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Für den Bauausschuss eine »Augenauswischerei«

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Ruhpolding – Erneut stand der Neubau eines Einfamilienhauses im Baugebiet »Am Zellerberg« auf der Agenda des Ruhpoldinger Bauausschusses, diesmal die Tekturvoranfrage zum Bauantrag dieses Hauses bezüglich der Dachgestaltung. Da dieser Antrag nach Ansicht des Ausschusses wieder nicht den Richtlinien der Ortssatzung entspricht, wurde einstimmig beschlossen, das gemeindliche Einvernehmen vorab zu verweigern, beziehungsweise nicht in Aussicht zu stellen.


Mit der Thematik – oft auch als »Schwarzbauaffäre« bezeichnet – war auch bereits das Bayerische Verwaltungsgericht befasst. Hier ist gegen den Freistaat Bayern ein Klageverfahren anhängig, bei dem die Bauherrin die Erteilung einer Änderungsbaugenehmigung für das Wohngebäude erreichen möchte. Umstritten sei dabei unter anderem, ob das bereits fertiggestellte Gebäude mit den örtlichen Bauvorschriften vereinbar ist. Die Entscheidung des Gerichts sagt aus, dass die Klägerin an die Gemeinde und das Landratsamt gleichzeitig Vorschläge für eine alternative Dachgestaltung mit Dachüberstand einzureichen habe. Dabei soll sie, wenn möglich, mehrere Varianten aufzeigen. »Sollten Gemeinde und Landratsamt die Vorschläge als genehmigungsfähig erachten, wird sich das Verfahren voraussichtlich erledigen. Anderenfalls wird eine Entscheidung des Gerichts ergehen«, heißt es in einer Presseaussendung des Verwaltungsgerichts.

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Die Tekturvoranfrage der Bauherrin sei im Bauamt fristgerecht eingegangen, sagte Bauamtsleiter Hans Hechenbichler. Da sich das Grundstück im Geltungsbereich des Bebauungsplans St. Valentin–Zell befindet, finde die Ortsgestaltungssatzung der Gemeinde Anwendung. Diese regelt unter anderem, dass Dächer mit einem Dachüberstand von mindestens 80 Zentimeter auszuführen seien. Gemäß der nunmehr von einer Planungsgesellschaft aus Pfarrkirchen ausgearbeiteten Variante sei an den Giebelseiten aus statischen Gründen ein Dachüberstand bis 60 Zentimeter vertretbar, die Verlängerung des Dachüberstands an den Traufseiten aus statischen und wirtschaftlichen Gründen dagegen nicht.

In dem Schreiben der Planungsgesellschaft wird weiters unter anderem festgestellt, dass die Anbringung eines Dachüberstands an der Hangseite »die Auflegerkraft an der Außenwand« erhöhen würde. Die zunächst aus der Fassadenebene an den Giebelseiten heraus angedachte Anbringung der Dachüberstände musste verworfen werden, da sich »in Teilbereichen – auch aufgrund der hohen Schneelasten – nur Dachstände von 20 bis 30 Zentimeter realisieren ließen. Als ein »limitierendes Element stellten sich die verbauten SW 60-Träger dar«, hieß es. Dazu sagte Bürgermeister Claus Pichler, dass nach Meinung anderer Handwerksbetriebe Dachüberstände bis 80 Zentimeter durchaus möglich wären. Bei der anschließenden Aussprache wurde unter anderem auch die Meinung vertreten, dass es sich bei dieser Tekturvoranfrage um eine »Augenauswischerei« handle.

Der Bauausschuss nahm die Tekturvoranfrage zur Kenntnis und beschloss einstimmig das gemeindliche Einvernehmen zu dieser Abweichung von der Ortsgestaltungssatzung nach pflichtgemäßem Ermessen vorab zu verweigern, beziehungsweise nicht in Aussicht zu stellen. hab