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Gemeinderat und Bürger fordern Transparenz

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Inzell. Peter Spannring, Bürger für Inzell (BVI), plädierte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats dafür, sich nach der zukunftsweisenden Entscheidung für die Max Aicher Arena vor fünf Jahren nun auch für Olympia 2022 als Entwicklungschance für den Ort zu entscheiden – trotz der damit verbundenen Risiken. Auch der Gemeinderat sollte sich seiner Meinung nach vor dem Bürgerentscheid am 10. November klar positionieren.


1700 Betten mehr wären auf Dauer nicht tragbar

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Eine bindende, wenn nötig vertraglich gesicherte Vereinbarung forderte er zur temporären Erstellung des Olympischen Dorfes. Denn ein dauerhafter Bettenzuwachs von 1700 Betten wäre nicht tragbar. Den Bau eines guten Hotels mit rund 300 Betten befürwortete er hingegen. Die Gemeinde sollte sich auch zusagen lassen, dass im Olympiajahr in Inzell mindestens über die Weihnachtsfeiertage die Eisnutzung in der Max-Aicher-Arena gesichert wäre. Zwingend sollte sich die Region auch eine Bezugsperson suchen, die Regionen übergreifend und gemeinsam präsentiere, um dadurch die Chancen für den Zuschlag zu vergrößern.

Bernhard Jung (CSU) konnte dem nur beipflichten. Er sah das Budget für die Bekanntmachung der Region Chiemgau und indirekt der Gemeinde Inzell durch die erwartete Medienpräsenz sehr gut angelegt. Richard Hütter (BVI) erachtete das Konzept als sehr durchdacht, kritisierte aber den Bau einer temporären Eishalle in München, wenn doch in Inzell, mit der Max-Aicher-Arena ein Bundesleistungszentrum für Eisschnelllauf zur Verfügung stehe. Inzell sollte hier die Halle als Austragungsort noch einmal massiv ins Spiel bringen.

Claudia Doppler, SPD und Unabhängige (SPDU) forderte, bei der öffentlichen Veranstaltung am 24. Oktober alle positiven, aber auch die negativen Fakten ehrlich, sachlich und kritisch auf den Tisch zu legen. Josef Rieder (SPDU) und Markus Maier (CSU) wollten wissen, wie viele der im Außerfeld vorhandenen Betten mit ins Konzept des Olympischen Dorfes eingebunden werden könnten und was dazugebaut werden müsste.

Bürgermeister Martin Hobmaier konnte dies nicht konkret beziffern, da es für die Kernzone und die Sicherheit der Athleten spezielle Vorgaben gibt und noch nicht absehbar ist, inwieweit der Bestand ins Sicherheitskonzept integriert werden könne. Generell wies er auf die Definition im Konzept hin, dass »der Standort mit den Planungsabsichten der Gemeinde Inzell« erfolgen soll. Auch die Bürger sollen wieder direkt beteiligt werden.

Vorgaben des IOC relativ stringent

Ein Zuhörer bezweifelte später allerdings größere Einwirkungsmöglichkeiten, da die Vorgaben für das Olympische Dorf allesamt vom IOC kämen und relativ stringent seien. Annelie Gromoll, Offene Bürgerliste Inzell-Chiemgau, mahnte, dass für die Ankündigung, die Zuschauer in erster Linie mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren zu wollen, noch große Anstrengungen in Richtung Barrierefreiheit unternommen werden müssten.

Zur Frage, ob die Kosten für die temporäre Ver- und Entsorgung des Olympischen Dorfes die Gemeinde zu tragen habe, bestätigte Hobmaier, dass dies nicht der Fall sei, sondern dass die Ausgaben dafür bereits im Budget eingerechnet seien. Zur weiteren Frage Gromolls bezüglich der geforderten 6000 bis 8000 Sitzplätze in der Eishalle und der Aufforderung aus dem Zuhörerkreis, sich für die Eislaufwettbewerbe in Inzell stark zu machen, erläuterte Hobmaier, dass eine Änderung des Konzeptes frühestens nach dem Zuschlag in zwei Jahren diskutiert werden könne. Die Disziplinen Shorttrack und Eisschnelllauf gemeinsam wären aber in Inzell gar nicht durchführbar. Die Zuschauerplätze könnten hingegen temporär aufgebaut werden.

Eine Zuhörerin wollte wissen, ob die Gemeinde den jeweiligen Ländern auch Gebäude für ihr »Nationenhaus« zur Verfügung stellen müsse. Hobmaier verneinte dies, da sie sich diese Räume privat anmieten würden. Er bestätigte weiter, dass alle Sportler verpflichtet seien, im Olymischen Dorf zu wohnen.

Kosten nur für ohnehin vorgesehene Infrastruktur

Gefragt nach den Gesamtkosten für Olympia für die Gemeinde Inzell sagte Hobmaier zu, dass nichts gebaut oder investiert werde, was die Gemeinde nicht möchte. Kosten entstünden nur durch Maßnahmen, die ohnehin zum Ausbau der Infrastruktur vorgesehen wären. Ein finanzielles Risiko müssten in erster Linie die Olympische Gesellschaft und der Landkreis tragen. Die Frage, warum Siegsdorf dann, wie berichtet, 80 000 Euro an Kosten angesetzt habe, beantwortete ein weiterer Zuhörer. Dieser Betrag ergebe sich offenbar hauptsächlich aus dem Anteil der Gemeinde für den Chiemgau Tourismus über den Zeitraum von 2013 bis 2015. wb