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Gemeinderat für »Carsharing-Interreg-Projekt«

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Grabenstätt – Neben dem, vom Amt für Ländliche Entwicklung geförderten, Projekt »landmobile« hat sich vor einiger Zeit auch ein »Interreg-Förderprogramm« entwickelt, das Kommunen interessante Möglichkeiten bietet. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stand die neue Umweltbeauftragte des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee (AZV), Alexandra Nawroth, den Räten zu diesem Projekt Rede und Antwort.


Wie Bürgermeister Georg Schützinger anmerkte, könnten die Gemeinden aus drei Modulen wählen. Das erste Modul (Bruttokosten rund 8800 Euro) enthalte die Bewusstseinsbildung zur Elektromobilität, das zweite Modul (rund 32 000 Euro) umfasse das erste Modul inklusive der E-Fahrzeug-Leasinggebühr für drei Jahre – einschließlich Wartungs- und Pflegekosten – und das dritte Modul (rund 43 000 Euro) enthalte das erste und zweite Modul und zusätzlich eine Ladesäule.

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Sämtliche Kosten seien vorzufinanzieren, so Schützinger. Die Förderhöhe betrage 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, betonte er und verwies darauf, dass bei der Annahme aller Module der gemeindliche Eigenanteil bei zirka 11 000 Euro liege. Eine Förderung aus EU-Mitteln setzte allerdings eine länderübergreifende Zusammenarbeit voraus.

Nawroth erinnerte hier an die drei Beteiligten Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, Stadtwerke Wörgl in Tirol und die Initiative mobilStrom Chiemgau, »die ich an einen Tisch gebracht habe. Uns ist wichtig, dass dabei so wenig Arbeit wie möglich für die Gemeinden entsteht und das Ganze möglichst ohne deren Personal erfolgt«, betonte Nawroth. Die Gemeinden sollten auf keinen Fall in so einem Umfang beschäftigt werden, wie beim zweiwöchigen landmobile-Projekt.

Die Fahrzeug-Einweisung könnten zum Beispiel engagierte, ältere Bürger übernehmen, so Nawroth. Die Fahrzeug-Buchung erfolge über eine Online-Plattform und mittels Handy-App. Auf der Buchungsplattform könne ein neuer Kunde dann bewerten, wie sauber ihm das Auto vom Vorgänger hinterlassen wurde. Alle zwei Wochen sei eine Reinigung und Inspektion vorgesehen – ohne Belastung für die jeweilige Gemeinde.

Auf die Frage von Andreas Danzer (FW), wie es mit »Erfahrungen in der Praxis« aussehe, erinnerte Nawroth an »zehn Jahre Car-Sharing Amerang. Das Projekt ist am Aufsteigen.« Und immer mehr Familien würden ihr zweites Auto abschaffen, meinte sie. Gerade Stammkunden würden sehr pfleglich mit den Fahrzeugen umgehen. »Je mehr Gemeinden mitmachen, desto günstigere Konditionen könnten ausgehandelt werden«, beantwortete Nawroth eine Frage zum Eigenanteil der Kommunen.

Nach drei Jahren könne man problemlos aus dem Projekt aussteigen, betonte sie und versprach: »Wenn es Probleme gibt, werden wir gemeinsam nach Lösungen suchen.« Man baue derzeit Europas größtes Ladenetz auf und wolle in Zukunft viele Projekte miteinander verflochten anbieten, so Nawroth.

Obwohl Bürgermeister Schützinger von einem »gewissen Wagnis« sprach, machte er auch deutlich, dass man jetzt eine »gute Möglichkeit« dazu habe, auch weil das Ganze »großzügig gefördert« werde. »Das wäre jetzt der nächste Schritt, wir sollten den Schwung mitnehmen und möglichst viele Leute für das Projekt gewinnen«, appellierte der Elektromobilitätsbeauftragte und Zweite Bürgermeister Robert Muggenhamer (Bürgergruppe).

Anschließend beschlossen die Räte einstimmig, am »Carsharing-Interreg-Projekt« (Modul 1-3) teilzunehmen. Die Zustimmung gilt aber vorbehaltlich der Annahme, dass das Projekt keine weiteren personellen Ressourcen in der Gemeindeverwaltung in Anspruch nimmt. Der voraussichtliche gemeindliche Eigenanteil in Höhe von 11 000 Euro soll in die Haushaltsplanung 2017 aufgenommen werden.

Ab 1. Januar 2017 läuft das Projekt offiziell an. Auch wenn die Förderung nach drei Jahren endet, soll das Carsharing-Angebot weitergeführt werden. Klarzustellen sei, so Schützinger, dass ein solches Carsharing-E-Fahrzeug für die Bürger nicht gleichzeitig ein Dienstfahrzeug für die Gemeindeverwaltung sein könne. Um mit gutem Vorbild voranzugehen, spiele man aber mit dem Gedanken, das aktuelle Dienstfahrzeug, einen VW Golf, zu gegebener Zeit durch ein E-Fahrzeug zu ersetzen. mmü