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Für »Öko-Modellregion Waginger See«

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Wenn es nach dem Willen der Gemeinden um den Waginger See geht, dann soll das Gebiet eine »staatlich anerkannte Öko-Modellregion« werden. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Neuer Anlauf für ein Sonderprogramm zur Verbesserung der Wasserqualität des Waginger Sees: Die Gemeinden rund um den See wollen »staatlich anerkannte Öko-Modellregion« werden. Auch der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, einen entsprechenden Antrag zu stellen, allerdings erst nach langer Diskussion und nur knapp mit zwölf zu neun Stimmen. Einstimmig durchgewunken wurde dagegen die Zustimmung zur Unterzeichnung, dass »alle Anstrengungen darauf zu richten« seien, »den See in einen ökologisch guten Zustand zu bringen und zu halten«. Dieses Manifest soll morgen von allen Bürgermeistern gemeinsam unterschrieben werden.


Mit dem Wettbewerb »staatlich anerkannte Öko-Modellregionen« will das Landwirtschaftsministerium die Produktion heimischer Öko-Lebensmittel und das Bewusstsein für regionale Identität voranbringen. Die fünf besten Konzepte werden dann vom Ministerium mit Fördermitteln ausgestattet.

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Am Waginger See haben sich neben Waging bereits Kirchanschöring, Petting, Taching und Wonneberg für eine Bewerbung ausgesprochen. Mit einbezogen werden sollen auch Fridolfing und Tittmoning sowie eventuell Teisendorf. Jetzt ist die Region gefordert, ein Konzept zu erstellen, »wie sich Ökologie, Regionalität und Nachhaltigkeit in der Region zukunftsweisend umsetzen lassen«, so das Ministerium. In erster Linie gehe es ei um Projekte zur Förderung ökologischer Lebensmittel – von der Erzeugung und Verarbeitung bis zur Vermarktung. Aber auch erneuerbare Energien, Energieeffizienz, soziales Engagement in der Umweltbildung, regionale Tourismusprojekte und kommunale Aktivitäten für den Natur- und Ressourcenschutz spielen eine Rolle. Wird eine Region ausgewählt, wird die Umsetzung der Maßnahmen mindestens zwei Jahre lang mit bis zu 75 Prozent gefördert.

Die Gemeinden um den Waginger See haben Marlene Berger-Stöckl damit beauftragt, den Antrag zu erarbeiten. Sie kennt sich mit der Problematik aus, denn sie hat im Rahmen des EU-Programms Interreg IV schon eng mit dem kommunalen Seenbündnis Waginger/Tachinger See zusammengearbeitet.

Bürgermeister Herbert Häusl sieht die Entwicklung sehr positiv. Das Seenbündnis sei bereits am Auseinanderfallen gewesen. Nach Gesprächen sei dann »wenigstens das jetzt Erreichte herausgekommen. Das ist ein Anfang, wohl aber nicht das Ende der Weisheit«. Vor allem aber sei auch zu hoffen, »dass damit endlich die nicht so ganz gute Berichterstattung über Bauern aufhört«.

Gemeindewerke-Chef Heinrich Thaler sagte, Kernpunkt sei, dass nur für die 440 Landwirte im Seeneinzugsgebiet wieder Berater am Landwirtschaftsamt installiert werden sollen, 1,5 Stellen. Die Kosten dafür würden jetzt vom Ministerium getragen. Und diese Berater dürften keine Informationen etwa ans Landwirtschaftsamt weitergeben. Für verschiedene Fördermaßnahmen, die eigentlich heuer ausgelaufen wären, könnten Neuanträge gestellt werden, beispielsweise ausdrücklich auch für die Schleppschuhausbringung von Gülle. Weiterhin aber dürfe die Gemeinde keine Gelder direkt an die Bauern auszahlen, etwa für weniger Düngung; das widerspreche den EU-Kriterien.

In dem Manifest, das am morgigen Dienstag um 8.30 Uhr im Kurhaus unterschrieben werden soll, sind verschiedene Absichtserklärungen enthalten. So sollen die Gemeinden ein Siegel entwickeln für Bauern, die nach Kriterien dieser Anforderungen im Seeneinzugsgebiet arbeiten. Außerdem sollen Rückhalte- und Puffermaßnahmen weitergeführt und eine Gewässerzulaufkartierung erstellt werden. Davon aber sei, so Thaler, in Waging eh schon vieles umgesetzt worden.

Zudem enthält das Manifest die Absichtserklärung, »Vorzeigebauern« zu suchen, auf deren Höfen Kindern und auch Erwachsenen die Landwirtschaft erklärt werden soll. Auch der Tourismus gehört zur Ökoregion dazu.

Auf Skepsis eines Teils des Gemeinderats stieß vor allem das Ziel, den Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe zu erhöhen. Nach einer zunehmend emotional werdenden Diskussion stellte Gemeinderat Matthias Baderhuber, selber Landwirt, gegen den Widerstand von Bürgermeister Häusl den Antrag, die Beschlussfassung zurückzustellen. Der Antrag zur Geschäftsordnung wurde dann aber mit neun zu zwölf Stimmen abgelehnt. Und mit dem umgekehrten Stimmenergebnis von zwölf zu neun wurde beschlossen, sich um eine Aufnahme in den Kreis der fünf beabsichtigten Modellregionen in Bayern zu bewerben. Im Umweltausschuss soll das Thema demnächst vertieft werden. he