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Rund 200 Besucher im historischen Saal – Orden »Für nix und wieder nix« an Siegfried Walch überreicht

Gelungenes Programm beim Starkbierfest im Hofbräuhaus

Traunstein. »G‘spaßiges, Merkwürdiges und Unerhörtes“ bekamen die Besucher des Traunsteiner Starkbierfestes versprochen, das vom Hofbräuhaus Traunstein mit mehr als 200 Besuchern im hauseigenen historischen Saal veranstaltet wurde.

Machte die »Groko« auch in Traunstein für die kommende Kommunalwahl aus: Willi Schwenkmeier als Petrus beim Traunsteiner Starkbierfest. (Foto: Wittenzellner)

Der eine oder andere deftige Kommentar, der im Spiel von der Bühne gelassen wurde, und Parteien wie auch handelnde Akteure im regionalen Wahlkampf betraf, wurde mit dem süffigen Starkbier »obe gschwoabt«. Die Schauspieler um den vom Himmel heruntergekommenen Petrus (gespielt von Willi Schwenkmeier) hielten sich insgesamt mit Kritik an der Traunsteiner Lokalpolitik zurück.

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Mit dabei war auch die vierte Bayerische Bierkönigin Maria Krieger aus Riedenburg. Begrüßt hatte die Gäste der junge Bräu Maximilian Sailer, der alle »Großkopferten, Haupt- und Nebendarsteller« willkommen hieß. Die Schauspielerin Bettina Mittendorfer im schwarzen Kleid mit goldenen Herzchen, das sie auch trug, als sie vor Kurzem die Goldene Kamera entgegen genommen hatte, war für das Anzapfen zuständig und erfüllte die Aufgabe mit Bravour: Nach drei Schlägen konnte sie das obligatorische »ozapft is« in den Saal rufen. Dem folgte nach Zuprosten und Antrinken ein kurzer Witz von Mittendorfer, bevor dann von den meisten Besuchern mit Inbrunst die Bayernhymne gemeinsam gesungen wurde.

Für die richtige Einstimmung auf das Spiel und Bühnenstück sorgte vorher das Duo »Zwiadfach« aus der Oberpfalz. Zwar waren die beiden wort- und stimmgewaltigen Sänger und Musiker Crissy Ertel und Markus Moosburger mit ihrem oberpfälzer Dialekt nicht ganz leicht zu verstehen. Das war aber kein Beinbruch, die Pointe war meist verständlich genug, wenn die Kathi aus Obergiesing den Wirsing mit einer Hand stemmte, oder wenn’s ums Stanzerln (Fensterln) ging, ganz nach dem Motto: »Trink ma an Schnaps, zwickt nur da Straps«.

Höhepunkt des Abends war dann die lustige Aufführung, bei der Petrus, der Asylant Sepp (Dietmar Gamper), Stadtarbeiter Nick (Franz-Josef Fuchs) und die Bedienung Resi (Christa Fuchs) einen Streifzug durch die Lokalpolitik hielten – und dabei gleichzeitig den einen oder anderen Ausflug in die Landes- und Bundespolitik machten. Petrus sah auch für den Landkreis Traunstein ganz nach Bundesvorbild eine »Groko« mit den beiden Kandidaten der CSU und SPD, Siegfried Walch und Josef Konhäuser kommen, warnte aber gleichzeitig: »Wartet erst einmal die Wahlergebnisse ab!«

Er, Petrus, sei gekommen, weil sein Boss im Himmel gesagt habe, er solle sich umhören und anschließend würden die beiden beschließen, wer Landrat und Bürgermeister werde. In seinem Besuch im Wirtshaus traf er dann den »Sozialschmarotzer« Sepp aus Südtirol und den Stadtarbeiter Nick. Im Laufe des Wirtshausgespräches bekam die CSU genauso ihr Fett weg, wie die Bildzeitung und der Bayerische Rundfunk. Und auch die FDP findet in dem Stück ihre Erwähnung. Die Partei sei seit der vergangenen Landtags- und Bundestagswahl in die ewigen Jagdgründe eingegangen, obwohl es in Traunstein noch einen FDPler geben soll – wie man sagt.

Sepp berichtete von seinen Erfahrungen einer Zugfahrt nach München mit dem Meridian, beim Warten auf den verspäteten Zug habe er hinterm Traunsteiner Bahnhof mit der Güterhalle »a mords greislichs Gebäude« stehen sehen, wobei ihm der Franz klar macht, dass die Aussagen dabei von Kosten von zwei über drei bis hin zu vier Millionen Euro reichen würden.

Die Diskussion unter den geistlichen und ungeistlichen Wirtshausbrüdern nimmt dann eine überraschende Wende, als plötzlich der vom zwischenzeitlich das Lokal verlassende Josef Fuchs gespielte »König Sigi Walch« in das Wirtshaus stürmt und sich mit dem Rio-Reiser-Hit »Wenn ich König von Deutschland wär« feiern lässt. Als sich der Rummel gelegt hat, erhält er den Orden »Für nix und wieder nix« verliehen. Kurz überlegen die Beteiligten, ob den Orden nicht eigentlich seine Wähler erhalten sollten – strebe dieser doch, falls er der »König des Landkreises« werde, nach Höherem und er sei sicher der prädestinierte Nachfolger vom Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer. Das Stück endete damit, dass dem echten Siegfried Walch dann auf der Bühne noch der nur bedingt wertvolle Orden angesteckt wird. Mit viel Applaus wurde das gekonnte gespielte Stück bedacht.

Für die richtige musikalische Begleitung bei dem gelungenen Starkbierfest sorgte die Traunsteiner Stadtmusik, für Ruhe und Ordnung waren zwei Traunsteiner Landsknechte zuständig, die aber einen arbeitsfreien Abend hatten und sich den Fastenbock ebenso wie viele Besucher an dem Abend so richtig schmecken ließen. awi