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»Gäste wie Freunde behandeln, das zahlt sich aus«

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Ferienkinder mit dem Bulldog durch die Gegend fahren – Laut Thomas Reitmaiers Erfahrung sind es die einfachen Dinge, die die Gäste glücklich machen.

Seeon-Seebruck – Das Traunsteiner Tagblatt stellt ein neues »Gesicht des Chiemgaus« vor: Heute steht Thomas Reitmaier aus Truchtlaching im Mittelpunkt unserer Serie.


Der Chiemgau ist seit den Anfängen des Tourismus' eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Vom Chiemgau erwarten die Menschen Herzlichkeit, ländliche Strukturen, unberührte Natur – und freundliche Menschen, die Haus und Hof, Grill und Garten mit ihnen teilen – oder ihre Freizeit für sie opfern. Wer aber sind diese Menschen? Das Traunsteiner Tagblatt stellt in den kommenden Wochen eine Reihe von Persönlichkeiten vor, die sich weit über das erwartbare Maß hinaus um die Gäste der Region kümmern.

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In der Nähe des Huberhofs bei Truchtlaching macht die Alz eine große Schleife. Die Gäste des Ferienbauernhofes im Ortsteil Niesgau schnappen sich an heißen Tagen gerne ein Schlauchboot und gehen ein paar Minuten zur Alz. Dort setzen sie das Boot ein und lassen sich treiben, mal eine halbe Stunde, mal eine Stunde, je nach Wasserstand. Beim Badeplatz des Huberhofs steigen sie aus und gehen zum Hof zurück. »Unsere Schlauchboote sind sehr begehrt«, sagt Thomas Reitmaier, seit zwölf Jahren Vermieter und seit kurzem Vorstand der Anbietergemeinschaft »Urlaub auf dem Bauernhof« im Chiemgau.

Nach seiner Auffassung sind es die einfachen Dinge, die den Gast glücklich machen: das Kräuterbeet im Garten, der Grill, der jeden Abend angezündet wird, die Geselligkeit, die Schlauchboote. Dass die Gäste den ganzen Tag die Cappuccinomaschine nutzen können, und dass sie sich im Urlaub um nichts kümmern müssen, auch nicht um das Putzen des Grills: »Das ist wenig Aufwand, und der Gast freut sich.« Die Reitmaiers haben die Sorte Gäste, die es nach landläufiger Meinung eigentlich nicht mehr gibt: Sie buchen bei der Abreise gleich für das nächste Jahr. Der treueste Stammgast des Hofs kommt seit 54 Jahren. Zuerst als Kind, dann mit den eigenen Kindern, und schon bald, erzählt Reitmaier, will der Bonner mit den Enkeln kommen.

Lagerfeuer, Streichelzoo, Trampolin, Traktorfahrten, Almwanderungen, Ponyreiten, Kutschfahrten und sogar Reitstunden – das Angebot ist so verlockend, dass die Urlaubskinder am liebsten »gar nicht wegwollen vom Hof«. Sie sind dabei, wenn der Senior des Hofes im Hühnerstall die Eier holt, oder führen den Hund spazieren.

Die Reitmaiers haben für alle kleinen und großen Anliegen ein offenes Ohr. Und wenn sie ihrerseits gerade alle Hände voll zu tun haben, kommt es vor, dass Gäste ihre Hilfe anbieten. »Gastgeber zu sein, empfinde ich als sehr bereichernd«, sagt Reitmaier, der neben seiner Vermietertätigkeit halbtags im Veterinäramt arbeitet. »Man bekommt einen unbändig großen Freundeskreis.«

Wie zugehörig sich die Gäste fühlen, zeigt sich daran, dass die Reitmaiers den Hof kaum verlassen können, ohne Auskunft über ihr Ziel zu geben: »Wenn wir einfach nur sagen, wir fahren weg, wird das fast nicht akzeptiert.« Dabei sind es nur kurze Ausflüge in eine Pizzeria am See oder in die Berge, die Reitmaier und sein Partner sich gönnen. Dass zwischen Ostern und Allerheiligen Freizeit ein Fremdwort ist, stört die beiden nicht, auch, wenn es für Reinhard, der von einem abseits gelegenen Hof im Allgäu kommt, eine »krasse Umstellung« war, plötzlich ständig von Gästen umringt zu sein. Die geselligen Abende auf der Terrasse, die Kaffeerunden, die bayerischen Abende und Almausflüge mit bis zu 40 Personen gehören für beide dazu. »Der Gastgeber ist ein Dienstleister, der nicht einfach nur eine Wohnung zur Verfügung stellt«, sagt der Landwirt. »Das wäre ja anonym.«

Während noch für seine Uroma und Oma das Vermieten ein Zubrot war, hat sich die Situation in der Landwirtschaft drastisch geändert. Schon bei seinen Eltern war die Aufteilung 50:50, heute trägt das Vermieten die bäuerlichen Bereiche mit. Auch die Gastgeberstruktur in Truchtlaching ändert sich. »In fünf Jahren wird es nur noch Urlaubsbauernhöfe geben. Alle anderen Betriebe hören auf. Das macht mich wirklich traurig«, gesteht der 33-Jährige. Dabei sieht er im Vermieten eine echte Chance, auch für Gastgeber, die nicht gerade einen Bauernhof in idyllischer Lage haben: »Auf die Herzlichkeit kommt es an. Die Gäste wie Freunde behandeln, das zahlt sich aus.« fb

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Sie kennen ein »Gesicht des Chiemgaus«, das wir in unserer Serie vorstellen sollen? Schicken Sie uns Ihren Vorschlag an die E-Mail-Adresse presse@chiemsee- chiemgau.info mit dem Stichwort »Gesichter des Chiemgaus«  sowie unter Telefon 0861/90 95 90 15.

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