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Gemeinsame Bergerlebnisse hielten Liebe jung

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Martina und Werner Kühne betrachten gemeinsam Fotos von der Bergwacht-Hütte am Kienberg, wo sie viele schöne Tage verbrachten. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Wenn Martina Kühne und Werner Kühne aus Inzell miteinander die Fotocollage von der Bergwacht-Hütte am Kienberg betrachten, die Werner Kühne zum 70. Geburtstag geschenkt bekam, leuchten die Augen des betagten Paares: Schöne Bergtouren und Hüttenerlebnisse, aber auch das Teilen der Erinnerungen daran hielten ihre Liebe jung. Nun feierten die fast gleichaltrigen Inzeller, beide Jahrgang 1926, im stolzen Alter von 88 beziehungsweise 87 Jahren ihren 65. Hochzeitstag. Dieses seltene Ehejubiläum wird »Eiserne Hochzeit« genannt.


Werner Kühne, ein Einzelkind aus Altenberg in Sachsen im Erzgebirge, kam als junger Bursch 1947 nach Inzell, weil er in seiner Heimat im erlernten Beruf als Dreher keine Arbeit fand. Sein Onkel, der in Sulzbach beim Nagl-Bauern Urlaub gemacht hatte, gab ihm den Tipp, sich in Inzell als Knecht bei einem Bauern zu verdingen. Zwar brauchte der Nagl-Bauer aufgrund seiner vielen Kinder selbst keinen Knecht, doch er schickte den jungen Werner weiter zum Andrebauer, dem sein Knecht gerade abgehauen war. »Ich habe am gleichen Tag noch eine Fuhr Heu abgeladen«, erzählt Werner Kühne.

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Bald lernte er beim Sportverein und beim Tanzen im Gasthof Neimoar, wo sich damals die Dorfjugend traf, die fesche Martina vom »Moaster Hansl« kennen und lieben. Sie war eines von sechs Kindern, die in dem Steinmetz-Anwesen neben der Apotheke groß wurden. »Jetzt leben nur noch zwei von uns«, bedauert Martina Kühne: Ihre Schwester ist in Teisendorf verheiratet.

1949 heirateten Werner und Martina Kühne. Der frisch gebackene Ehemann fand in Siegsdorf bei einer Firma, die später Pleite machte, eine Beschäftigung als Dreher und war danach im Bauhof der Gemeinde Inzell tätig. Von einem seiner großen Hobbys erzählen die vielen Pokale im Wohnzimmer: Er fuhr Riesenslalom-Skirennen bei den Bauamts-Meisterschaften auf Landes- und Bundesebene und ebenso bei den Bergwacht-Meisterschaften.

Viele Jahre lang war Werner Kühne Vorturner beim SC Inzell. »Das habe ich gern gemacht«, erzählt er. Noch heute geht er öfter ins Café Vroni auf einen Ratsch mit seinen alten Turner-Spezln.

In ihren jungen Jahren machte Werner und Martina Kühne das Schlittschuhfahren am Frillensee oder am Zwingsee große Freude. Über Jahrzehnte waren sie oft gemeinsam in den Bergen unterwegs. 50 Jahre lang war der Ehejubilar bei der Bergwacht und 20 Jahre lang Hüttenwart der Bergwacht-Hütte am Kienberg. Als seine Frau nicht mehr so gut zu Fuß war wie er, brachte er sie einfach zur Rauschberg-Bahn, und sie ging von der Bergstation zur Hütte voraus und lüftete schon einmal und heizte bei Bedarf ein, bis ihr Gatte zu Fuß nach kam. Das Bewirten der Wanderer gefiel Martina Kühne. »Des war oiwei schee«, erinnert sie sich.

Noch heute frönt ihr Mann mit seinem Freund, dem Huber Hans, dem Skilanglauf und fährt mit ihm Rad, beide seit kurzem mit wachsender Begeisterung mit dem neu erworbenen »E-Radl«. Täglich sorgt er aber auch dafür, dass seine Ehefrau körperlich fit bleibt, und geht mir ihr eine »Bauhofrunde« um den Block. Was das eiserne Ehepaar verbindet, ist auch die Begeisterung für den Wintersport im Fernsehen, von Biathlon über Ski Alpin bis hin zum Skispringen.

Die Jubilare haben zwei Söhne, Herbert, der im Bauhof Mechaniker lernte und danach in Grabenstätt arbeitete, und Walter, der in Inzell Schreiner wurde, und einen Enkel, Christian. Nun würden sie sich halt noch einen Urenkel wünschen. »Aber ob wir das erwarten können?«, fragen sie sich lächelnd. Beide sind sich einig: »Mia ham de Johr guat ummebracht’«. Im Namen der Gemeinde Inzell gratulierte zum 65. Hochzeitstag Bürgermeister Martin Hobmaier. vm