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Gemeinde Vachendorf soll 60 Asylbewerber unterbringen

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Vachendorf – »Etwas platt« war Vachendorfs Bürgermeister Rainer Schroll über das große Interesse an der Informationsveranstaltung über die Unterbringung von Asylbewerbern in der Gemeinde. Schroll erklärte, Vachendorf sei eine der letzten Gemeinden im Landkreis, die noch keine Asylbewerber aufgenommen habe, und müsse nun auch ihren Beitrag leisten. »Wir stehen vor einer großen Herausforderung und hoffen auf Ihre Unterstützung«, warb der Bürgermeister für Akzeptanz und Toleranz.


Die Gemeinde müsse bis Ende des Jahres 60 Asylbewerber unterbringen, sagte Schroll. Dies sei aber nur eine Prognose. Die Gemeinde habe mehrfach vergebens einen Aufruf gestartet, Wohnraum zu melden. Im Rathaus seien nun zwei Wohnungen frei geworden, in denen wegen des Brandschutzes die Heizungen erneuert werden. Ab dem Februar könnten dort insgesamt bis zu zehn Asylbewerber einziehen.

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»Damit kann die Gemeinde aber ihre Quote nicht erfüllen«, betonte der Bürgermeister. Der Gemeinderat hat sich deshalb mit Alternativen befasst. Diese seien Großzelte, Wohncontainer oder feste Gebäude. Der Gemeinderat habe sich für Wohncontainer entschieden, die für drei Jahre im Außenbereich stehen dürften. Noch fehle die Zusage der Regierung von Oberbayern bezüglich der Finanzierung von rund 400 000 Euro. Der Gemeinderat habe zwei Standorte an der Reichhauser Straße und auf dem Festplatz ins Auge gefasst.

Ein Anwohner der Reichhauser Straße hat Probleme mit Wohncontainern neben seinem Haus. Er bemängelte außerdem die Ferne zur Ortsmitte und die fehlende Verkehrsanbindung dorthin. Er schlug vor, leer stehende Häuser herzurichten. Schroll entgegnete, die Gemeinde habe gefragt, wo ein Verkauf anstehe oder ein Leerstand bestehe.

Noch kein Beschluss bezüglich der Standorte

Dem Bürgermeister wurde der Vorwurf gemacht, die Informationsveranstaltung hätte vor dem Beschluss des Gemeinderats gemacht werden müssen. Man dürfe die Bürger nicht vor vollendete Tatsachen stellen und nicht alles im nichtöffentlichen Teil behandeln. Schroll stellte richtig, dass es noch keinen Beschluss des Gemeinderats bezüglich der Standorte gebe.

Genannt wurden andere Standorte, zum Beispiel beim Lagerhaus oder im Gewerbegebiet. Auch könnten landwirtschaftliche Flächen genutzt werden. Der Bürgermeister wurde aufgefordert, alle Standorte noch einmal dahingehend zu prüfen, welche am geeignetsten seien. Dadurch sei auch eine bessere Verteilung in der Gemeinde möglich.

Was denn nach den drei Jahren werde, wurde gefragt. Schroll sagte, die Leute ziehe es in die Städte, wenn ihr Asylantrag anerkannt sei. Etwas Festes zu bauen, sei daher unvernünftig.

Was passiere, wenn die Gemeinde »nein« zur Unterbringung von Asylbewerbern sage, lautete eine andere Frage. Florian Amann vom Landratsamt sagte, der Landkreis sei zunächst auf die Solidarität aller Gemeinden angewiesen. Die Gemeinden seien jedoch zur Mitwirkung bei der Unterbringung gesetzlich verpflichtet. Das Landratsamt könne auch Zwangsmaßnahmen durchsetzen.

Gefragt wurde außerdem nach der Meinung der Kirche. Pater Augustin erklärte, die Pfarrei habe ein Grundstück hinter dem Pfarrheim. Natürlich müsse das Ordinariat zustimmen. Ins Gespräch gebracht wurde das Schwesternheim in Adelholzen, das offensichtlich leer stehe.

Ein Thema war auch das Zischek-Haus. Das Grundstück gehöre der Gemeinde und könnte anders genutzt werden, vertrat ein Diskussionsteilnehmer die Ansicht. Das Zischek-Haus solle ein Haus der Dorfgemeinschaft werden, meinte der Bürgermeister. Die Gemeinde sei bei der Planung und beim Förderprogramm schon weit voran. »Wenn wir unsere Vereine bestrafen, die das Dorfleben tragen, dann haben wir verloren.« Einer widersprach, dass das Wohl der Ortsgemeinschaft von Zischek-Haus abhänge, und zählte einige Räume auf, die es für die Vereine im Ort gebe.

Bürger sollen unvoreingenommen sein

Der Bürgermeister erklärte, Ziel der Veranstaltung sei, Ideen zu finden und auszutauschen. Er habe die Dinge so dargestellt, wie sie im Augenblick seien. An die Gemeindebürger appellierte er, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen.

Amann hatte zuvor die allgemeine Situation und die im Landkreis wiedergegeben. Er ging von einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen auch in diesem Jahr aus. »Das ist keine Welle, die abebbt«, so Amann. Europäische Vereinbarungen bezüglich der Außengrenzen und der Verteilung fehlten. Das Landratsamt habe keinen Einfluss darauf, wer komme. Rund 90 Prozent der Flüchtlinge seien Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Die Migration sei derzeit überschaubar, aber nicht beliebig steigerbar. »Die Integration setzt eine Begrenzung voraus«, sagte Amann. Ebenso brauche man den Konsens in der Bevölkerung. Wichtig seien Helferkreise, ohne die es nicht gehe.

Über den Helferkreis Bergen-Bernhaupten berichteten Marianne Brunner und Arnold Poschmann. Helferkreise seien für eine gelungene Integration wichtig. Die Asylbewerber seien darauf angewiesen, weil sie sonst auf sich selbst gestellt seien. Gebraucht würden möglichst viele Helfer, damit man die Arbeit verteilen könne. Vor allem würden Deutschlehrer gesucht. Laut Poschmann kümmert sich der Helferkreis ferner auch um die Bekleidung, Decken, Bettwäsche und Geschirr, den Kontakt zum Landratsamt, zu Ämtern und Behörden sowie die Begleitung bei der Stellensuche. »Die Menschen sind da. Wir müssen ihnen helfen«, war der Appell von Marianne Brunner. Bjr