weather-image
15°

Genossenschaftlicher Kreisverband legt weiter zu

0.0
0.0

Die fünf Genossenschaftsbanken in der Region, die im Kreisverband Traunstein – Berchtesgadener Land zusammengeschlossen sind, haben im vergangenen Jahr zusammen eine Bilanzsumme von über 2,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. »Wir können mit den Ergebnissen des abgelaufenen Geschäftsjahres sehr zufrieden sein«, betonte Kreisverbandsvorsitzender Wolfgang Völkl bei der Bilanzpressekonferenz in Truchtlaching. Auch für das laufende Jahr rechne man mit einer Fortschreibung des Wachstumstrends.


Bei der Pressekonferenz erläuterten die fünf Vorstände Wolfgang Völkl (VR-Bank Oberbayern Südost, gerundet 1,5 Milliarden Euro Bilanzsumme), Konrad Baueregger (Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut, 600 Millionen Euro), Werner Maier (Raiffeisenbank Rupertiwinkel, 300 Million Euro), Franz Bachmayer (Raiffeisenbank Chiemgau-Nord-Obing, 240 Millionen Euro) und Georg Kamml (Raiffeisenbank Anger, 85 Millionen Euro) ausführlich die Entwicklung der Institute und des Kreisverbandes.

Anzeige

Trotz der gewachsenen Dimensionen der vielfach fusionierten Einzelinstitute, betonten alle Vorstände die Priorität der Kundennähe und des persönlichen Kontaktes zum Kunden. »Die Menschen in der Region vertrauen uns. Sie wissen, dass ihr Geld bei uns sicher ist«, betonte Kreisverbandsvorsitzender Völkl.

Steigerung in allen relevanten Geschäftsfeldern

Steigerung gab es für den Kreisverband in allen relevanten Geschäftsfeldern. So stiegen die bilanziellen Kundengelder um 2,3 Prozent auf 2,098 Milliarden Euro, die betreuten Kundengelder auf 3,149 Milliarden Euro – was einem Plus von glatten drei Prozent entspricht. Auch das Kundenkreditvolumen legte mit 6,3 Prozent auf 1,765 Milliarden Euro kräftig zu. Über die genossenschaftseigenen Warenhäuser konnte der Warenumsatz – insbesondere an Landwirte – mit 2,1 Prozent auf 66,2 Millionen Euro gesteigert werden. Stabil und für die Bilanzstruktur ebenfalls wichtig ist die hohe Zahl der Mitglieder, die sich mit Genossenschaftsanteilen an den Kreisverbandsbanken beteiligten: Über 54 000 Mitglieder weisen die fünf Kreditinstitute auf.

Alle fünf zusammen beschäftigen 714 Mitarbeiter. Mit 68 Auszubildenden wiesen die Kreisverbandsbanken, die zusammen 55 Bankstellen in den drei Landkreisen unterhalten, eine hohe Ausbildungsquote von 9,5 Prozent auf.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe man Investitionen im Gesamtvolumen von 3,8 Millionen Euro getätigt und hierbei nach Möglichkeit Auftragsvergaben bevorzugt an heimische Handwerksbetriebe erteilt. Das geplante Investitionsvolumen für dieses Jahr liegt bei fünf Millionen Euro. Man sehe sich als Förderer des Mittelstandes und der Region.

Die Bankvorstände wiesen in ihren Ausführungen darauf hin, dass sich der Kreisverband ähnlich wie der landesweite Durchschnitt der Genossenschaftsbanken entwickle und stellten insbesondere auch auf die hohen mittel- bis langfristigen Darlehensausreichungen an den bayerischen beziehungsweise regionalen Mittelstand heraus. »Unsere Kunden kennen keine Kreditklemme«, betonte Kreisverbandsvorsitzender Völkl.

Verzicht auf langfristige Anlageformen

Er machte gleichzeitig deutlich, dass die in ihrer Finanzierungsstruktur und Geldanlagepolitik bodenständig-konservativ strukturierten Genossenschaftsbanken keine Spekulationen im Stil der Lehman Brothers vornehmen können. Im Anlagegeschäft habe sich der Kundentrend fortgesetzt – vor dem Hintergrund historisch niedriger Zinsen – auf langfristige Anlageformen zu verzichten, Sichteinlagen (Kontoguthaben und ähnliches) wurden von diesem Trend begünstigt.

Besonders erfreut zeigten sich die Bankenvertreter über die weiter angewachsene Eigenkapitalquote. Man habe die Rücklagen durch Gewinnthesaurierungen um 17,6 Millionen Euro auf nunmehr 186,6 Millionen Euro aufstocken können. Auch das haftende Eigenkapital geht weiter in die richtige Richtung: Mit einer Steigerung um 8,8 Prozent auf 308,4 Millionen Euro »sind wir den verschärften Eigenkapitalrichtlinien schon heute gewachsen«, betonte Verbandsvize Baueregger erfreut.

Kräftige Kritik äußerten die Bankvorstände zu weiteren EU-Regulierungen im Zusammenhang mit »Basel III«. Die ab 2015 sukzessive kommenden Liquiditätskennziffern würden die Kreditvergabemöglichkeit der genossenschaftlichen Banken gerade im langfristigen Bereich einschränken. »Die regulierungsbedingte Verknappung und Verteuerung von Krediten schlägt voll auf den Kunden durch«, kritisierte Bankenvorstand Kamml von der Raiffeisenbank Anger. Man fordere eine faire Regulierung und wende sich gegen die Gleichstellung mit Großbanken, die – im Gegensatz zu den Genossenschaften und regionalen Sparkassen – gerade in der Finanzkrise oft nur durch staatliche Stützungen vor dem Zusammenbruch bewahrt wurden. Kritik gab es auch zu überbordenden Regulierungen, die – insbesondere nach Ausbruch der Krise ab dem Jahr 2007 – auf nationaler und europäischer Ebene eingesetzt haben. »Hier muss dringend konsolidiert werden«, forderten die Bankenvertreter.

Verlangsamung des positiven Trends erwartet

Der Wachstumstrend des vergangenen Jahres habe sich auch im neuen Jahr unvermindert fortgesetzt, wenngleich man für die kommenden Monate eher von einer leichten Wachstumsdelle oder Verlangsamung des positiven Trends ausgehe. Die Gesamtentwicklung sei aber unvermindert gut bis zufriedenstellend. awi