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Gemeinsam war ihnen stets die Liebe zur Trachtensache

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Das Trachten-Urgestein Otto Dufter und seine Frau Hilde feiern am heutigen Samstag Goldene Hochzeit. (Foto: Flug)

Unterwössen – Eine Goldene Hochzeit wird heute in Unterwössen gefeiert: Der ehemalige Landesvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, Otto Dufter sen., und seine Hilde sind seit 50 Jahren verheiratet. Die vergangenen fünf Jahrzehnte waren vor allem von einem geprägt: Der Liebe zur Trachtensache. Allerdings war zu Beginn noch nicht abzusehen, wie dies ihr Leben bestimmen und wie Otto Dufter die Trachtensache beeinflussen würde.


1934 in Unterwössen geboren, machte sich damals niemand Gedanken über Karriere und Lebensabend. Der Vater von Otto Dufter war im Krieg gefallen, die drei Buben wurden von Mutter und Großmutter großgezogen. Als Jugendlicher bestimmten Fußball, Platteln und Skifahren das Denken – ansonsten die Sorgen in schwierigen Zeiten. Wo zum Beispiel sollte es eine Lehrstelle geben? Man habe nehmen müssen, was kam und so wurde der eher schmächtige Otto Zimmermann. Das mit dem schmächtig »hat sich dann schnell gegeben«, so der Ehejubilar. Als Auszubildender musste er überall mit anpacken.

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Zwölf Kinder im Haushalt

Besser hat es die in Ruhpolding geborene und aufgewachsene Hilde auch nicht getroffen. Zwölf Kinder in damaligen Haushalt, da war Schmalhans Küchenmeister. Es sei nicht ungewöhnlich gewesen, dass sich vier Kinder ein Bett teilen mussten, erinnert sich Hilde Dufter. Sie fand Arbeit in der damaligen Ruhpoldinger Brillenfabrik.

1962 lernten sich der Unterwössner und die Ruhpoldingerin bei einem Vereinspreisplattln kennen – für damalige Verhältnisse eine Fernbeziehung. Sie sahen sich nur, wenn Otto das Auto vom Bruder leihen konnte oder Hilde sich mit dem Bus über Reit im Winkl auf den Weg machte. Am 18. Oktober 1964 heirateten die beiden. Die Kinder Otto und Anette wurden geboren. Hilde war Hausfrau und kümmerte sich um deren Erziehung. Otto wurde 1973 Mitarbeiter im Gemeindebauhof – eine Stelle, die er 25 Jahre innehatte. »Die erste Loipenspur in Unterwössen habe ich gezogen«, erinnert er sich.

Bestimmt wurde das Leben der Familie vor allem von der Trachtensache. Vom Vorplattler stieg Dufter zum Vorstand des Unterwössner Trachtenvereins »D’Achentaler« auf. 30 Jahre hatte er das Amt inne. Ab 1977 führte er 20 Jahre lang den Chiemgau-Alpenverband und ist heute dessen Ehrenvorstand. 1994 wurde er dann zum Landesvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes gewählt und war 2002 maßgebend an der Einigung aller bayerischen Trachtenverbände unter dem Dach seines Verbandes beteiligt. 2011 trat er von diesem Amt zurück und wurde zum Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes berufen – eine von sehr vielen Auszeichnungen:

Otto Dufter wurde zudem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande (1999), dem Bayerischen Verdienstorden (2003), der Medaille »Pro Meritis«, der Goldenen Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern, der Goldenen Ehrennadel des Bundes der österreichischen Trachten- und Heimatsvereine und der Ehrenmitgliedschaft im Deutschen Trachtenverband ausgezeichnet.

In all der Zeit hielt ihm seine Hilde nicht nur den Rücken frei, sondern engagierte sich selbst stark für die Trachtensache. Sie war 15 Jahre Trachtenwartin im Chiemgau-Alpenverband und ist auch jetzt noch Stellvertretende Landesvorsitzende im Sachausschuss Tracht. Nach wie vor übernimmt sie Näharbeiten und ist im Achental bekannt für ihre Kurse im Stricken und Nähen.

In guten wie in schlechten Zeiten ...

50 Jahre Ehe seien nicht immer einfach gewesen, so Hilde Dufter zur Frage, ob es ein Rezept für eine so lange Ehe gebe. Sie hätten durchaus Höhen und Tiefen durchlaufen. Schmunzelnd erinnert sich Hilde, wie vor allem in den ersten Ehejahren zwei Welten aufeinandergeprallt seien: Der Mann, der geprägt von Mutter und Großmutter, kaum Pflichten im Haushalt hatte übernehmen müssen, und die Frau aus dem vielköpfigen Elternhaushalt, die gewohnt war, dass jeder überall mit anfassen muss. Gemeinsame Interessen, wie die Trachtensache, halten beide für ein Geheimnis einer langen Beziehung. Zudem verbinde sie die Liebe zur Musik. Auch mal Nachsicht gegenüber dem Partner zu üben, sei ein wichtiges Element der Ehe.

Körperlich gesund und geistig rege zu bleiben wünschen sich beide für ihren Lebensabend. Über genug Beschäftigung haben sie angesichts der Kinder und Enkelkinder sowie der trachtlerischen Verpflichtungen keine Sorge. Glücklich würde es sie machen, wenn ihre viele Arbeit für die Trachtensache auch in der Zukunft Bestand hätte. Ludwig Flug