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Gemeinschaftshaus statt Seniorenheim

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Übersee – Die »unendliche Geschichte« einer Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren in Übersee scheint nun doch zu einem guten Ende zu kommen. In einer Sondersitzung des Gemeinderates ist ein Konzept vorgestellt worden, das die ungeteilte Zustimmung des Gremiums fand. Auch ein passendes Grundstück hat Bürgermeister Marc Nitschke »aus dem Hut gezaubert«. An der detaillierten Hausplanung und Standortsicherung will man nun weiterarbeiten.


Über Jahre wurde diskutiert

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»Schon seit vielen Jahren haben wir uns über dieses Thema Gedanken gemacht, haben unterschiedliche Konzepte, Planungen und Standorte entwickelt – und aus den unterschiedlichsten Gründen wieder verworfen«, erinnerte der Gemeindechef.

Mit der Vorstellung eines generationsübergreifenden Modells, dem flexiblen »M + M Gemeinschaftshaus« von Bauingenieur und Sozialwirt Stephan Mayer und Architekt Professor Lothar Marx will man nun ein neues Kapitel in Übersee aufschlagen.

Mayer ist geschäftsführender Gesellschafter von acht Pflegeheimen in der Region und eines ambulanten Dienstes. Marx hat in den vergangenen 30 Jahren nur Häuser für alte Menschen gebaut und wurde für sein behindertengerechtes Bauen bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

»Ich will Ihnen heute nahe bringen, was speziell für Übersee möglich ist, nicht was wirtschaftlich nötig ist«, betonte Mayer einführend. Das neu entwickelte Modell eines Gemeinschaftshauses ist generell als flexibles, am örtlichen Bedarf orientiertes Haus im Baukastensystem konzipiert, das je nach Bedarf mit Wohnungen, Bereichen für Therapie, Tagespflege, ambulant betreuten Wohngemeinschaften und sonstigen individuellen Bedürfnissen zusammengestellt werden kann.

Für Übersee sieht Mayer eine Bedarfsstruktur mit 20 Wohnungen, zwei betreuten Wohngemeinschaften für je zwölf, auch dementen Personen, zwei Gemeinschaftsräumen und einer Tagespflege für insgesamt 44 Personen als optimale Lösung an.

Generell sieht das Konzept des Gemeinschaftshauses eine Verknüpfung von professionellen und ehrenamtlichen Serviceleistungen vor. So könnten die Hilfs- und Pflegebedürftigen von Angehörigen oder auch von Familien, die mit in das Haus einziehen, unterstützt werden.

In den Wohngemeinschaften hat jeder der jeweils zwölf Mitbewohner seinen Wohnbereich und die Garantie einer 24-Stunden-Betreuung. In Selbstbestimmung entscheidet ein Sprecher aus ihren eigenen Reihen, ob sie beispielsweise selbst kochen und welche Betreuung sie haben wollen.

»Das ist ein ganz toller Wurf«

Durch die Standardisierung des Hauses vom Gebäude bis zum Gemeinschaftskonzept sei das Haus laut Mayer in jeder Hinsicht flexibel, von der aktuellen Nutzbarkeit bis hin zu künftigen Entwicklungen. Die Kosten seien »bezahlbar und liegen im normalen Rahmen«, nach den neuen Pflegegesetzen ab 2017 seien sie sogar günstiger als in einem »normalen« Pflegeheim.

Nachdem der frühere, bereits durch einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates abgesegnete Standort auf der Beste Wiese am damaligen Widerstand der Bevölkerung gescheitert war, präsentierte Bürgermeister Nitschke in der Sitzung eine neue Möglichkeit an der Bahnhofsstraße ortsauswärts. Zur Verfügung stünde wahrscheinlich eine Gesamtfläche von rund 21 000 Quadratmetern, wovon das Gemeinschaftshaus etwa 4000 Quadratmeter einschließlich möglicher späterer Erweiterungen, beanspruchen würde. Nitschke bezeichnete die dortigen Gegebenheiten als »ganz tollen Wurf«, wenn auch die Grundstücksverhandlungen noch nicht ganz abgeschlossen seien.

Nach seiner persönlichen Einschätzung stellt das Gesamtpaket von Gemeinschaftshaus und Standort »eine Riesenchance für Übersee« dar. Ähnlich positiv sahen es alle Gemeinderäte. Besonders begeistert äußerte sich Erika Stefanutti (FBL), Leiterin des Helferkreises und mit der Seniorenarbeit seit Jahren bestens vertraut: »Es ist mit den neuen Plänen alles abgedeckt, was wir brauchen.« So gesehen, sei es ein Glück, dass die früher geplanten Vorhaben nicht realisiert worden seien.

Nach dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderates sollen die vorgestellten Pläne von Haus und Standort nun vorangetrieben werden. bvd