weather-image
15°

Fußgänger wider Willen

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Von der Außenwelt abgeschnitten sind die Bewohner des Ortsteils Bergen bei Erlstätt in der kommenden Woche wegen Asphaltierungsarbeiten an der Staatsstraße. (Foto: Hohler)

Grabenstätt. »Das gibt's doch nicht, ich kann doch nicht einen ganzen Ortsteil eine Woche lang einfach völlig abriegeln und 50 Leute regelrecht einsperren«, sagt Katharina Meister aus Bergen bei Erlstätt. Doch, das gibt's.


Wegen Asphaltierungsarbeiten ist die Zufahrt von der Staatsstraße 2095 zum Ortsteil Bergen von 12. bis voraussichtlich 17. Mai (je nach Witterung) komplett gesperrt, heißt es in dem Brief der Baufirma Swietelsky, den die Bergener jetzt in ihren Briefkästen fanden. »Eine Zu- und Abfahrt mit Pkw ist in dieser Zeit nicht möglich. Wir bitten Sie, Ihre Fahrzeuge außerhalb zu parken.«

Anzeige

Eine inoffizielle Empfehlung laute, so Katharina Meister weiter, die ihrer Meinung nach private Dorfstraße zu nutzen. »Aber das ist ja auch bloß ein Feldweg. Und der gehört erstens einem Bauern, der sich bestimmt bedanken wird, wenn da jetzt alle drüber fahren, und zweitens hat er tiefe Spurrinnen, und in der Mitte wächst das Gras. Mit einem tiefer gelegten Auto kommt man da unmöglich durch. Da müsste man doch dann wenigstens den Feldweg ein bisserl herrichten und mal Kies drauf streuen.«

Für sie persönlich besonders ärgerlich ist, dass ihre Patienten während der Bauzeit nicht zu ihrer Praxis fahren können. Und wenn die Psychotherapeutin zu einem Einsatz des Kriseninterventionsteams gerufen wird, dann pressiert's. Denn in der Regel geht es dann um die Betreuung von Augenzeugen schwerer Unfälle oder gar von Angehörigen von Menschen, die bei einem Unfall starben. Da ist es schlecht, wenn sie dann erst den Berg hinunter und auf der Staatsstraße womöglich wieder hinauf bis zu ihrem Auto rennen muss.

»Wir haben volles Verständnis für die Verärgerung der Anwohner«, sagt dazu Frank Lippmann, Bauleiter beim Staatlichen Bauamt. »Aber in Bergen haben wir einfach das Problem, dass es tatsächlich nur die eine Zufahrt gibt. Ich kann leider keine zweite her zaubern und auch nicht die Leute mit dem Hubschrauber ein- und ausfliegen lassen. Glauben Sie mir, wir haben uns da auch alles mögliche überlegt, aber es gibt keine andere Lösung.« Die alte Dorfstraße sei tatsächlich nicht als Alternative geeignet und solle auch nicht genutzt werden.

Wenn die Straße mit dem Haftkleber vorgespritzt sei, würden sich die Anlieger im günstigsten Fall nur ihre Autos verschmutzen, wenn sie trotz der Sperrung drüber fahren. Im ungünstigeren Fall würden sie an der Straße einen richtig teuren Schaden verursachen – der auch wieder repariert werden müsste, was weitere Sperrungen nach sich zöge.

»Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass das für die Anwohner Unannehmlichkeiten bedeutet, wir können da wirklich nur um Verständnis bitten«, so Lippmann. »Aber eine andere Erschließung haben wir einfach nicht. Das war die pragmatischste Lösung, die wir gefunden haben. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass die Arbeiten wahrscheinlich auch gar nicht die ganze Woche dauern.«

Für die Bergener heißt es also heute noch einmal Vorräte auffüllen (die freundlichen Bauarbeiter haben gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt versprochen, übers Wochenende die Einfahrt freizuhalten von Baumaschinen), Radln, und Wanderschuhe raus kramen, und nächste Woche Rasen mähen, Haus putzen, lesen oder – wenn das so kurzfristig machbar ist – ganz spontan eine Woche in Urlaub fahren und erst wieder kommen, wenn die Straße fertig ist. coho