weather-image
25°

Führungen durch die Steiner Burg gibt es schon seit über 100 Jahren

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Früher führte Franz Schuhbeck, der Schwiegervater von Elfriede Schuhbeck, durch die Steiner Burg. Dieses Bild dürfte aus den 1950er Jahren stammen.

Traunreut – Die Höhlenburg des Ritters Heinz vom Stein ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region und lockt jährlich Tausende von Besuchern an.


Nach der Winterpause hat der Verein »Freunde der Burg Stein« jetzt wieder mit den Führungen begonnen.

Anzeige

Im Laufe der Jahrzehnte waren mehrere, aber vor allem Steiner Bürger, als Burgführer tätig und erinnern sich an so manche nette Begebenheit. Elfriede Schuhbeck beispielsweise übernahm die Aufgabe von ihrer Schwiegermutter, als diese aus Alters- und Krankheitsgründen nicht mehr konnte. Damals, in den 1960er Jahren, gab es noch keine festen Zeiten für die Führungen und die Besucher kamen zu den Führern nach Hause an die Haustür, wenn sie in die Burg wollten. Elfriede Schuhbeck erinnert sich: »Einmal klingelte es schon um halb sieben in der Früh und draußen standen Klosterschwestern, die die Burg sehen wollten.« Sie ließ dann alles stehen und liegen, zog sich an und ging mit den Schwestern zur Burg. Als sie mit den Frauen in den Räumen im Fels unterwegs war, zog ein Gewitter auf, es war stockfinster und richtig gruselig, sogar für die Führerin.

»Einmal hatte ich zehn Führungen an einem Tag«

An manchen Tagen sei sie aus der Burg fast nicht mehr rausgekommen, erzählt Elfriede Schuhbeck, »einmal hatte ich zehn Führungen an einem Tag«. Eine gewisse Anzahl an Personen war aber schon nötig, denn sie wollte es nicht so machen wie ihre Schwiegermutter. Die sei auch mal nur mit fünf Buben in die Burg gegangen. »Oa Mark is’ aa«, habe diese gesagt, denn pro Kind wurden damals nur 20 Pfennig kassiert.

Einen ganzen Ordner voll mit Dankschreiben verwahrt Elfriede Schuhbeck noch heute. Schulkinder haben sich oft mit Briefen und Bildern für den schönen Ausflug in die Burg bedankt. Manchmal hätten sich die Kleineren zwar schon geängstigt in den engen Räumen und bei der Geschichte des wilden Raubritters. Die Führer seien aber immer auf die Besucher eingegangen und hätten schon gewusst, wann sie die Geschichte vom Mädchen raubenden Ritter entweder etwas grausiger oder lieber harmloser erzählten. In früheren Zeiten wurde schon auch mal Tier-Blut vom Metzger geholt und in der Burg verschüttet, um die Geschichte zu veranschaulichen.

Eine weitere, langjährige Führerin ist Helga Wernhöfer. Sie kam 1987 dazu, als bei den damaligen Steiner Spielen Zusatzführungen angeboten und weitere Führer gesucht wurden. 30 Jahre lang begleitete sie dann unzählige Gruppen und kann die Geschichte noch heute aus dem Stegreif. Bis vor kurzem führte auch Siegfried Sojer, der die Steiner Burg schon seit seiner Kindheit kennt, Besucher durch das Gewölbe. Er erinnert sich an ein paar ganz besondere Gruppen: Einmal hatten sechs Männer, die auf Betriebsausflug waren, eine Kiste Bier bei der Führung dabei. »Die wollten gar nicht mehr gehen, hätten es sich am liebsten drin gemütlich gemacht.« Und auch eine Hochzeitsgesellschaft mit Braut im weißen Kleid, das danach nicht mehr ganz sauber war, begleitete er. »Es hat immer großen Spaß gemacht«, betont Siegfried Sojer, auch wenn es manchmal anstrengend war. Die größte Gruppe, die er einmal führte, zählte 104 Personen und einen Hund. »Das war aber viel zu viel, da hören mich die meisten gar nicht mehr und ich musste alles mehrmals erzählen.«

Elfriede Schubeck fiel in den »Trostberger Gang«

Einen Schrecken erlebte Elfriede Schuhbeck einst, als sie ein Stück in den sogenannten »Trostberger Gang« rutschte. Von der Felsenburg aus führte angeblich vor vielen Jahrhunderten ein unterirdischer Gang bis nach Trostberg, dessen Einstieg noch erkennbar ist. Sie hat sich damals wie bei jeder Führung dorthin gestellt, damit niemand von den Gästen in den abschüssigen Gang gerät, rutschte dann aber selber aus und fiel hinunter. Die Burgbesucher hätten zunächst gedacht, das sei Teil der Führung, und ihr erst auf ihr ausdrückliches Bitten hin wieder hoch geholfen.

Über ein unerfreuliches Ereignis kann Dr. Michael Elsen, Vorsitzender der Burgfreunde, berichten. Vorschulkinder eines Kindergartens machten einst eine Führung mit, hörten sich die Geschichte vom Ritter Heinz an und verließen die Burg anscheinend frohen Mutes. Danach kam jedoch ein böser Beschwerdebrief von den Eltern eines der Kinder, in dem die Einstellung der Führungen gefordert wurde. Das Kind sei durch die Erlebnisse in der Burg stark traumatisiert worden, hieß es von den Eltern. Seitdem werden Gruppen von Schulen oder Kindergärten schon bei der Anmeldung darauf hingewiesen, um welche Geschichte es geht.

Laut alten Aufzeichnungen gab es Führungen durch die Steiner Burg schon um das Jahr 1900. Die Führungen wurden seit jeher von Privatpersonen durchgeführt. Seit seiner Gründung kümmert sich der Verein »Freunde der Burg Stein« nicht nur um die historischen Führungen, sondern auch um den Erhalt der ganzen Anlage. Immer wieder wird geprüft, ob die Wege durch die Räume noch sicher sind, loses Gestein wird entfernt und Geländer werden bei Bedarf instand gesetzt. Im Winter ist die Höhlenburg gesperrt, damit die Fledermäuse dort ihre Ruhe haben.

Mit Eintrittsgeldern werden Arbeiten finanziert

Der Verein »Freunde der Burg Stein« bietet Führungen von Ostern bis Kirchweih täglich – außer Montag – um 14  Uhr an. In den Sommerferien gibt es zwei Führungen um 14 und um 16 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Tour startet am Burgtor. Gruppen können auf Anfrage auch zu anderen Zeiten geführt werden. Es wird ein geringes Eintrittsgeld erhoben. Das Geld fließt wieder in die Burg zurück, die im Besitz der Schlossbrauerei Stein ist, da damit notwendige Sanierungsarbeiten mitfinanziert werden »Der Verein nimmt sich auf freiwilliger Basis dieser Aufgabe an, um die Substanz von Felsenburg und Hochschloss zu erhalten«, betont Dr. Michael Elsen. mix