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»Ganz was Besonderes im Leben eines Trachtlers«

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An den Trachten der Ruhpoldinger wird gerade noch letzte Hand angelegt, damit bis zum Umzug in München auch alles passt. (Foto: Schick)

Ruhpolding – »Wenn man da dabei sein kann, ist das ganz was Besonderes im Leben eines Trachtlers«, meint Anton Senoner, während er noch einmal die umfangreichen Teilnahmevoraussetzungen des Münchener Festrings studiert. Seit Wochen dreht sich nämlich beim jungen Vorstand des Trachtenvereins »D' Miesenbacher« fast alles um den bevorstehenden Trachten- und Schützenzug beim Oktoberfest in München. Nach 37 Jahren Pause bietet sich den Ruhpoldingern wieder einmal die Gelegenheit, zum Auftakt des weltgrößten Volksfestes durch Münchens Straßen zu marschieren.


Da der Umzug mit geschätzt 9500 Teilnehmern aus Deutschland und Europa nach dem Wirte-Einzug und dem »O’zapfen« der zweite medienträchtige Höhepunkt ist, möchte Anton Senoner natürlich nichts dem Zufall überlassen. Schließlich sind die Miesenbacher spätestens seit ihren Dorffesten und dem Gaufest von 2014 bekannt für ihr Organisationstalent. Deshalb hat er im Ort unter den Trachtlern und Schützen kräftig die Werbetrommel gerührt. Die Mühe zahlte sich aus: 270 Männer und Frauen hat er zusammengebracht. Nicht nur Mitglieder, Röckifrauen und aktive Dirndln und Buam des eigenen Vereins, sondern auch Gleichgesinnte des Brudervereins »D' Rauschberger-Zell«. Und wie schon mehrmals bei offiziellen Auftritten werden sie angeführt von der Ruhpoldinger Blaskapelle, die aus Musikanten beider Trachtenvereine besteht.

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Bestimmt wird auch die prächtige Kirchenfahne der ältesten Gruppierung im Ort ein Blickfang sein, die von den Männern des 1619 gegründeten Holzknechtvereins mitgeführt wird. Die Entstehung des damaligen Vinzenzivereins vor fast 400 Jahren geht auf die Schrecken des 30-jährigen Kriegs und eine verheerende Viehseuche zurück.

Die Schützen nehmen ihre »Charlotte« mit

Noch einiges zu tun haben die Schützen der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft, die mit 50 Mann samt Marketenderinnen anrücken. Sie müssen noch ihre »Charlotte«, die aus schwerem Eichenholz gefertigte Böllerkanone aufpolieren, damit sie »was her macht,« wie Schützenmeister Helmut Müller scherzhaft meint. Immerhin ist die von sechs bis acht starken Männern gezogene Rohrwaffe nach 1979 dann bereits zum zweiten Mal beim Oktoberfest dabei. Müller erinnert sich gerne an ihren ersten Auftritt zurück und die damit verbundene Anekdote mit Ministerpräsident Franz-Josef Strauß. Weil die Ruhpoldinger damals unbedingt der Landeshauptstadt einen Salut schießen wollten, fragte Müller direkt beim Landesvater in dessen Kutsche nach, ob das ausnahmsweise möglich wäre. Nach zwei Stamperln Schnaps aus dem Schützenfassl gab Strauß sein Einverständnis, allerdings mit der Einschränkung: »Doats aba ned direkt vorm Krankenhaus schiassn!«

In diese Verlegenheit werden die Schützen aber diesmal nicht kommen, schließlich gelten für die Wiesn heuer allgemein sehr strenge Sicherheitsmaßnahmen. Sie gehörten mitunter zu den vielen Themen, die während der Vorbereitungstreffen im Ruhpoldinger Kreis besprochen wurden. Vorstand Anton Senoner wies mehrmals auf die geforderten Einzelheiten hin, so zum Beispiel, dass ein absolutes Verbot für die sonst üblichen Stehmesser in der Lederhose gelte. Bedenken wegen der Sicherheitslage habe man aber nicht, so der Vorstand.

Wenn alles glatt läuft, hat Senoner nach der gelungenen Waldweihnacht sein zweites Gesellenstück während seiner kurzen Amtszeit abgeliefert. Mehr oder weniger ist es der adventlichen Veranstaltung im Holzknechtmuseum zuzuschreiben, dass die Ruhpoldinger überhaupt so kurzfristig in München dabei sind. Denn da bahnte sich der Kontakt mit Karl-Heinz Knoll an, dem Präsidenten des Festrings München, der die Waldweihnacht auf Einladung von Gesamtleiter Hermann Feil besuchte. Andere Vereine müssen oft jahrelang warten, bis sie eine Zusage erhalten.

»So präsentieren, wie man wirklich ist«

Sichtlich erfreut zeigte sich Bürgermeister Claus Pichler, der als überzeugter Trachtler und Gemeindeoberhaupt ebenfalls die Farben Ruhpoldings in der Landeshauptstadt vertreten wird. Wie schon bei der Eröffnung des Christkindlmarkts am Marienplatz im vergangenen Dezember, wo die Ruhpoldinger mit einer 80-köpfigen Truppe dabei waren, stellt Pichler die Wichtigkeit des Spruchs »Stadt und Land – Hand in Hand« heraus, weil sich die ländlichen Regionen bei solchen Gelegenheiten so präsentieren können, wie sie wirklich sind. ls