weather-image
24°

Gemeinde ist auf der Suche nach Alternativen zum Steg

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Bei der Vorstellung des Konzeptes zum Teilausbau des Chiemsee-Radrundweges in Seebruck wurde nicht nur massive Kritik an der Steglösung geübt; auch die Vorgehensweise des Gemeinderates wurde angeprangert. Unser Foto zeigt einen Entwurf, wie der Ausbau mit einer Steglösung aussehen könnte. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck. Dass der Ausbau des Chiemsee-Uferwegs in Seebruck eine heikle Angelegenheit wird, war den Planern bewusst. Dass der Entwurf mit einer Steglösung bei den Seebruckern aber auf einen derart massiven Widerstand stößt, hat die Beteiligten überrascht. Die Bürger sind stocksauer und kreiden dem Gemeinderat an, hinter verschlossenen Türen agiert zu haben.


Entsprechend war das Interesse bei der Veranstaltung der Gemeinde. Wer im Saal keinen Platz hatte, verfolgte die Diskussion vom Gang aus. Schon einmal gab es zu dem Thema eine Versammlung (wir berichteten), kurzfristig organisiert von Anliegern der Uferpromenade, um die Bevölkerung zu informieren. Sie hatten eine Fotomontage aufgelegt, wie die Steglösung aussehen könnte. Schon damals hatte es aber vom Gemeinderat geheißen, dass der Entwurf des Planungsbüros Dippold & Gerold in Prien »mit Sicherheit nicht so aussehen wird.«

Anzeige

Falscher Umgang

Seither ist das Thema Tagesgespräch. Die Bürger halten mit ihrer Enttäuschung gegenüber der Gemeinde nicht hinterm Berg. Bürgermeister Konrad Glück fand es verwunderlich, dass die gleichen Leute, die für eine Verlegung des Radweges an den See waren, jetzt Kritik üben. Ob das der richtige Umgang ist, wenn man auf der Straße nicht mehr gegrüßt werde, stellte er in Frage. Mit Unterstützung der Gemeinderäte unterstrich er mehrfach, dass es der Wunsch der Seebrucker gewesen sei, die Radfahrer, die jetzt über die Haushoferstraße geleitet werden, wieder an den See zu bringen. Der Gemeinderat habe reagiert und das Planungsbüro Dippold & Gerold mit einem Konzept beauftragt. Der Vorschlag und die Finanzierung über ein Sonderbaulastprogramm sollten dann mit den Bürgern diskutiert werden.

Die Kritik, der Gemeinderat habe geheim agiert, wies er von sich. »Wir waren bestrebt, wie bei anderen Projekten auch, den Bürgern eine Besprechungsgrundlage vorzulegen, die auch Stand hält.« Es sei nichts verheimlicht worden. Die Kritiker hielten jedoch daran fest, dass die ganze Misere dadurch entstanden sei, dass der Entwurf in nichtöffentlichen Sitzungen behandelt worden sei.

Dass der Entwurf, den Anton Schmuck vom Büro Dippold & Gerold vorstellte, eine »Verniedlichung der Probleme« darstelle, wie ein Veranstaltungsteilnehmer sagte, wurde ebenso mit Applaus unterstützt wie die Aussagen: »Wenn die Steglösung zur Ausführung kommt, haben wir keine Promenade mehr, sondern nur noch einen Weg.«

Kein »Evangelium«

Der Entwurf, der – wie Glück sagte – kein »Evangelium« darstelle und noch veränderbar sei, ist im Vergleich zu der Fotomontage der Bürgerinitiative durchaus etwas anmutender: Der Steg ist wesentlich niedriger und wird unterbrochen. Der gesamte Ausbau entlang der Promenade würde ab der Alzbrücke rund 850 Meter entlang der Traunsteiner Straße bis zum Ende der Gemeindegrenze Chieming reichen. Mit dieser Lösung könnte eine räumliche Teilung zwischen den Radfahrern und Fußgängern erreicht werden. Ab der Alzbrücke müssten die ersten 135 Meter aber aus Platzgründen als kombinierter Geh- und Radweg ausgeführt werden. Daran anknüpfend könnte auf der bestehenden Trasse bis zum Dampfersteg ein getrennter, etwa 250 Meter langer Geh- und Radweg gebaut werden. Im weiteren Bereich wäre ein 185 Meter langer Steg für die Fußgänger vorgesehen, der von einer 65 Meter langen Landlösung unterbrochen und im Anschluss auf einer Länge von 135 Metern fortgeführt werden würde. Die restlichen 60 Meter würden wieder in der Landlösung ausgeführt werden.

Die Stahlpfosten für den etwa 1,80 Meter hohen Steg würden im Abstand von fünf bis sechs Metern eingebracht. Der Belag des Steges würde in Holz ausgeführt werden. Das Geländer – schmale Stahlstützen mit Seilen – würde sich dem Geländer der bereits bestehenden Plattformen anpassen. Um den Seezugang sicherzustellen, würden neben den bestehenden Plattformen im landläufigen Bereich drei weitere hinzukommen.

Steglösung wird verteufelt

Der Tenor der rund zweistündigen Diskussion vermittelte den Eindruck, dass die Seebrucker die Radfahrer gar nicht an der Seeseite haben möchten; und eine Steglösung für die Fußgänger – offenbar der Knackpunkt an der ganzen Sache – generell verteufeln.

Bestreben der Gemeinde ist hingegen, durch einen attraktiven Ausbau eine Verlängerung der Saison zu erreichen. Ziel sei es, so Glück, den Chiemsee-Uferweg als Premium-Weg auszuschildern und damit den Tourismus anzukurbeln. Der Gemeinderat ist jetzt gefordert, nach Alternativ-Lösungen zu suchen; darunter auch den Vorschlag einiger Versammlungsteilnehmer, die desolate Kaimauer um einige Meter in Richtung See zu versetzen, um Platz für eine Lösung ohne Steg zu schaffen. ga