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Traunstein. Ein achtfach vorbestrafter, 31 Jahre alter Traunsteiner kasachischer Abstammung ist gestern wegen »leichtfertiger Geldwäsche« und Urkundenfälschung vor dem Schöffengericht Traunstein gestanden. Der Angeklagte hatte einem Ukrainer, den er vor Jahren in einer Drogenentzugsklinik in Kiew kennengelernt hatte, sein Konto bei der Postbank München zur Verfügung gestellt.


In 13 Einzelbeträgen trudelten am 25. Juli 2013 darauf genau 158 830 Euro ein, die der Angeklagte am gleichen Tag noch binnen sieben Stunden in elf verschiedenen Postbank-Filialen in München in Tranchen zwischen 1000 und 32 000 Euro abhob und dem Auftraggeber in bar aushändigte. Das Besondere daran: Das Geld war von fremden Konten mittels eines Trojanerprogramms »umgeleitet« worden. Die Quittung für den 31-Jährigen: 15 Monate Freiheitsstrafe.

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Der Angeklagte war zuletzt 2009 in Traunstein wegen Drogendelikten verurteilt worden. Nach einem Jahr Vorwegvollzug im Gefängnis kam er in Unterbringung in ein Bezirksklinikum. Nach etwa zweijähriger Therapie wurde er im Dezember 2012 entlassen. Er reiste ein halbes Jahr zu seiner damaligen Ehefrau nach Russland, kehrte nach Traunstein zurück und war wieder im Gebrauchtwagenhandel tätig.

Kontakt via Facebook

Im Juli 2013 fand ihn der Ukrainer, der auch mit Autos handelte, via Facebook. Für das Nutzen des Kontos samt Barabhebungen bot der Mann 5000 Euro, erhöhte die Summe dann auf 7000 Euro – die der 31-Jährige später tatsächlich erhielt. Er bedauerte gestern, den Ukrainer nicht nach Einzelheiten gefragt zu haben: »Das war mein Fehler.«

Der Traunsteiner schilderte, der Bekannte habe erklärt, er könne das Geld aus Autogeschäften nicht bar nach Deutschland bringen beziehungsweise in Deutschland vom Konto nicht abheben. Insgesamt hätten 120 000 Euro über das Konto des Angeklagten laufen sollen. Tatsächlich seien es deutlich mehr gewesen, wie er von den Banken an jenem Tag auf die Frage nach dem jeweiligen Kontostand erfahren habe, schilderte der Angeklagte gestern.

Probleme bei der Auszahlung habe es nicht gegeben. Die Bankbediensteten hätten jeweils in den Computer geschaut und ihm mitgeteilt, wie viel Geld sie auszahlen könnten. Mit den 7000 Euro sei er abends nach Traunstein zu seiner Mutter gefahren. Zwei Tage später habe er einen vor langem gebuchten, von der Mutter bezahlten Billigflug von Wien nach St. Petersburg angetreten, um seine Verlobte besuchen.

Über seine Mutter habe er dann von der Hausdurchsuchung in der gemeinsamen Wohnung in Traunstein gehört. In Russland habe er sich deshalb einen israelischen Pass und Führerschein besorgt. Über Polen sei er in die Bundesrepublik eingereist. Bei einer Polizeikontrolle an einer Tankstelle in Sachsen am 17. Dezember 2013 klickten die Handschellen. Seither saß der 31-Jährige in Untersuchungshaft.

Er will, wie er gestern versicherte, die für Februar 2014 angesetzte und wegen der U-Haft geplatzte Hochzeit mit der Russin nachholen und künftig in Russland bleiben. Seine Pläne begründete er auch mit seinen acht Vorstrafen: »Ich habe in Deutschland schon so viel Mist gebaut.«

Polizeiermittlungen führten auf die Spur des Traunsteiners

Die Ermittlungen aufgrund von Anzeigen der fünf geschädigten Kontoinhaber hatten auf die Spur des 31-Jährigen geführt. Allein ein Opfer hatte durch das Trojaner-Schadprogramm mit Namen »URLzone« an dem besagten Tag mittels abgefangener TAN bei 14 unberechtigten Abbuchungen 123 600 Euro eingebüßt, vier weitere Personen zwischen jeweils 4250 und 9300 Euro.

Staatsanwalt Gunther Scharbert beantragte gestern eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Bewährung sei bei dieser Strafhöhe vom Gesetz her nicht mehr möglich. Lediglich für die Urkundenfälschung wollte der Verteidiger, Florian Wurtinger aus München, seinen Mandanten verurteilt sehen. Für die Geldwäsche forderte er Freispruch.

Das sah das Schöffengericht anders. Der 31-Jährige habe sich gemäß Anklage schuldig gemacht, betonte Richter Wolfgang Ott. Dass mit den Überweisungen nicht alles rechtens zugegangen sei, hätte der 31-Jährige erkennen können und müssen. Angesichts der massiven Vorstrafen sei eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht mehr möglich. kd