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Für lebensrettende Höhlen-Ausrüstung: Bergwacht Freilassing bittet um Unterstützung

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Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch (links) und sein Stellvertreter Thomas Klein (rechts) zeichneten den ehemaligen Bereitschaftsleiter und derzeitigen Naturschutz-Ressortchef Simon Maier, Hans Kolbeck, Werner Bahr und den langjährigen Höhlenrettungschef Peter Hogger (von links) mit dem goldenen Ehrenzeichen der Bergwacht Bayern für 40-jährige Mitgliedschaft aus. (Foto: Leitner, BRK BGL)

Freilassing – Insgesamt 45 mal waren die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht Freilassing 2017 gefordert, zehn Einsätze entfielen auf den Kriseninterventionsdienst und neun auf den Pistendienst am Götschen. Zur Anschaffung wichtiger benötigter Ausrüstung bitten die Helfer nun um finanzielle Hilfe.

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Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch, Ausbildungsleiter Fabian Ehrler, Kassenwart Niko Magg, Höhlenrettungschef Rudi Hiebl und Hüttenwart Thomas Läpple blickten bei der Jahreshauptversammlung im Freilassinger BRK-Haus auf ein arbeitsreiches Jahr zurück und riefen die Gemeinden und Bürger zu mehr finanzieller Unterstützung auf, da die Kassen aufgrund umfangreicher Investitionen recht leer sind und noch immer wichtiges Material zur Höhlenrettung, das beim Riesending-Einsatz 2014 im Untersberg zerstört wurde oder verlorenging, nicht erneut angeschafft werden konnte. "Der nächste große Einsatz kommt aber bestimmt – darauf müssen wir vorbereitet sein", warnt Hiebl.

Aktuell zählt die Bereitschaft 53 Mitglieder, darunter 24 aktive Einsatzkräfte, sieben Anwärter, ein Jugendmitglied und 21 Inaktive; 183 Förderer unterstützen die Arbeit finanziell, wobei die Zahl während der vergangenen Jahre aufgrund von Todesfällen rückläufig war. Die Bergretter sind umfangreich ausgebildet: Acht haben beide Module zum Höhlenretter absolviert, zwei sind Einsatzleiter, sechs weitere in Ausbildung zum Einsatzleiter, einer ist Krisenberater, einer Fachberater Naturschutz, drei sind Rettungsassistenten, zwei Rettungssanitäter und einer Arzt. Die Ehrenamtlichen engagieren sich auch in verschiedenen Fachbereichen auf Regionalebene, darunter der KID, der Technikbus und die Höhlenrettung. Die beiden Anwärter Jakob Strebl und Hubert Mayer haben kürzlich die Wintersichtung absolviert.

Neues Einsatzfahrzeug ist zu schwach für den Höhlenrettungsanhänger

Das Spektrum an Einsätzen im Einsatzleitbereich Saalachtal zusammen mit den Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger war sehr vielfältig und fordernd, wobei sich die umfangreiche Ausbildung bezahlt machte. Fritsch berichtete exemplarisch vom Eiskletter-Unfall am 3. März in der Fronau, vom Lawinenabgang am 21. Januar am Zwiesel, von der Rettung aus Bergnot am 2. April bei Sturm und Schneeregen am Hochstaufen und von der Rettung eines Wanderers, der bei einem erneuten Wintereinbruch am 20. April 2017 von der Zwieselalm geholt werden musste.

Da weniger Rennen stattfanden, konnte die Bereitschaft den Pistendienstplan am Götschen ohne größere Lücken füllen. Darüber hinaus fanden 195 Naturschutzstreifen und diverse Sanitätsdienste bei den Ringer-Wettkämpfen in Anger statt. "Am 8. Februar 2018 segnete Pfarrer Werner Buckel das neue vom Freistaat Bayern finanzierte Einsatzfahrzeug, einen VW T6, der an sich für den Bergrettungsdienst gut geeignet, aber als Zugfahrzeug für unseren Höhlenrettungsanhänger nicht optimal und zu schwach ist", bedauert Fritsch, der aktuell auf der Suche nach einem passenden Fahrzeug ist und einen Austausch in den kommenden Monaten anstrebt. Damit im Einsatzfall auch jeder fahren kann, ließ die Bergwacht 2017 mehrere Höhlenretter den Anhänger-Führerschein machen.

Leere Kassen durch umfangreiche Investitionen und verstorbene Förderer

Kassenwart Niko Magg berichtete von Ausgaben in Höhe von über 25.000 Euro, denen Einnahmen von nur rund 18.600 Euro gegenüberstehen. Fast 7.000 Euro fielen für Ausrüstung und Geräte an, darunter auch der neue Ofen für die Seeleinsee-Diensthütte, über 6.000 Euro für Dienstbekleidung sowie 3.300 Euro für Raum-Instandhaltung und Nebenkosten.

Für geleistete Einsätze bekam die Bergwacht 2017 über 7.300 Euro an Benutzungsentgelten und Zuschüssen, fast 6.400 Euro wurden gespendet und über 4.000 Euro machten die Fördermitgliedsbeiträge aus, die seit Jahren aufgrund von Todesfällen rückläufig sind.

Die Landkreisstiftung hatte im Januar 2018 mit einer 4.500-Euro-Finanzspritze die angespannte Situation etwas entlastet – für große finanzielle Sprünge fehlt den Einsatzkräften aber aktuell das Geld. Höhlenrettungschef Rudi Hiebl bedauert, dass noch immer nicht das 2014 beim Riesending-Einsatz im Untersberg zerstörte und verlorengegangene Material ersatzbeschafft ist und teure Spezial-Ausrüstung wie Eisschrauben oder Steigeisen für Notfälle in Eishöhlen oder wasserführenden Höhlen fehlt. Fritsch rief deshalb die Gemeinden und Bürger auf, die Arbeit der Bergwacht zukünftig mehr mit Zuschüssen und Spenden zu unterstützen, damit sich die Ehrenamtlichen sorgenfrei auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können und nicht zusätzlich von finanziellen Sorgen geplagt werden und aufwendige Konzepte zur Mittelbeschaffung realisieren müssen.

Neue Herausforderung durch vereiste und wasserführende Höhlen

Die Bergwacht Freilassing betreibt auch die Höhlenrettungswache der Bergwacht-Region Chiemgau und betreibt viel Motivationsarbeit, da nicht jeden Tag ein großer Einsatz stattfindet, aber alle jederzeit auf ein komplexes Rettungsszenario vorbereitet sein müssen. Ressortleiter Rudi Hiebl berichtete von den elf Höhlentouren (insgesamt 86 Teilnehmer), vier Ausbildungsabenden (41 Teilnehmer) und zwei größeren Übungen der aktuell 20 aktiven Höhlenretter, von denen 13 aus Freilassing, vier aus Berchtesgaden, zwei aus Marquartstein und einer aus Bergen kommt.

 

red/Pressemeldung BRK BGL

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