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»Für mich muss es beständig weitergehen«

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Dr. Christoph Hentschel vor der Kulisse Jerusalems mit dem Felsendom. Der scheidende Tachinger Pfarrer ist ein ausgemachter Kenner des Heiligen Landes und organisiert immer wieder Gruppenreisen dorthin. Auch seine Promotion legte er zu dem Thema »Neues Testament« ab. (Foto: privat)

Taching am See – »Es ist gut, sich auf Neues einzulassen«, lautet der Leitspruch von Pfarrer Dr. Christoph Hentschel. Doch dass er nach nur zwei Jahren seine seelsorgerische Tätigkeit in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt am Tachinger See wieder aufgeben würde, überrascht selbst den 35-Jährigen. »Ich bin mit der Perspektive hierhergekommen, zehn bis fünfzehn Jahre zu bleiben. Aber es kam anders«, bilanziert der sympathische Geistliche im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Mitte September übernimmt Hentschel eine halbe Stelle als Spiritual im Campus St. Michael in Traunstein, die restlichen 50 Prozent arbeitet er als Religionspädagoge am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein sowie an der Realschule Prien.


Schon während seiner Pfarrtätigkeit am Tachinger See war Hentschel als nebenberuflicher Spiritual am Studienseminar in Traunstein tätig. Die Arbeit mit jungen Menschen ist ihm immer schon ein besonderes Anliegen. »Man kann die Jugend für den Glauben, für Jesus Christus begeistern«, erzählt der Diplom-Theologe, der seinen ursprünglichen Plan, eine Fortbildung zum Supervisor zu absolvieren, kurzfristig ad acta legen musste. Stattdessen absolviert Hentschel aktuell ein Aufbaustudium in Pastoralpsychologie und Spiritualität. Eine Ausbildung zum geistlichen Berater und Exerzitienbegleiter folgt Anfang 2018. Die Aus- und Weiterbildung hat einen hohen Stellenwert im Leben des jungen Geistlichen: »Für mich muss es beständig weitergehen, ich will nicht stehen bleiben«, schildert er.

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»Am Tachinger See bin ich heimisch geworden. Es ist eine einmalige Gegend«, schwärmt Dr. Hentschel von seiner »Noch«-Wirkungsstätte. Dennoch habe er immer auch eine gewisse Zerrissenheit verspürt; insbesondere durch den Umstand, dass er nach wie vor in der Großen Kreisstadt wohnt. »In Traunstein zu leben, war eigentlich nur als Zwischenlösung gedacht, während der Restaurierung des Tachinger Pfarrhofs, und nicht als Dauerzustand«, vergegenwärtigt Hentschel. Die nunmehr eingeschlagene Richtung nehme von ihm einen gewissen Druck, der zwischenzeitlich sogar zu einer längeren Krankheit wegen Überlastung führte: »Mit der neuen Aufgabe lässt sich der Schulrhythmus gut einhalten.«

Viele unvergessliche Momente und interessante Erfahrungen prägten seine Zeit am Tachinger See. »Im ersten Jahr war vieles neu. Es war eine Zeit des Kennenlernens. Erstkommunionen und Firmungen waren schöne, gelungene Feste, auf die mich viele Menschen angesprochen haben. Sehr gut angenommen wurden außerdem das von mir organisierte Heilfasten sowie die Exerzitien im Alltag gemeinsam mit Astrid Fenninger. Auch in der Kirchenmusik ist viel Neues und Innovatives entstanden«, vergegenwärtigt der 35-Jährige.

Zu Hentschels ganz persönlichem Glanzlicht zählt jedoch die Arbeit im Pfarrgemeinderat sowie in verschiedenen Arbeitsgruppen zur Zukunft der kirchlichen Gebäude in Taching und Tengling. »Es gibt zwei desolate Pfarrhöfe, aber keinen passenden Raum für Elternabende, Empfänge oder Sitzungen. Ein Pfarrheim in Taching mit einem Multifunktionsraum, der über eine gewisse Grundausstattung verfügt, wäre eine deutliche Arbeitserleichterung für den Seelsorger. Man sollte diesem Vorhaben jedoch nicht angstbelastet gegenüberstehen, da es keineswegs das Aus für das örtliche Leben in den anderen drei Orten bedeutet. Kirche stiftet keine Ortsidentität, wir sind im Glauben miteinander verbunden«, macht der junge Pfarrer deutlich.

Als modellgebend sieht Hentschel hier die Bemühungen in Törring an, wo in enger Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Räumlichkeiten geschaffen wurden. »Das ist ein Zukunftsprozess«, betont der Diplom-Theologe, der in diesem Zusammenhang eine Machbarkeitsstudie für ein Pfarrheim mit Mehrzweckraum anstieß: »Zunächst gilt es, grundsätzliche Fragen zu klären: Wo könnte dieser Mehrzweckraum entstehen und in welchem Umfang? Kann er in die Kirche integriert werden? Erst wenn in Taching alles in trockenen Tüchern ist, sollte man schauen, was mit den anderen Gebäuden passiert. Solche Projekte werden zum Teil aus Diözesanmitteln bestritten«, erklärt Christoph Hentschel.

Seinen Nachfolger in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt am Tachinger See kennt der 35-Jährige gut. »Konrad Roider und ich sind der gleiche Jahrgang. Wir haben gemeinsam studiert und er ist ein Jahr nach mir zum Priester geweiht worden. Aber wir sind völlig unterschiedliche Typen«, erzählt der zurückhaltende Hentschel. Roider, der aus Laufen stammt, ist seit drei Jahren als Pfarrvikar im Pfarrverband Prutting-Vogtareuth (Landkreis Rosenheim) tätig.

Hentschel werde neben seinen Pfarreimitgliedern vor allem Gemeindereferentin Waltraud Jetz-Deser vermissen, gibt Dr. Christoph Hentschel unumwunden zu. »Wir haben immer sehr fruchtbare Gespräche geführt, aus denen stets etwas Gutes entstanden ist«, lobt er die offene und konstruktive Zusammenarbeit. Dennoch hält der Pfarrer den nun eingeschlagenen Weg für wichtig und richtig. »Ich hoffe, dass mir die Ausbildung einen noch tieferen Zugang in die Exerzitienarbeit ermöglicht und eine Verbindung zur Pastoralpsychologie schafft«, erwartet sich der 35-Jährige.

Pfarrer Christoph Hentschel wird bei einem Pfarrfest am Sonntag, 30. Juli, feierlich verabschiedet. Aus diesem Anlass hat sich der Geistliche etwas ganz Besonderes für seine »Schäfchen« aus Taching, Tengling, Tettenhausen und Törring einfallen lassen: eine Eigenkomposition für die Pfarrei Mariä Himmelfahrt. mia

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