbau des 50 Meter hohen Bohrturms begonnen werden. Unterdessen laufen die Planierungsarbeiten für den Bau einer Netzpumpenstation. (Foto: Rasch)

Traunreut. Keine Rauchschwaden und keine Bohrgeräusche mehr: Auf der Geothermie-Baustelle in Traunreut sind nach Auskunft der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut (GKT) auch die Pumptests der zweiten Bohrung erfolgreich verlaufen. Die Arbeiten auf der Bohrstelle laufen unterdessen aber weiter auf Hochtouren. Noch heuer sollen die ersten Gebäude mit der neuen Energiequelle versorgt werden.


Als nächster Schritt wird der 50 Meter hohe Bohrturm abgebaut. Am heutigen Montag werden die ersten Lastwagen anrollen, um die Teile des Bohrturms mit unbekanntem Ziel abzutransportieren. Zehn Tage seien für den Turmabbau eingeplant, sagt Rochus Huber, der Assistent des neuen GKT-Geschäftsleiters Steffen Torgau. Torgau löste Thomas Neu ab, der nach Abschluss der Tiefenbohrtechnik mit einer anderen Aufgabe betreut wurde.

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Unterdessen laufen parallel die Planierungsarbeiten für den Bau einer Fernwärme-Übergangsstation. Die Kosten für diese Netzpumpenstation teilen sich die GKT und die Traunreuter Stadtwerke. Nach Angaben der Stadtwerke baut die GKT das Gebäude, hingegen das »Innenleben« mit Mess- und Regeltechnik sind Angelegenheit der Stadtwerke.

Von dieser Netzpumpenstation wird die Fernwärme für Traunreut ausgekoppelt und gelangt über eine Hauptversorgungsleitung zur Anschlussstation in der Hans-Böckler-Straße. Über dieses Rohrleitungssystem, das erst noch gebaut werden muss, wird das heiße Wasser zu den Fernwärmekunden transportiert und gelangt dann abgekühlt über eine Rücklaufleitung wieder zum Geothermiekraftwerk und in die Erde zurück.

Den Bau der 700 Meter langen Leitung nutzen die Stadtwerke derzeit, um entlang der Trasse am Sankt-Georgs-Platz sowie in der Schiller- und Theodor-Körner-Straße schadhafte Kanäle zu sanieren und die Wasserversorgung neu zu ordnen. Sobald diese Tiefbaumaßnahmen abgeschlossen sind, kann mit dem Fernwärmeleitungsbau begonnen werden. Die Ausschreibung für dieses Gewerk soll in Kürze erfolgen. Die Stahlrohre, die in einem Meter Tiefe verlegt werden, haben einen Durchmesser von 200 Millimetern und sollen die nächsten fünf Jahrzehnte überdauern.

Die Zeit drängt, denn die Beteiligten gehen davon aus, mit dem Projekt noch in diesem Winter in Betrieb zu gehen. »Es wird knapp, aber wir sind guter Dinge, dass wir es schaffen«, so der Technische Leiter der Stadtwerke, Franz Hagenauer. Weiter räumte er ein, dass das Interesse der Traunreuter, an die Fernwärme anzuschließen, sehr groß sei und mit dieser neuen Energie das bestehende Fernwärmenetz gesichert und verdichtet werden könne. Durch die Erzeugung von Wärme durch Tiefengeothermie werde auch wertvolle Primärenergie eingespart und damit die CO2-Emissionen deutlich reduziert. »Für eine Stadt in der Größenordnung von Traunreut ist dies sehr wichtig«, betonte Hagenauer.

In der Stadt Traunreut werden derzeit rund 3000 Wohneinheiten mit umweltfreundlicher Wärme versorgt. Zu den größten Kunden bei der Industrie zählt die Firma Heidenhain. Ebenso an das Fernwärmenetz angeschlossen sind städtische Gebäude, Schulen und Gewerbebetriebe. Die Wärmeeinspeisung erfolgt aus dem Biomasseheizwerk und Biomasseheizkraftwerk der STEAG New Energies GmbH auf dem Betriebsgelände der BSH-Herdefabrik Traunreut. Den Reserve- und Spitzenbedarf decken die drei eigenen Heizzentralen der Stadtwerke ab. 2014 soll die Hälfte des Wärmebedarfs dann über die Geothermie abgedeckt werden.

Im Zuge des Projekts war zunächst auch ein Kraftwerk für die Stromerzeugung geplant. Dieses wurde aber aus der Planung herausgenommen und soll erst im nächsten Jahr realisiert werden. ga