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»Führungszeugnis« für Ehrenamtliche

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Ehrenamtliche Betreuer in vom kreis Traunstein finanziell geförderten Vereinen und Verbänden müssen sich mit Hilfe eines »Erweiterten Führungszeugnisses« schriftlich attestieren lassen, dass sie sich keiner sexuellen Delikte schuldig gemacht haben. Das sieht ein Bundesgesetz vor, das im vergangenen Jahr verabschiedet worden ist und dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen wirksam vorbeugen soll. Für haupt- und nebenamtliche Betreuer gibt es eine solche Bestimmung schon länger.


Georg Schützinger reagierte gestern im Kreisjugendhilfeausschuss »erschüttert«: »Wer kann so ein Gesetz verabschieden – für Tausende von Jugendleitern? Sie werden unter Generalverdacht gestellt.« Auch Traunreuts Stadtoberhaupt Franz Parzinger wandte sich gegen die Anfang 2012 erlassene Regelung im Bundeskinderschutzgesetz, die die Jugendämter jetzt umsetzen müssen. Landrat Hermann Steinmaßl meinte: »Ich kann es auch nicht ändern. Dass wir es machen müssen – daran kommen wir nicht vorbei.«

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Das Ehrenamt sei ihm ein Herzensanliegen, unterstrich Steinmaßl gestern in der Sitzung. Andererseits würden sich immer wieder Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen ereignen – auch durch ehrenamtliche Betreuer: »Menschen mit pädophilen Neigungen suchen gezielt kinder- und jugendnahe Tätigkeiten mit intensiven Kontakten.« Kinder seien gefährdet – unabhängig davon, ob eine Person dem Kind im Rahmen einer hauptberuflichen oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit gegenübertritt.

Steinmaßl: »Das ist kein Misstrauen«

Der Landrat hob heraus, der Gesetzgeber habe das »Erweiterte Führungszeugnis« verschärft. Einschlägig wegen Missbrauchsdelikten Verurteilte dürften künftig auch nicht von Vereinen und Verbänden im ehrenamtlichen Sektor beschäftigt werden. »Das ist kein Misstrauen gegen ehrenamtliche Betreuer. 99 Prozent aller Ehrenamtlichen arbeiten ohne jegliche Verfehlungen.«

Ehrenamtliche Betreuer können das kostenlose »Erweiterte Führungszeugnis« nach Auskunft des Landrats bei der Stadt- beziehungsweise Gemeindeverwaltung beantragen; die Mitarbeiter bestätigen dann auch, wenn keine sexualstrafrechtlichen Eintragungen vorhanden sind. Die Bescheinigung erhält der Verein zur Kenntnis. Über die Details informierte gestern Dr. Norbert Wolff vom Kreisjugendamt. Er befürchtete, manche Täter ließen sich nicht beeindrucken. Andere wiederum könne das Gesetz abhalten.

Eine »gewisse Skepsis« gegen das Gesetz legte Siegfried Walch (CSU) an den Tag. Er habe aus der Vereinspraxis heraus »kein Verständnis«. »Selbst wenn es ein bürokratisches Monster ist, kann man den Vorschlag des Jugendamts nur unterstützen. Der Vorschlag ist hervorragend«, hob Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) gestern heraus. Für junge Menschen sei sexueller Missbrauch »schrecklich«. Jeder Fall, der verhindert werden könne, sei den bürokratischen Aufwand wert.

In vielen Wortmeldungen, unter anderem von Vereinsrepräsentanten, hagelte es überwiegend Kritik gegen das »Erweiterte Führungszeugnis«. Steinmaßl bot die Hilfe des Kreisjugendamts an. kd