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Gegen eine Verbauung des Seebrucker Chiemseeufers

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Wie bisher am Ufer zu sitzen, Sonne zu tanken oder am Wasser entlang zu gehen, sehen die Gegner des geplanten Steges an der Uferpromenade in Seebruck als bedroht an. Die hier in einer Fotomontage dargestellte Stahlkonstruktion wäre ein Fremdkörper und würde die Landschaft verschandeln.

Seeon-Seebruck. »Lieber kaufen wir uns einen weißen Elefanten und führen ihn durchs Dorf, bevor das Ufer mit einer Stahlkonstruktion verbaut wird«. Mit dieser und weiteren Parolen wurde bei einer Informationsversammlung im Hafenwirt in Seebruck deutlich, dass der vom Gemeinderat abgesegnete Entwurf, im Rahmen des Chiemsee-Rundweg-Ausbaus entlang der Uferpromenade in Seebruck einen 400 Meter langen kombinierten Fuß- und Radweg zu bauen, nicht gewünscht ist. Äußerst kritisch wird dabei der Bau eines Steges für die Radfahrer gesehen.


Der einstimmige Gemeinderatsbeschluss vom 2. Dezember hat vor allem bei den Anliegern eine heftige Debatte ausgelöst. Um ihrem Ärger Luft zu machen, aber auch gleichzeitig die Bevölkerung darüber zu informieren, wie nachteilig sich das geplante Konzept auf das Landschaftsbild und auf die Erholungssuchenden auswirken könnte, hatte eine Bürgerinitiative aus den Reihen der Anlieger eine Informationsversammlung organisiert, ohne die seitens der Gemeinde versprochene Informationsversammlung abzuwarten. Bei der Beschlussfassung des Konzepts in der Gemeinderatssitzung war auf Anregung des 3. Bürgermeisters Rudolf Mayer gleichzeitig gefordert, die Bevölkerung zunächst über den Entwurf zu informieren. Aus Zeitgründen war es der Verwaltung aber nicht mehr möglich, noch heuer eine Informationsveranstaltung zu terminieren. Nach Angaben von 2. Bürgermeisters Hans Huber soll die Informationsveranstaltung am 16. Januar um 19 Uhr im »Hafenwirt« stattfinden.

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»Wir wollten nicht warten und die Bürger frühzeitig informieren«, sagte Hans Fenzl, einer der Sprecher der Bürgerinitiative dem Traunsteiner Tagblatt.

Wie berichtet, würde sich der Ausbau laut vorliegendem Entwurf ab der Alzbrücke rund 850 Meter entlang der Traunsteiner Straße bis zum Ende der Haushoferstraße bewegen. Aus Platzgründen müssten die ersten 140 Meter ab der Alzbrücke als kombinierter Geh- und Radweg ausgeführt werden. Daran anknüpfend könnte auf der bestehenden Trasse dann bis zum Dampfersteg ein getrennter Geh- und Radweg gebaut werden. Das restliche Teilstück müsste in weiten Bereichen über dem Chiemseeufer als Steg hergestellt werden.

Fremdkörper in der Landschaft

Die Anwohner befürchten aber, dass der Steg als Plattform mit einer Stahlkonstruktion ausgeführt wird, die als Fremdkörper die Landschaft verschandeln würde. Ihrer Ansicht nach bestünde keine zwingende Notwendigkeit, den Radweg an die Seeseite der Traunsteiner Straße zu quetschen. Außerdem weisen sie darauf hin, dass der Chiemsee-Rad-Rundweg von Arlaching bis zur »Kupferschmiede« künftig landseitig, also nördlich der Staatsstraße 2095, geführt werde. Deshalb sei die landseitige Weiterführung von der »Kupferschmiede« durch die Haushoferstraße, in die die Radfahrer auch derzeit schon umgeleitet werden, in Richtung Seebruck zur naheliegenden Alternative geworden.

Dass dieses Thema der Bevölkerung auf den Nägeln brennt, war deutlich: Der Saal im Hafenwirt war übervoll. Einige mussten sich sogar mit Stehplätzen auf dem Gang begnügen. Wie Fenzl eingangs betonte, sollte offen und sachlich diskutiert werden. Mit Ausnahme von einigen emotionalen Ausrastern, hielt sich die Versammlung, darunter auch eine Reihe von Gemeinderäten, auch daran. Zunächst ergriffen jedoch die Initiatoren das Wort und präsentierten eine Fotomontage, die sie, wie Fenzl sagte, aus den wenigen Informationen, die sie vom zuständigen Planer in der Gemeinderatssitzung erfuhren, anfertigten. Fenzl kritisierte, dass bei der Vorstellung des Konzepts in der Gemeinderatssitzung außer einer Draufsicht nur ein paar Schnitte gezeigt worden seien.

Malerische Ansicht von Seebruck in Gefahr

Grundsätzlich Kritik wurde auch daran geübt, dass man für die Planung ein Tiefbaubüro beauftragt habe und keinen Landschaftsarchitekten, und die Bevölkerung viel zu spät von der Idee, wie das Projekt aussehen könnte, in Kenntnis gesetzt worden sei. Fenzl: »Hätte man mit uns geredet, hätten wir schon früher signalisiert, dass eine Steglösung nicht geht.« Auf der Basis der Aussagen des Planungsbüros hatten die Initiatoren versucht, die Ansichten zu visualisieren. Herausgekommen ist dabei eine rund 400 Meter lange Plattform mit einer Stahlkonstruktion mit 80 Pfosten und einem Geländer. In den Augen der Gegner drohe damit nicht nur ein Stück Heimat verloren zu gehen, auch die malerische Ansicht von Seebruck wäre in großer Gefahr.

Die Liste der Nachteile, die von den Gegnern aufgezeigt wurden, war lang: Die Stahlkonstruktion würde einen Fremdkörper darstellen und die Optik von rund 80 Pfosten am Ufer wäre verheerend, hieß es. Die beengte Gesamtsituation und die aufwändige Pflege (an den Pfosten bleibe Unrat hängen) wird ebenso negativ gesehen wie die Gefährdung der Existenz der noch einzigen Seebrucker Gästepension. Das Haus Seeblick habe erheblich investiert, sagte Fenzl. Durch den Wegfall der Werbemöglichkeit »Freier Zugang zum See« wäre dessen Existenz gefährdet.

In der Diskussion zeichnete sich ab, dass das Projekt, sollte es denn umgesetzt werden, nicht gewünscht ist. Von »schockierend« über »Stahl gehört nicht in den See« bis hin zu der Forderung, einen Landschaftsplaner heranzuziehen, um das Thema »Aufwertung der Uferpromenade« generell anzupacken, reichten die Wortbeiträge der gegnerischen Seite.

Die Gemeinderäte hingegen verteidigten ihre Entscheidung und hielten damit auch nicht hinterm Berg. Rudolf Mayer ließ seinen Emotionen freien Lauf: »Ich finde die Veranstaltung unfair hoch 40«, platze es aus ihm heraus. »Des passt ned.« Der Gemeinderat habe mit Nachdruck darauf gedrungen, der Bevölkerung bei einer Infoveranstaltung den Entwurf vorzustellen. Dass es heuer nicht mehr geklappt habe, haben an den vielen Terminen gelegen. Er könne aber versichern, dass der Entwurf mit Sicherheit »ned so ausschaun wird«, wie die von den Initiatoren aufgezeigte Fotomontage. Der Gemeinderat habe lediglich einen Planer für eine Lösung beauftragt. Die Planung sei noch nicht genehmigt und das Projekt auch noch nicht ausgeschrieben, betonte Mayer. »Jetzt kann man darüber diskutieren und wenn die Bevölkerung Nein sagt, dann bauen wir halt nicht.«

Nach Angaben von Gemeinderat Hans Huber soll der Steg wesentlich niedriger werden als auf der Fotomontage zu sehen. Das Projekt könnte in seinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal werden und sich von den anderen Gemeinden abheben. Die CSU-Gemeinderäte Sepp Daxenberger und Michael Regnauer verwiesen auf die Infoversammlung am 16. Januar und Gemeinderat Josef Hölzl (Freie Wähler) meinte ebenfalls, dass zwar ein Konzept vorliege, aber noch nichts passiert sei. Die Kritik, die Gemeinde hätte hinter verschlossenen Türen gehandelt, ohne die Bürger mit ins Boot zu nehmen, konnte der ehemalige Gemeinderat Heinz-Georg Plikat so nicht stehen lassen. Der Gemeinderat könne ja nicht mit leeren Händen, sprich ohne Konzept, an die Bürger herantreten. ga