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Gefährlicher Freundschaftsdienst

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Einen gefährlichen Freundschaftsdienst leistete ein 53-jähriger Österreicher einem Freund aus dem Mühlviertel, der Opfer eines betrügerischen Finanzmaklers geworden war. Der Bekannte war unter den rund 7000 Geschädigten eines Riesenanlagebetrugs mit dreistelligem Millionenschaden (wir berichteten). Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein verurteilte den geständigen 53-Jährigen gestern zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Damit erhöhte sich die Strafe deutlich. Eine andere Traunsteiner Kammer hatte gegen den Österreicher im Mai vergangenen Jahres 22 Monate Haft verhängt.


Das erste Urteil hatte der Bundesgerichtshof auf Revision des Angeklagten wie der Staatsanwaltschaft in Teilen aufgehoben. Deshalb musste nochmals über die Vorwürfe verhandelt werden, bei denen zwei »Bomben« und zwei Briefbombenattrappen im Zentrum standen. Das Ziel des 53-Jährigen war laut Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel, gegen eine Belohnung von 1000 Euro plus Spesen »Druck aufzubauen« gegen Geschäftspartner und Familienangehörige des Betrügers – damit dieser dem Freund aus dem Mühlviertel Geld zurückerstatte. Das Verfahren gegen den angeblichen »Anstifter« wurde übrigens eingestellt. Er hatte alle Schuld auf den 53-Jährigen geschoben. Dieser habe auf eigene Faust gehandelt.

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Seit 23 Monaten in Untersuchungshaft

Seit fast zwei Jahren, genau seit 23 Monaten, sitzt der Angeklagte mittlerweile in Untersuchungshaft. Er hatte am 15. Januar 2013 in Grassau, wo früher ein Geschäftspartner des Betrügers wohnte, eine »Kugelbombe« in Form eines hochexplosiven und brandgefährlichen Feuerwerkskörpers aus Tschechien gezündet. Sachschaden war das Ergebnis. In Herrsching am Ammersee warf er am 28. März 2013 eine weitere Bombe, dieses Mal einen zylinderförmigen Sprengsatz, ins Anwesen des Bruders des Haupttäters. Mit quietschenden Reifen entfernte sich der »Bombenleger«. Der Sprengsatz jagte ein 15 000 Euro teures Auto in die Luft. In beiden Fällen wurde glücklicherweise niemand verletzt. Außerdem hatte der Angeklagte etwas früher an eine Familienangehörige des Millionenbetrügers sowie einen Geschäftsfreund Briefbombenattrappen verschickt.

Zwei Tage lang hörte das Gericht Zeugen und Sachverständige, auch des Bayerischen Landeskriminalamts, an. Abschließend plädierte Staatsanwalt Björn Pfeifer gestern auf eine Gesamtstrafe von drei Jahren und zwei Monaten für das zweimalige »Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion« sowie versuchte und vollendete Nötigungen. Die schon rechtskräftigen Teile des ersten Urteils, unter anderen für Drohmails, waren darin inbegriffen.

»Leichtsinnig und unverantwortlich«

Der Verteidiger, Michael Vogel aus Traunstein, betonte gestern, sein Mandant habe »simple Anweisungen« erhalten und ausgeführt. Über die eigentlichen Hintergründe habe er nichts gewusst. Eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren sei tat- und schuldangemessen. Im »letzten Wort« beteuerte der geständige Österreicher: »Es tut mir leid, was ich gemacht habe. Ich habe leichtsinnig und unverantwortlich gehandelt.«

»Wer sagt die Wahrheit, ob Sie Handlanger, Gehilfe waren? Sie oder der Anleger, der sagt, Sie sind aus dem Ruder gelaufen? Wer hat Recht? Aussage steht gegen Aussage. Wir glauben Ihnen«, eröffnete der Vorsitzende Richter die Urteilsbegründung. Entstanden sei alles, weil der Angeklagte dem befreundeten Anleger helfen wollte, wieder an sein Geld zu gelangen. Der 53-Jährige habe aber durchaus auch wegen der Bezahlung ein Eigeninteresse gehabt. Die Drohungen seien nach und nach schärfer geworden – von Briefbombenattrappen bis zu den Bomben – »um Druck auf Angehörige auszuüben, damit diese Einfluss auf den Vielfachbetrüger nehmen«. Dr. Zenkel schloss: »Die Zeugen haben gelitten und leiden noch heute darunter.« kd