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Rückläufige Gäste- und Übernachtungszahlen in Ruhpolding – Bettenangebot ist die touristische Basis eines Orts

Gäste wieder für längere Aufenthalte gewinnen

Ruhpolding – Von einer »dramatischen Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen« sprach der scheidende Vorsitzende des Ruhpoldinger Verkehrs- und Kulturvereins, Helmut Müller, bei der Jahreshauptversammlung (wir berichteten). Die Zahl der Gäste ging im Tourismusjahr 2013/2014 von 105 869 um 4,2 Prozent auf 101 430 Gäste zurück. Bei den Übernachtungen gab es einen Rückgang von 625 178 auf 592 117, das sind 5,3 Prozent.

Um den Wandel in den vergangenen 60 Jahren zu verdeutlichen, verglich Müller die Zahlen mit dem Jahr 1955, als sich Ruhpolding zunehmend als beliebter Aufenthaltsort für Gäste etablierte. Damals lagen die Übernachtungen bei 59 000, es kamen 52 000 Gäste bei nur 300 Betten. Während die Aufenthaltsdauer damals bei 10,9 Tagen lag, ging sie im letzten Jahr von 5,9 auf 5,8 Tage zurück. Man müsse alles versuchen, den Gast wieder für einen längeren Aufenthalt zu gewinnen, sagte Müller. Über die Hälfte des Bettenangebots in Ruhpolding seien Ferienwohnungen, bei denen die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 8,2 Tage betrage. Das zeige, dass Gäste durchaus ihren Jahresurlaub in Ruhpolding verbringen.

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Es geht »um das touristische Überleben Ruhpoldings«

Erschreckend sei der Bettenschwund bei den Privatvermietern, aber auch beim Gewerbe, besonders den traditionellen Gasthöfen und Gästehäusern, stellte Müller fest. Während es im letzten Jahr hier noch 4905 Gästebetten (400 weniger als im Vorjahr) gegeben hat, seien es heute nur noch 4841. Beim geplanten Hotel in Zell gehe es »um das touristische Überleben Ruhpoldings«, egal ob es für jeden nun das richtige Projekt sei. Bei jedem anderen Standort würden sich ebenfalls viele Gegner zu Wort melden, so Müller.

Auch Tourismusdirektor Markus Stuckmann berichtete von einem »schwierigen Jahr mit einem erneuten Rückgang an Übernachtungen«, was direkte Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen habe. Der Rückgang sei allerdings nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr gewesen. Er nannte drei Gründe für den erneuten Rückgang, nämlich besonders die gegenwärtige Umbruchphase: Es dauere seine Zeit, bis Ruhpolding sein neues touristisches Profil auf den Märkten geschärft habe. »Relativ stabile Gästezahlen und positive Rückmeldungen seitens der Gäste und Partner bestätigen aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind«, so Stuckmann. Weiter verantwortlich für den Rückgang sei der schneearme und trockene Winter, abgelöst von einem nassen und kühlen Sommer gewesen.

Auch den Tourismusdirektor beschäftigte das Thema Bettenschwund am meisten. Er bezeichnete es als Herkulesaufgabe, die Übernachtungszahlen stabil zu halten, wenn das Angebot immer stärker schrumpfe und der Rückgang der Bettenzahlen so anhalte. Es gehe aber nicht nur um den Bettenschwund, so Markus Stuckmann, sondern auch um eine realistische Zahl der zur Verfügung stehenden Betten. Offiziell gemeldet seien 4940 Betten verteilt auf 486 Betriebe. Viele davon hätten allerdings eine Auslastung von nur 20 oder gar 10 Prozent, sodass realistisch lediglich 336 Betriebe mit 3282 Betten zur Verfügung ständen.

Die Qualität muss stimmen

Das größte Haus in Ruhpolding habe 70 Betten, sagte Stuckmann. All das zeige, wie groß der Bedarf an qualifizierten Betten und Betrieben mit einer gewissen Kapazität sei. »Das Angebot an Betten ist die touristische Basis eines Orts und die muss stimmen«. Nur auf diesem Fundament könne man die touristischen Facetten entwickeln und sich erfolgreich auf den Märkten platzieren. Heute seien die Gäste durch das Internet weit besser informiert als in den 1950er und 1960er Jahren. Deswegen müsse die Qualität einfach stimmen.

Das abgelaufene Tourismusjahr habe aber auch gezeigt, dass Ruhpolding wegen seiner ureigenen Stärken das Potential habe, sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen, so Stuckmann. Alle gesellschaftlichen Entwicklungen wie die Besinnung auf Ursprüngliches, Regionales, ein gesünderer und aktiver Lebensstil oder die Suche nach authentischen Urlaubserlebnissen sprächen für Ruhpolding. »Die Veränderungen im Marketing beginnen zu greifen«, stellte Stuckmann fest. »Das Potential ist da und die Nachfrage auch«. So liegt es nur an uns, dieses Angebot zu kreieren, um die vorhandene Nachfrage bedienen zu können«. gi