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Gedanken zum Aschermittwoch von Gemeindereferent Philip Moser

»Bedenke, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst«, spricht Ihnen ein kirchlicher Vertreter am Aschermittwoch als Zeichen der eigenen Vergänglichkeit zu. Manchmal hören Sie zum Aschekreuz auch die Worte: »Kehr' um und glaub' an das Evangelium!« Das zentrale Wort »kehre um« kann auch bedeuten, »denk' weiter« und ist so mehr in die Zukunft gerichtet. Dieses Weiterdenken beherzigt die große Mehrheit des Synodalen Wegs, bei dem ernsthaft versucht wird, Lehren aus dem Missbrauch in der Kirche zu ziehen und das konkrete Handeln der Kirche zu verändern.

Der leider inzwischen verstorbene, geistliche Begleiter des Synodalen Wegs, Bernd Hagenkord SJ. hat angeregt, in kirchlichen Debatten nicht weiter in den Kategorien konservativ und liberal zu denken, sondern lieber in konstruktiv und destruktiv zu unterscheiden: »Sowohl das Bewahren als auch die Suche nach Neuem kann konstruktiv sein. Aber genauso können Bewegungen und Ansichten, die als konservativ daherkommen, in Wirklichkeit destruktiv sein. Es gilt genau zu unterscheiden, was in einem Konflikt oder einer Debatte weiterführt und zu Lösungen beiträgt«.

Vielleicht kann die Fastenzeit dieses Jahr auch eine Zeit sein, um Ihr persönliches Verhältnis zur Kirche zu klären. Wie positionieren Sie sich in der Debatte um den Missbrauch und die Reformen in der Kirche? Ich leide unter meiner Kirche, dort wo sie die Grundlagen unseres Glaubens verrät und mit Füßen tritt. Aber ich will ihr nicht den Rücken kehren, weil sie der Ort ist, in dem seit 2000 Jahren die Frohe Botschaft von Jesus Christus verkündet wird und weil ich in und durch sie unendlich viel Gutes erleben durfte.

Es gilt uns allen, dieses »kehr' um« und »denk' weiter«. Deshalb möchte ich Sie einladen, dass durch Sie die Kirche noch deutlicher ihr anderes Gesicht zeigen kann, das dem liebenden Anblick Jesu gleicht. Oder um es mit Worten von Frère Roger zu sagen: »Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.« Was ist es, was Sie in den nächsten Wochen konkret leben möchten in der Nachfolge Jesu?

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