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Gaudi auf der Blumenwiese

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»Zeigt her eure Zähne«: Bei der Abendtoilette im Altersheim mit Schwester Michaela ging es rustikal zu.

Traunstein. Wiederum echten Fasching mit lustigen Einlagen bot der Ball der Katholischen Frauengemeinschaft im Gasthaus Post in Kammer. Die Vorsitzende Monika Wolkersdorfer begrüßte dazu auch »weitgereiste« Gäste aus St. Leonhard und Chieming und wünschte allen Ballbesuchern einen schönen Abend, der ruhig bis morgen dauern dürfe. So kennt man die Kammerer: Wenn sie einmal feiern, bleibt kein Auge trocken. Für die musikalische Ballatmosphäre sorgten die »Obermooser« mit einem gemischten Repertoire vom bayerischen Volkstanz bis zum modernen Schlager.


Den ersten Auftritt hatten die Frauen aus Roitwalchen, Alterfing, Lüfteneck und Umgebung. Das Thema lautete »Wie die Abendtoilette im Altersheim in Zukunft wohl aussehen wird«. Von Schwester Michaela, der man am modischen Outfit nichts von Kürzungen ansah, in bester Barrasmanier mit Trillerpfeife kommandiert, traten die armen Bewohner zur Abendtoilette an. Für das Gesicht gab es einen Waschlappen für alle. Die Benutzungsdauer pro Person: zehn Sekunden. Beim Händewaschen wurden selbige mit einer Gießkanne leicht angefeuchtet. Bei der Seife hieß es wiederum: an den Nächsten weitergeben. Für das Zähneputzen wurde die Zahnpasta von Schwester Michaela, die ohne weiteres auch Rabiata hätte heißen können, direkt auf die Beißerchen verteilt. Die Reinigung erfolgte dann mittels Klosettbürste durch die Schwester. Über den Ablauf des abendlichen »Geschäfts« berichtet das Nachtlichtl aus Pietätsgründen und wegen der Tatsache, dass auch Minderjährige das Traunsteiner Tagblatt lesen, verständlicherweise nicht. Als die so Malträtierten mit hängenden Köpfen ins Bett abzogen, dachte sich der Faschingsberichterstatter nur: »Da brauchst du dich aufs Altwerden nicht freuen.«

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Lauter kesse Bienen kamen aus Kammer eingeflogen und landete auf einer Blumenwiese. Zwei davon waren die Bienen Maja und Willi, bekannt aus Funk und Fernsehen. Jetzt auch vom Auftritt in Kammer. Viel Zeit zum Ratschen hatten sie allerdings nicht, denn eine scharfzüngige Oberbiene Kassandra trieb sie zum Honigsuchen an. Ein ortsansässiger Imkerer brauchte nämlich kurzfristig einen Zentner Honig. Für Oberbürgermeister Manfred Kösterke, damit er ihn den Wählern ums Maul schmieren kann, wie eine Biene wissend bemerkte. Und wie es da beim Mitbewerber um den Traunsteiner Amtssessel, Wolfgang Osenstätter ausschaue, wollte eine andere Biene wissen. Der brauche so etwas nicht, denn Kammer stehe auch so hinter seinem Kandidaten, wurde ihr geantwortet. In weiteren Auftritten waren der Grashüpfer Flip auf dem Weg zwischen Maniküre und Massage, die Kreuzspinne Thekla beim untauglichen Versuch, Violine zu lernen, und der Mistkäfer Kurt mit einer Mistkugel mit Dreck von der Baustelle am Viadukt zu sehen. Höhepunkt war der Auftritt der Bienenkönigin »Queen Monika«. Ihre Regierungserklärung war sowohl kurz und prägnant als auch erfreulich für die Ballbesucher: »Die Bar ist eröffnet.«

Aus Gerating, Neuhausen und Reichsberg kamen die Mitglieder das »Män-hätt-ma-gern-Orchesters«, oder treffen-der auch »Torschluss-Panik-Orchester« genannt. Das Hausfrauenensemble, mit Kochtöpfen, Kochlöffeln, Gemüsehobeln und sonstigen Küchengerätschaften ausgestattet, blies dem Publikum zunächst einmal den Radetzkymarsch. Dann »entblätterten« sich die Musikerinnen zu dem bekannten, lasziven Lied »Je t’aime«. Wer unter den männlichen Ballbesuchern nun einen veritablen Striptease erwartet hatte, der musste seinen »Senerling« gleich wieder herunterschlucken, denn statt der erwarteten nackten Haut kam eine Radlerausrüstung zum Vorschein, denn jetzt wurde Musik mit Luftpumpen gemacht. Unfein wäre es trotzdem zu sagen, die Frauen pfiffen aus dem letzten Loch. Nachtlichtl