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Gemeinsamer Weg aus der Krise

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Auch die junge Generation packt bei »GEMMA los!« mit an: Die achtjährige Leonie bemalte das Werkzeug für die Bürgerwerkstätten, während ihre Mutter Jasmina Reiseder in der Küche half.

Traunstein. Seit 100 Tagen weht in der »Alten Bahnmeisterei« am Bahnhofplatz 2 b ein neuer Wind: Nach dem erfolgreichen Projekt »DAGI«, das von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter durchgeführt und Ende 2012 eingestellt wurde (wir berichteten), hat nun »GEMMA los!« in Trägerschaft des Diakonischen Werks Traunstein dort seine neue Heimat gefunden. Das Projekt soll in erster Linie für Jugendliche und Erwachsene, die ohne Arbeit sind, eine Anlaufstelle sein – und sie haben das Angebot bereits in den ersten Wochen sehr gut angenommen.


»Das Wichtigste ist, das Konzept funktioniert«

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»Das Wichtigste ist, das Konzept funktioniert«, sagt Projektleiter Georg Eisenberger im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Es gibt sowohl bei jungen Menschen als auch bei Älteren immer wieder gravierende Probleme, die sehr belastend sind«, weiß der Sozialpädagoge, der zusammen mit Melanie Dauensteiner das Projekt betreut.

Nach dem Verlust des Arbeitsplatzes seien oft das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl angeschlagen, betont Eisenberger. »Da kommen die Betroffenen dann oft in einen Kreislauf rein«, fügt er hinzu. »Finanzielle Sorgen, reduzierte Sozialkontakte oder Unsicherheit im Umgang mit Behörden« seien die häufigsten Probleme, ergänzt er. »Unser Ansatz ist, dass unsere Besucher merken, man ist nicht alleine«, sagt Eisenberger.

Auch deshalb sind nicht nur Arbeitslose willkommen, betont Eisenberger. »Auch Arbeitgeber oder Senioren, die nicht alleine daheim sein möchten«, können jederzeit in die »Alte Bahnmeisterei« kommen.

Das Konzept von »GEMMA los!« – »GEMMA« steht dabei für »Gleich Etwas Mutiges Miteinander Anpacken« und hat den Zusatz »aber nicht irgendwann, sondern jetzt!« – ist dabei auf drei Säulen aufgebaut: Begleitung, Beratung und Betätigung. »Alle drei Bereiche laufen«, freut sich Eisenberger. »Die Besucher kommen je nach Bedürfnissen«, betont er, »nur einmal für eine kurze Unterstützung oder auch täglich.«

In einem Computerraum haben die Besucher etwa die Möglichkeit, aktuelle Stellenangebote zu durchforsten oder ihre Bewerbung auszuarbeiten. »GEMMA los!« setzt dabei vor allem auch auf die Gruppendynamik. »Denn nicht jeder ist in allen Dingen so sicher«, weiß Eisenberger, »und die Besucher können sich dann auch gegenseitig helfen – beispielsweise bei der Computerarbeit.«

Aber auch andere Bereiche stehen den Besuchern zur Verfügung: Im Gemüse- und Blumengarten können sie sich betätigen. Nach getaner Arbeit gibt es dann mittags ein günstiges Essen – und auch das hat einen guten Grund: »Ein gemeinsames Essen schmeckt besser als sich daheim allein zu ernähren«, sagt Eisenberger. Auch das Jobcenter unterstützt das neue Projekt. Verschiedene Veranstaltungen für Arbeitssuchende werden regelmäßig angeboten. Auch ein Computerkurs des VdK für Senioren wird dort durchgeführt. »Wenn daran weiter Interesse besteht, werden wir das weiterführen.«

In naher Zukunft soll es auch drei Bürgerwerkstätten geben. »Diese sind momentan gerade im Entstehen«, sagt Eisenberger. Auch dabei setzt der Projektleiter auf seine Besucher, die in den vergangenen Wochen bereits tatkräftig mit anpackten. »Denn jeder hat eine Fähigkeit, die er hier einbringen kann«, ist er überzeugt. »Wir wollen ihm damit diese Wege wieder aufzeigen und ihn auf seinem Weg begleiten«, betont Eisenberger.

Es wird etwa eine Schreinerei geben. »Dafür suchen wir noch dringend Elektromaschinen«, betont der Projektleiter. Zudem soll es eine Metall-Radlwerkstatt und eine Kreativwerkstatt geben. »Jeder Bürger aus dem Landkreis kann dann zu uns kommen und diese Einrichtungen nutzen«, betont Eisenberger. Er hofft, dass sich vielleicht auch ein pensionierter Schreiner oder Handwerker meldet, »der sein Wissen in der Bürgerwerkstatt an andere weitergeben möchte«. Eisenberger betont: »Unser Haus steht jedem offen und es werden Begegnungen auf Augenhöhe sein.« Damit gemeinsam ein Weg aus der Krise gefunden wird. SB