weather-image
29°

Gas, Strom, Wasser: In der Warte wird alles überwacht

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Hans-Peter Wimmer von den Stadtwerken ist der Meister des Unterwerks II. Er und seine Kollegen sorgen im Notfall dafür, dass Strom und Wasser wieder fließen und das Gas wieder strömt. In der Warte können sie den Fehler schnell analysieren. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Um die Mittagszeit herrscht in der Traunerstraße 30 Hochbetrieb. Im Unterwerk II der Stadtwerke Traunstein befindet sich nämlich die sogenannte Warte. Sie ist die Zentrale für den gesamten Netzbetrieb der Stadtwerke. In dem schlicht eingerichteten Raum befinden sich an den Wänden Schaltpläne für die Strom-, für die Wasser- und für die Gasversorgung. »Gibt es in unserem Gebiet eine Störung, dann laufen sie hier auf«, erklärt Stefan Will, einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke. »Dann ist das hier unsere Kommandozentrale«, fügt Hans-Peter Wimmer, Meister des Unterwerks II, hinzu.


Kleine Anzeige zeigt Stromverbrauch an

Anzeige

Bis 1997 war die Warte rund um die Uhr besetzt. Mittlerweile ist das nicht mehr nötig, nun sorgt ein Bereitschaftsdienst im Notfall für Abhilfe. Man könne sich mittlerweile via Notebook von überall her in das System einwählen und bei einem Störfall entsprechend reagieren, so Will. »Zunächst muss dann der Fehler gefunden werden und dann sind wir bemüht, den Fehler schnell zu beheben«, so der Geschäftsführer weiter.

An der linken Wand im Eingangsbereich hängt ein Übersichtsplan über das Traunsteiner Stromnetz. Es umfasst 84  Trafostationen und rund 20 kundeneigene Trafostationen – beispielsweise für das Krankenhaus oder das Schulzentrum. An der Wand gegenüber befindet sich noch eine kleine Anzeige, die enorm wichtig ist. Sie zeigt nämlich den Stromverbrauch im Gebiet der Stadtwerke an – und gerade mittags sind dort regelmäßig Spitzenlasten abzulesen. »Wir hatten im vergangenen Jahr den Spitzenwert 22,2 Megawatt«, sagt Will. Aber auch an normalen Tagen pendle sich der Pfeil bei gut 20   Megawatt (MW) ein, sagt der Geschäftsführer. Auch am Computer lässt sich der Stromverbrauch anhand einer graphischen Darstellung, ähnlich einer Fieberkurve, genau verfolgen.

In diesem Monat werden die täglichen »Fieberkurven« übrigens deutlich höher als gewöhnlich ausfallen. »Im Dezember werden gut zehn Prozent des Jahresverbrauchs benötigt«, sagt Will. »Damit ist der Monat überdurchschnittlich.« In den Sommermonaten werde entsprechend weniger verbraucht.

Den Weihnachtsfeiertagen sehen Stefan Will und Hans-Peter Wimmer allerdings entspannt entgegen. Man habe an den Feiertagen trotz der vielen Christbaumbeleuchtungen keine Spitzenlasten. »Höchstens am ersten Weihnachtsfeiertag«, sagt Will. »Da gibt es die sogenannte Gänsebratenspitze.« Man habe an diesem Tag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr einen höheren Verbrauch als an einem normalen Sonntag. »Da sind dann wohl alle daheim und kochen«, begründet Will die Spitze. Dennoch erreiche man hier kaum Spitzenlasten über zwölf MW. »Das hängt ja auch vom Wetter ab«, erklärt Wimmer. »Bei schönem Wetter habe man oft nur sieben MW, bei trübem Wetter können es dann schon einmal zwölf MW werden. »Das hängt auch damit zusammen, ob etwa Photovoltaikanlagen laufen.« Speisen diese Energie ins Netz ein, ist der Stromverbrauch entsprechend geringer.

Ansonsten gibt es an den Weihnachtstagen meist keine größeren Ausreißer. »Wir haben da wie an den Wochenenden eher einen geringeren Bedarf«, stellt Will fest, »schließlich arbeiten da Industrie und Behörden nicht.«

»Laufend dabei, unser Netz auf Vordermann zu bringen«

Das Unterwerk II wurde übrigens zwischen 1910 und 1919 gebaut. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Wasserkraftwerk, das seit 1918 in Betrieb ist. »Es bringt jährlich eine Million Kilowattstunden an Leistung«, sagt Will. Im Gebäude ist neben der Warte auch noch ein Werkstattraum, in dem Wartungsarbeiten durchgeführt werden, und in einem weiteren Raum ist ein großes Notstromaggregat untergebracht. Es schaltet sich ein, wenn Spitzen »abgefahren« werden müssen. Das Vorgängermodell, das bis 1988 im Einsatz war, steht im Hof des Gebäudes und ist von der Straße aus für jedermann gut sichtbar.

Das Netz der Stadtwerke laufe jedenfalls gut, sagt Stefan Will stolz. »Wir sind ja auch laufend dabei, unser Netz auf Vordermann zu bringen«, ergänzt Hans-Peter Wimmer. Der Lohn dafür: »Wir hatten den letzten großen Störfall etwa vor zehn Jahren«, erzählt Will. Dazwischen gab es auch einen: »Aber der Fehler lag da nicht bei uns, sondern der war überregional bedingt.« Und die kleineren Störfälle, die in der Warte manchmal auflaufen, haben Hans-Peter Wimmer und seine Kollegen meistens sehr schnell im Griff. Steffi Brenninger