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Gegen die »Political Correctness«

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Starkbierfest in Traunstein am 24.02.2018
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Die Bierdeckel-Posse zwischen dem Hofbräuhaus und der feministischen Zeitschrift Emma als kleines Theaterstück mit (von links) Bräu Maximilian Sailer, Marketingleiterin Katharina Gaßner, Senior-Bräu Bernhard Sailer und Geschäftsführer Josef Schuhmacher. Foto: Wittenzellner

Traunstein – Deftig und heiter ging es zu beim Traunsteiner Starkbierfest, bei dem vor allem der letztjährige »Bierfuizl-Streit« zwischen dem Hofbräuhaus und Feministin Alice Schwarzer mit klarer Aussage der Brauerei in die nächste Runde ging.


Aber auch Fastenprediger Albert Rosenegger ließ nahezu kein Thema aus, das in den letzten Wochen und Monaten Stadtgespräch in Traunstein und darüber hinaus war. Und so galt es für manchen Akteur auch einmal kräftig durchzuatmen bei der humorvoll und manchmal spitz verpackten Darstellung des politischen Tagesgeschäfts.

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Wer eine der begehrten Karten ergattert hatte, war noch nicht automatisch »drin« – musste der glückliche Kartenbesitzer doch immer noch an den Traunsteiner Landsknechten vorbei, die trotz Eiseskälte an der Tür standen. Einmal »drin«, brauchten es die Besucher nicht zu bereuen: Süffiges Bier und deftige Brotzeit sorgten mit dafür, dass die Stimmung nicht zu kurz kam beim Politiker-Derbleckn.

»Me too ... und Du mi a…!«

Dabei ging es gleich deftig zur Sache: Bräu Maximilian Sailer, Senior-Bräu Bernhard Sailer und Geschäftsführer Josef Schuhmacher gingen mit blutverschmierten Schürzen, »bewaffnet« mit Beil und Messern auf die Bühne zum »Schlachttag«. Es werde heute die »Sau Gutmensch mit allen ihren abartigen Wucherungen« geschlachtet.

So setzten sie einen kraftvollen Seitenhieb auf Feministin Alice Schwarzer. Man werde auf die Bierfuizln drucken, was den Leuten gefalle und nicht was Schwarzer meine. Und gegen die »Political Correctness« bestelle man auch weiterhin einen »Neger« oder eine »Russen-Maß.« Bildlich wurde dann ein Schweinekopf in die »Mee-Too-Kiste« auf der Bühne befördert, nicht ohne wieder ruhigere Töne anzuschlagen: »Mia tun koana Sau was zuleide«, man steche nur ein Bierfass an. Das war das Stichwort zum symbolischen Anstich des Fastenbocks, bei dem Oberbürgermeister Christian Kegel diesmal nur attestierte. Die bayerische Bierkönigin Lena Hochstraßer aus Höhenrain machte ihre Sache gut. Nach drei Schlägen verkündete die 23-Jährige: »Ozapft is«. Das Bier floss auf der Bühne und an den Tischen kräftig. Dem folgte das traditionelle gemeinsame Singen der Bayernhymne – für unsichere Sänger mit Text am Tisch.

Der bayerische Petrus (Willi Schwenkmeier) meinte, er sei »vom Chef« geschickt worden, um den Erdenbürgern wieder einmal die Leviten zu lesen. Eigentlich nach Berlin, wo man bisher weder eine Regierung zustande gebracht habe, noch einen Flughafen bauen könne. Und so schimpfte er über Abkürzungen a la Groko, nachdem man Große Koalition offensichtlich ebenso wenig aussprechen könne, wie die Kraka, die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Er sei aber statt in Berlin nach dem Rechten zu sehen, lieber in die Seele Bayerns gekommen, in den Chiemgau und hier in die Große Kreisstadt Traunstein. Dabei monierte er, das bayerische Mannsbild interessiere sich in erster Linie für Fußball, Autos und Frauen.

So leitete er über zu dem knapp 20-minütigen Spiel der Kulturfabrik Nuts. Die Mama (Christa Fuchs), die Tochter (Gabi Trattler) und der Schwiegersohn (Franz-Josef Fuchs) spiegelten die »typisch deutsche Familie« wieder. Sie diskutierten über die »Mee-too-Bewegung« (»Ich auch«), der von Hollywood ausgehenden Bewegung gegen sexuelle Übergriffe. So etwas gäbe es natürlich nicht in Bayern, zeigte sich Franz überzeugt, während Gabi entgegnete, dass das genauso für Deutschland gelte.

Smartphone statt schwimmen lernen

Weiter ging es um die heimischen Kinder, die statt Schwimmen zu lernen lieber vor dem Smartphone säßen und den Abgasskandal, den man damit aufarbeitete, dass man auch ein Elektroauto fahre. »Hauptsach es san große, schwaare Kistn, wos zum herzoang hoid«.

Fastenprediger Albert Rosenegger begrüßte die »liebenswerten Politiker und sonstige Wählerquäler«, die Geistlichkeit und die »hochverehrten Maßkrugstemmer des proletarischen Restes.« Schnell ging es von der Bundespolitik mit Jamaika-Verhandlungen (»bevor der Oberfeigling Linder ausstieg«) zur »vom hohen Ross herabgeholten Merkel zum Don Quichotte Schulz.« Da ging es gleich zu den heimischen Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Ramsauer auf dessen Wirtschaftskompetenz man in Berlin nicht verzichten könne wie auch Dr. Bärbel Koflers Widerstandskraft bei politischem Gegenwind. Das Fehlen des weitreisenden letztjährigen Ordensträgers, Landtagsabgeordneter Klaus Steiner kommentierte er ironisch: »Der hat sich letztes Jahr bei der Ordensverleihung so erkältet, dass er heute noch verschnupft ist.« Und zum Fernsehkochen der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl sagte er: »Gott sei Dank gibt es ja noch kein Geschmacksfernsehen.«

Oberbürgermeister Christian Kegel habe zu Allerheiligen seine »Millionengräber« besucht, sagte er mit Blick auf die Klosterkirche und die »Ruhe-in-Frieden-Güterhalle.« Aber die Stadt saniere nicht nur die Klosterkirche, sondern auch mehrere Gutachter- und Planungsbüros nebst Baufirmen. In der Stadt gäbe es einen »ungeheuren Kahlschlag an historischen Gebäuden«.

Natürlich wurde auch der Stadtrat, die »Windelwechsler der städtischen Bürgerschaft« mit dem einen oder anderen ironisch-zweideutigen oder manchmal recht eindeutigen Kommentar bedacht – sehr zum Geschmunzel der anwesenden Besucher. Und auch die direkt Angesprochenen trugen es – zumindest äußerlich – mit Fassung. Denn eigentlich sei der Traunsteiner Bürger sehr umgänglich: »Er wui sein Wochenmarkt, sein Bauernmarkt und sein Unterforsthuber. Nacha is er scho z'friedn«, beendete er die mit lang anhaltendem Applaus bedachte Fastenpredigt.

Orden »für nix und wieder nix« für Konhäuser

Zum Abschluss gab es noch die Ordensverleihung. Schwenkmeier betonte, die Entscheidung über den Preisträger sei nicht neumodern mit einer Abstimmung auf Facebook erfolgt, sondern die Verantwortlichen hätten sich zusammengesetzt und sich für Sepp Konhäuser entschieden. »Einer jener Menschen, die selten zu Ehren kommen. Er macht seine Arbeit ohne großes Schulterklopfen. Und er macht diese gut«.

Seine Arbeit sei nicht von großem Medienrummel geprägt, er stand und stehe wieder als Stellvertreter im Schatten des früheren Landrats Hermann Steinmaßl und dessen Nachfolger Siegfried Walch. Nach der Verleihung des Ordens sagte der sichtlich erfreute stellvertretende Landrat: »Ich bin überrascht worden, aber es passt.«

Nach der deftigen Fastenpredigt floss das Bier weiter reichlich: Brauchte doch so mancher einen kräftigen Schluck aus seinem Steinkrug. Langweilig wurde es auch nach dem offiziellen Programm nicht, zünftig ging es weiter zu an den Tischen. Die Stadtmusik spielte weiter und sorgte für gute Stimmung beim Starkbierfest, das noch einige Stunden zünftig weiterging. awi