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Fußballfans und behinderten Mann betrogen

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Traunstein – Einen zwölffach vorbestraften 34-jährigen Betrüger aus Großkarolinenfeld, der vor allem Fußballfans durch den Verkauf nichtexistenter Eintrittstickets geprellt hatte, verurteilte das Landgericht Traunstein am Montag zu viereinhalb Jahren Haft. Außerdem ordnete der Vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das bedeutet: Der arbeitslose Mann muss sofort seine Drogentherapie in einer geschlossenen Klinik antreten.


Drogenkonsum mit Betrug finanziert

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Der Angeklagte hatte alle Vorwürfe von Staatsanwalt Dr. Franz Birndorfer eingeräumt. Eingestellt wurde ein Fall der Anklage. Übrig blieben im Urteil gewerbsmäßiger Betrug in 169 Fällen, gewerbsmäßige Urkundenfälschung in 58 Fällen und 58-facher versuchter Betrug mit einem Gesamtschaden von über 22 000 Euro. Davon finanzierte der Mann seinen Drogenkonsum, darunter Kokain und Amphetamin. Häufig hatte der 34-Jährige bei seinen rund 300 Straftaten Fußballfans im Visier. Er drehte ihnen ganze Pakete, bestehend aus Flug, Hotelaufenthalt und Eintrittsticket, an. Viele Geschädigte gingen zur Polizei. Als sich die Zahl der Anzeigen häufte, zog der 34-Jährige selbst die Notbremse und erstattete Selbstanzeige. In Spanien wurde er im Frühjahr 2014 festgenommen und im Juni der deutschen Justiz überstellt. Dort saß er seit mehr als acht Monaten in Untersuchungshaft. Deshalb muss er vor der Unterbringung in einer Entzugsklinik auch nicht ins Gefängnis. Bei erfolgreichem Abschluss der etwa eineinhalb Jahre dauernden Therapie bleibt ihm das Gefängnis erspart. Allerdings steht er fünf Jahre lang unter Führungsaufsicht.

Der Betrüger hatte außerdem im Juni 2013 zwei Tage für Hochwasseropfer gesammelt, die 1750 Euro jedoch nicht bei der Stadt Rosenheim abgegeben, sondern in die eigene Tasche gesteckt. Bei weiteren krummen Geschäften mit Provisionen als Außendienstmitarbeiter für einen Telefonanbieter-Shop in Rosenheim hatte er Pech. Die Geschichte flog frühzeitig auf, die Provision von 3050 Euro bekam er nicht.

Er gab sich als Stefanie aus

Besonders übel war ein Betrug an einem körperlich gehandicapten Schweizer, dem gegenüber sich der Angeklagte in einem Online-Flirt-Portal als junge Frau mit Namen »Stefanie« ausgab. Für einen Flug schon am nächsten Tag in die USA mit »Stefanie« knöpfte der 34-Jährige dem nichts ahnenden Schweizer umgehend 2594 Euro für ein Flugticket ab. Einige Tage später erhielt das Opfer elektronische Post vom angeblichen Halbbruder. »Stefanie« benötige nach einem schweren Autounfall dringend eine neue Niere oder eine Leber, hieß es. Um »Stefanie« in eine Spezialklinik verlegen zu lassen, rückte der Flirtpartner 1300 Euro heraus. Beim nächsten Kontakt hatte die zwischenzeitlich operierte Frau kein Geld mehr für die Miete. Der Schweizer überwies weitere 1000 Euro.

In dem Prozess gab der 34-Jährige an, er habe das viele Geld für Drogen gebraucht. Beim nachträglichen Auswerten einer Haarprobe bestätigte sich, dass der Angeklagte hin und wieder Rauschgift genommen haben musste. Dieser »gelegentliche« Drogenkonsum reichte nach Überzeugung von Staatsanwalt Dr. Franz Birndorfer nicht aus, die Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Entzugsklinik zu erfüllen. Der Ankläger forderte deshalb viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe ohne Unterbringung. Eine Strafe von unter vier Jahren plus Unterbringung beantragt Verteidiger Peter Dürr aus Rosenheim.

Der Angeklagte und sein Verteidiger akzeptierten gestern das Urteil, während Staatsanwalt Dr. Franz Birndorfer sich noch nicht dazu äußerte, ob  er  in  Revision ziehen wird. kd