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Friedhof erweitern, um Dorfmitte zu beleben

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Mit Musikalität, Witz, Spottlust und toller Bühnenpräsenz: Die Begeisterung über die »Wellbappn« beim Oberwirt in Otting war riesig. Jonas, Tabea, Hans und Sarah Well (von links) bescherten dem Publikum einen politischen Abend etwas anderer Art. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Das Biermösl-Gen ist schon was besonderes – und die zweite Generation hat mächtig was davon geerbt. Was Ex-Biermösl Hans Well und seine drei Kinder – zwischen 17 und 21 Jahre jung – am Samstag beim Oberwirt in Otting boten, fügt sich nahtlos an die 35-jährige Erfolgsgeschichte der Vorgängergruppe an. Nach über einem Jahr auf der Bühne sind die Vier aufeinander abgestimmt – und die musikalisch verbrämten Boshaftigkeiten über die Landes- und Kommunalpolitik sitzen einfach.


Die deutlich über 200 Besucher im Saal rieben sich erst einmal die Augen wegen der Bühnendekoration. Die Veranstaltung war schließlich von den Waginger Grünen organisiert; warum also erstrahlte die Bühne in deftigem Blau? Des Rätsels Lösung: Die Bühne ist schon hergerichtet für das demnächst stattfindende Kindertheater, und so kam sich Hans Well, wie er spöttelte, vor wie ein »Nachtgespenst«.

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Der Grünen-Wahlkampf wurde dabei sehr dezent behandelt: Inge Kämpfl stellte lediglich die Gemeinderatskandidaten vor – nur optisch – und überließ dann die Bühne den »Wellbappn«, die gleich in die Vollen gingen und Waginger Sonderbarkeiten und noch einige aus der Region pointiert auf die Schippe nahmen. Zur Ortssanierung sangen sie »Waging – wo man de Kinder die Ewigkeit so erklärt / des is dann, wenn des Babl-Haus amoi herg’richt werd.« Und über die Vergabepraxis im Gemeinderat: »Wo’s bei öffentliche Bauaufträge geht ruckzuck / weil ois, wos da Schwangler net kriagt, kriagt da Kleißl Lugg.«

Den ersten Teil ihres Programms widmeten die Vier den modernen Entwicklungen im Bayernland, wo die Häuser im Toskana-Stil erbaut werden, die Hausfrauen mit riesigen Geländewagen zum Discounter fahren, der Pfarrer aus dem Senegal kommt, der überdimensionierte Kreisverkehr mit einem Krötenteich ausgestattet wird und Gemeinderatssitzungen »Eigentümer-Versammlungen« sind, auch wenn man das eigentlich nicht sagen dürfe. Und wo zur Belebung der Dorfmitte, weil alle Einkaufsflächen im Außenbereich sind, der Friedhof erweitert wird.

In vielschichtiger musikalischer Form wurden im Folgenden viele Themen ausgebreitet. Es war ein Genuss zuzuhören und zuzuschauen. Das Publikum ging begeistert mit und spendete reichlich Applaus. Die Waginger Grünen-Bürgermeisterkandidatin Hedwig Witzleben fasste zusammen: »Da brauchen wir keine großen Wahlversammlungen. Vieles haben die Wells heute Abend schon gesagt. Hans Well und seine Wellbappn waren großartig. Aktuell, kernig, ironisch und musikalisch ein Genuss.« Hans Eder