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Gemeinderat lehnte Übernahme des Prinzregentensaals ab

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Der Gasthof Prinzregent mit Eiskeller und Wagenremise, wie er am Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Erst 1930 wurde der Saal angebaut, der noch heute beinahe unverändert besteht.

Marquartstein. Der Marquartsteiner Gemeinderat hat sich in nicht-öffentlicher Sitzung einstimmig gegen den Kauf und Betrieb des Prinzregentensaales ausgesprochen. Darüber informierte Bürgermeister Andreas Dögerl jetzt in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Er erläuterte auch, wie es mit dem 1924 gebauten Saal im Gasthof Prinzregent weitergehen soll.


Die Vorgeschichte: In der Bürgerversammlung im November 2012 hatte Klaus Hell den Antrag gestellt, den historischen Saal, in den etwa 250 Besucher passen, zu renovieren und so für die Gemeinde zu erhalten. Den 1930 an den Gasthof angebauten Saal bezeichnete Hell als »zentralen Baustein des kulturellen Lebens« in Marquartstein. Hell stellte weiter den Antrag, eine »neutrale Arbeitsgruppe« mit interessierten Gemeindebürgern, Bedarfsträgern und Fachleuten zu bilden. Bürgermeister und Gemeinderat billigten seinen Antrag ein-stimmig. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Klaus Hell entstand, an der federführend auch Heinz Hammerschmid und Roland Netzer sowie der derzeitige Eigentümer des Gasthofs Prinzregent, Rudolf Ammer-Langbauer, mitarbeiteten.

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Nach unzähligen Arbeitsstunden legte die AG dem Gemeinderat vor einigen Wochen das neu erarbeitete Konzept vor, über das der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung zweimal beriet. Grob zusammengefasst sieht das Konzept vor, dass die Gemeinde – unabhängig vom daneben liegenden Gasthof – den Prinzregentensaal kaufen, renovieren und betreiben sollte, ähnlich wie es die Gemeinde Grassau mit Hefter-stadl und Heftergewölbe tut.

Bürgermeister Dögerl erklärte, dass alles in nicht-öffentlicher Sitzungen behandelt worden sei, habe mit den eventuell notwendigen Grundstücks- und Immobilienkäufen zu tun. Zusammengefasst sei der Gemeinderat zu dem Schluss gekommen, dass ein Erwerb und Betrieb des Prinzregentensaales »zu viele finanzielle und rechtliche Risiken« mit sich brächte, sodass der Gemeinderat am 11.   November beschlossen habe, das Konzept nicht weiter zu verfolgen und den Kauf nicht zu tätigen. »Der Stein ist für Marquartstein zu schwer«, sagte Dögerl. Erwerb und Betrieb des Saales würde sämtliche Rücklagen aufbrauchen, sodass für viele andere Dinge, zum Beispiel Maßnahmen gegen erneute Hochwasserschäden, kein Geld mehr da wäre.

Auf Anregung der AG hatte die Gemeinde ein Wertgutachten über den Saal erstellen lassen, dessen Kosten in Höhe von 2300 Euro im Nachtragshaushalt veranschlagt sind. Im Einzelnen schlüsselte der Bürgermeister auf, dass die Höhe der geschätzten Investitionskosten – ohne Kauf – 2,5 Millionen Euro betragen würden, die notwendige Einrichtung nach einer Schätzung des Hotel- und Gaststättenverbandes nochmal 500 000 Euro zuzüglich einer notwendigen Erschließung über die Auerbräu-Wiese in Höhe von rund 100 000 Euro. Die Höhe der geschätzten Unterhaltskosten würden sich pro Jahr mindestens auf 75 000 Euro belaufen, zuzüglich 35 000 Euro Betriebskosten bei 5000 Kubikmeter umbautem Raum. Hinzu kämen rund 40 000 Euro Personalkosten jährlich, so Dögerl.

Weitere immense Schwierigkeiten sah der Rathauschef in seinem Vortrag bei Brandschutz, Immissionsrecht und Baurecht – jahrzehntelang bestehende Gegebenheiten, die sich durch einen Eigentümerwechsel grundlegend ändern könnten. Dazu kommen ungeklärte privatrechtliche Regelungen mit dem bisherigen Eigentümer, der zum Beispiel verständlicherweise keinen Konkurrenzbetrieb zu dem direkt daneben liegenden Gasthof dulden würde. All dies schließe unwägbare Risiken ein, sodass die Verwaltung nach eingehender Prüfung das Konzept abgelehnt und dem Gemeinderat die Ablehnung empfohlen habe.

Wie Dögerl erklärte, sei der Gemeinde nach wie vor der Prinzregentensaal wichtig, zumal bisher kein anderer großer Veranstaltungssaal in der Gemeinde vorhanden sei. Das geplante Bürgerhaus lässt sich aus Kostengründen nicht realisieren (wir berichteten). Dögerl hofft jedoch, dass der Eigentümer selbst den Saal eventuell doch noch sanieren werde, wobei ihm die Gemeinde in jedem Fall helfen wolle, aber es müsse »in tragfähigem Rahmen« sein.

Anerkennung für Arbeitskreis

Peter Lloyd stellte verschiedene Fragen, um den zahlreichen Zuhörern, besonders denen der Arbeitsgruppe, zu verdeutlichen, weshalb ihr mühsam erarbeitetes Konzept abgelehnt worden war. Hans-Peter Butz sprach dem Arbeitskreis Anerkennung für seine große Mühe aus. Er bedauerte es, dass es so viele »K.O.-Kriterien« gebe, dass der Gemeinderat das Konzept in der Form ablehnen musste. Nun aber bestünde wenigstens Klarheit, sodass sich die Mühe gelohnt habe. Die Frage von Kilian Pfohl, ob man der AG und Saaleigentümer wenigstens »etwas in Aussicht stellen« könne, lehnten Bürgermeister und Geschäftsleiter ab. Man könne erst auf einen konkreten Antrag reagieren. gi