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Gemeinde Petting erfüllt ihr Soll nicht

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Pettings Gemeinderat will prüfen, ob im ehemaligen Gemeindeamt eine kleine Wohnung für Asylbewerber eingerichtet werden kann. (Foto: Höfer)

Petting – Bis zum Ende des Jahres rechnet das Landratsamt in Traunstein mit 1100 weiteren Flüchtlingen zu den schon anwesenden 1400. Der Landkreis selbst kann lediglich 300 Plätze zur Verfügung stellen, 800 sind derzeit ungesichert. Landrat Siegfried Walch richtete daher einen dringenden Appell an die Gemeinden, die bislang keine oder zu wenige Asylbewerber aufgenommen haben. So wie die Gemeinde Petting, wo momentan nur elf Bewerber leben. 25 sollten es eigentlich sein. Ausführlich diskutierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über Möglichkeiten, etwas zu tun. So mancher Gemeindevertreter wollte allerdings seine Vorschläge lieber erst im nicht öffentlichen Teil präsentieren.


Die Zuweisungsquote betrage 48 pro Woche; das Landratsamt sei bereits mit 204 Personen gegenüber der Regierung von Oberbayern im Soll, schreibt Landrat Walch. Neun Kreisgemeinden hätten bislang gar keine Flüchtlinge aufgenommen, daneben gebe es elf Gemeinden, wo weniger als 20 lebten. Walch bittet daher eben diese Kommunen, »konkrete Überlegungen anzustellen, wo die zu erwartenden Asylbewerber eine Bleibe finden können.« Ansonsten bliebe nurmehr die Möglichkeit verbindlicher Zuweisungen an die betreffenden Gemeinden etwa in Turnhallen oder sonstigen kommunalen Gebäuden.

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Das wäre für Bürgermeister Karl Lanzinger die schlechteste Lösung. »Wir sind auf Privatleute angewiesen«, sagte das Gemeindeoberhaupt, denn die Gemeinde selbst habe kein leer stehendes Gebäude, auch keinen alten Gasthof oder Altenheim.

Franz-Martin Abfalter brachte eine »alte Villa« ins Gespräch und forderte, mehr zu tun, als nur bei Privat zu werben. »Aktiv auf die Leute zugehen; gerade der Bürgermeister hat da mehr Gewicht.« Nicht öffentlich würde er weitere Vorschläge machen, kündigte Abfalter ebenso an wie Kollege Martin Häusl.

Wie das denn mit den Zuteilungen geschehe, wollte Anton Strasser wissen, kämen Familien oder Männer? »Die Zuteilung erfolgt durch die Regierung von Oberbayern«, sagte Philipp Strohmayer. »Der Landkreis lässt sich auf keine Zusagen ein«, ergänzte Lanzinger. Er wisse von zwei Fällen in Petting, die bereit gewesen wären, Familien aufzunehmen, nicht aber eine Gruppe junger Männer. »Wir könnten so auf der Stelle 15 Menschen unterbringen«, zeigte sich Straßer enttäuscht. »Man soll doch auf die Vermieter eingehen«, kritisierte ebenso Elvira Kraller solch »engstirniges« Verhalten.

Zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl schlug vor, doch Vermieter von Ferienwohnungen anzusprechen, stünden diese doch in der kalten Jahreszeit meist leer. Im Übrigen solle der Bürgermeister das Thema explizit in der Bürgerversammlung angehen und dabei deutlich machen, dass es dafür Geld gebe. »Und nicht zu knapp«, meinte Prechtl, »wir haben Leerstand in der Gemeinde.«

Zum Beispiel das gemeindeeigene Haus Steffen. »Warum nicht das billig ertüchtigen?«, fragte Franz Vordermayer. »Das hat der Landkreis schon abgelehnt«, antwortete Lanzinger, nicht zuletzt, weil ein Holzofen Brandgefahr mit sich bringe.

Strohmayer bat, schnell zu reagieren und schlug das »alte Gemeindehaus« vor. Hier ließen sich wohl Bad und Dusche einbauen, überlegte Lanzinger, dazu ein Wohn- und Schlafraum für zwei bis drei Leute. Die Kosten dafür lägen vermutlich im fünfstelligen Bereich. Der Bürgermeister versprach, bis zur nächsten Sitzung in drei Wochen die Kosten zu überschlagen und dann »was Konkretes« zu präsentieren.

»Wir müssen rasch etwas tun«, bekräftigte Strohmayer abschließend und Vordermayer schloss: »Eine Turnhalle ist keine menschenwürdige Unterbringung.« Der Landkreis – so war zu hören – rechnet bis zum Ende 2016 noch einmal mit einer Verdoppelung der 2015er Zahlen. höf