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Gebietsausweisung wird um fast die Hälfte reduziert

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Am meisten betroffen ist das Anwesen von Sepp Basal, der die Ausweisung des Gewerbegebiets für das Lagerhaus als »enteignungsgleichen Eingriff ins Eigentum« bezeichnete. (Foto: Eder)

Waging am See – Zumindest einen kleinen Erfolg hat das Aufbegehren von Unteraschauer Bürgern gegen das geplante Gewerbe- und Mischgebiet schon gebracht. Wie Planer Ludwig Kleißl bei der mit rund 130 Interessierten ausnehmend gut besuchten Versammlung beim Oberwirt in Otting mitteilte, ist das Gesamtgebiet von 2,7 auf 1,5 Hektar reduziert worden. Das allerdings mindert die Bedenken der Unteraschauer nicht wirklich, wie aus den zahlreichen Äußerungen hervorging: Befürchtet wird trotzdem, dass das Gebiet zwischen Unteraschau und dem Gewerbegebiet »Waging West« im Laufe der Zeit völlig zugebaut wird.


»Enteignungsgleicher Eingriff ins Eigentum«

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Die Familie Basal steht mit ihrem Anwesen genau in der Mitte zwischen den Gewerbegebieten. Sepp Basal stellte fest, dass man sich in Unteraschau bisher noch nie beschwert habe: nicht gegen den Ausbau der Straße, nicht gegen das Gewerbegebiet »Waging West« und auch nicht gegen die Ansiedlung des Pflaster- und Erdbaubetriebs Schneckenpointner, auch »wenn man hört und sieht, wie viel dort gearbeitet wird«. Die Ausweisung des neuen Gebiets für das Raiffeisen-Lagerhaus jedoch sei ein »unvorstellbarer Einschnitt« in den Lebensraum. Das Anwesen der Familie werde so gut wie wertlos, das Ganze sei ein »enteignungsgleicher Eingriff ins Eigentum«.

Aber abgesehen von seiner eigenen Situation sei zu befürchten, dass das Gebiet um Unteraschau »komplett zugebaut« würde. Anhand von Fotos zeigte er die möglichen und – von vielen Unteraschauern befürchteten – weiteren Gewerbegebietsausweisungen, durch die, wie Petra Basal ergänzte, »das ganze Fleckchen Erde zugebaut wird, wenn jetzt mit dem Lagerhaus die Tür aufgemacht wird«. Den Bauherrn Bernhard Schneckenpointner fragte Sepp Basal, was ihn bewege, sein eigenes Grundstück so zubauen zu lassen. Der wehrte ab: Er werde heute nichts dazu sagen.

Konrad Zahnbrecher sprach von einer »roten Linie«, die mit der neuerlichen Gewerbegebietsausweisung überschritten würde: »Damit wird in großem Stil das Ortsbild niedergemacht.« Bürgermeister Herbert Häusl und die zahlreichen Gemeinderäte fragte er, ob die Gemeinde wirklich ein Vorhaben unterstützen wolle, das das Ortsbild so stark beschädigen würde. Es sei schon möglich, dass Waging ein Lagerhaus brauche, aber er könne nicht glauben, dass Unteraschau der einzig mögliche Platz dafür sei. Die Unteraschauer lehnten jedenfalls den Plan ab und appellierten an den Gemeinderat, die Entscheidung »im Licht unserer Interessen« nochmals zu überdenken und für die Bürger zu stimmen.

Bürgermeister Häusl betonte, es sei ein Anliegen der Gemeinde, das Verfahren offen zu führen. Die Schließung des Lagerhauses sei für Waging ein Verlust. Von daher habe der Gemeinderat zugestimmt, das Verfahren für das von Schneckenpointner gebotene Grundstück einzuleiten. Jahrelang habe die Gemeinde einen geeigneten Platz gesucht – ohne Erfolg. Alternative Standorte seien rechtlich nicht möglich oder nicht verfügbar gewesen. Der Standort Unteraschau sei sicherlich »traurig für die Betroffenen«, aber »sonst geht nichts. Wenn jemand etwas weiß, dann bitte sagen!«

Damit wies er Vorwürfe etwa von Rupert Blank zurück, der der Gemeinde unterstellte, überhaupt nicht nach Alternativen gesucht zu haben und den Standort Unteraschau jetzt mit der Brechstange durchdrücken zu wollen. Die jetzt angebotene, abgespeckte Version sei nichts als ein geschicktes Angebot, »ein guter taktischer Zug«.

»Nach Geschäftsschluss ist es totenstill«

Die Vertreter der Raiffeisenbank Rupertiwinkel, Vorstand Werner Maier und Lagerhausleiter Matthias Grünäugl, bekamen Gelegenheit, ihr Projekt vorzustellen. Maier sagte einmal mehr, wie »entsetzt« und »schockiert« die Bank gewesen sei, als man von der geplanten Ansiedlung der Konkurrenz von Oberbayern Südost erfahren habe. Trotzdem bekenne man sich weiter zum Standort Petting, wolle aber in Unteraschau ein weiteres Lagerhaus in Angriff nehmen.

Grünäugl, in Waging zu Hause, äußerte sich »begeistert« von dem Gedanken, in Waging etwas zu machen und damit 7000 Leuten ein typisches Raiffeisen-Lagerhaus anzubieten, das sich von gewöhnlichen Baumärkten wohltuend abheben werde: in fester Ziegelbauweise, mit bis zu 600 Quadratmetern Verkaufsfläche »und mit Mitarbeitern, die mit dem Kunden zum Regal gehen«. Bis zu neun Arbeitsplätze würden hier entstehen, leiten werde das künftige Lagerhaus Reinhard Zauner, der aus Unteraschau stammt – mit »ganz normalen Öffnungszeiten: nach Geschäftsschluss ist es totenstill!«. Mit elektrischen Staplern wolle man die Lärmbelästigung so gering wie möglich halten.

Helmut Mühlbacher vom Landschaftsbüro Mühlbacher und Hilse sprach über den Umweltbericht und hob die Reduzierung des Gebiets heraus: Damit rücke man noch ein Stück weg von dem Biotop bei dem benachbarten Bach. So reduziere sich auch die Versiegelung des Bodens. Häusl betonte immer wieder, dass das Verfahren keineswegs schon gelaufen sei. Um das zu untermauern, stellte Sabine Kraller vom gemeindlichen Bauamt die Verfahrensschritte vor, die noch anstehen, bevor möglicherweise gebaut werden kann. Wie das Verfahren auch ausgehe, »am Schluss muss stehen, dass alle wieder miteinander reden«, so Häusl.

Einen gefühlvollen Abschluss bildete ein von Sepp Basal gezeigtes Video, in dem die Schönheit der Region um Unteraschau und Otting gezeigt wurde – unterlegt von passender Musik: »Es is so schee, wenn ma a Bleamal siegt am Wegesrand, des blüaht.« he