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Friedensnobelpreis für Wössner Fußballer

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Die Dreharmatur für das frische Starkbier fehlt. Festwirt Wilhelm Fechtig (im Hintergrund) hatte die vom Zapfhahn gefetzt, als er den zaghaften Anzapfversuch von Bürgermeister Hans Haslreiter mit energischem Schlag nachbessern wollte. (Foto: Flug)

Unterwössen. Ungewollte Komik stand am Anfang des überaus amüsanten Starbierfestes des Trachtenvereins »D'Achentaler« Unterwössen im Gemeindesaal. Mit einem – im Vergleich zu den Brauereilehrgängen für Bürgermeister – filigranen Werkzeug stupste Bürgermeister Hans Haslreiter den Bierhahn leicht ins Starkbierfass. Festwirt Wolfgang Fechtig, der erkannte, dass das nicht reichen würde, zielte über den Hahn und traf mit weitaus energischerem Schlag die Dreharmatur des Hahnes. Die splitterte über die Bühne.


Jetzt war zwar O'zapft, aber nichts mehr da, was dem frischen braunen Starkbier den Weg aus dem Hahn geschaffen hätte. Während moderne Thekentechnik fortan für den Fluss des Starkbiers im Saal sorgte, wurde das misshandelte Fass von der Bühne getragen. Doch das war nicht die einzige Panne.

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Denn vor lauter Aufregung begrüßte Bürgermeister Hans Haslreiter aus Versehen die Weitlahner Musi – talbekannte Musikanten aus dem nahen Schleching. Doch die neben ihm auf der Bühne spielenden Musikanten um seinen Bauhofchef Georg Schlaipfer, waren die Weitalmer, die sich allerdings nicht die Stimmung nehmen ließen und wunderbar musizierten.

Das Wössner Bauerntheater brachte dann einen amüsanten Einakter. Im alkoholisierten Politiker stritten nach einem Unfall der innere Schweinehund (Wolfgang Färbinger), das Ego (Johanna Steiner) und das Gewissen (Claudia Schweinöster) mit Leidenschaft um die Vorherrschaft. Nur mit List gelang es dem Gewissen, die Konkurrenten auszustechen und den Politiker zur pflichtgemäßen Selbstanzeige zu überreden.

Hoch schwappte dann die Begeisterung, als Bruder Andreas (Andreas Steiner) das Rednerpult zur Fastenpredigt erklomm. Die gelang heuer deutlich bissiger und gespickter als die Vorjahresversionen, bestätigten die Zuschauer im Nachhinein.

Einmal mehr begann er beim Bürgermeister-Duo Hans Haslreiter und Barthl Irlinger. Weil der Erste nicht mehr kandidiere, setze der sich gerade ein in Stein gemeißeltes 18 Meter hohes Portrait in der Altweger Wand, der Baustelle am Ortseingang. Der Zweite falle aber – allein gelassen – in ein tiefes Loch, zurechtgestutzt auf die alleinige Aufgabe als »Hotelier« im eigenen Haus. Da verkümmere eine unvergleichliche rhetorische Begabung. Immer wenn es gefährlich werde, rede der Barthl so süß daher, dass Zuckerkranke Ohrschützer benötigten. Als nächstes bekam der Gemeinderat mit seinen zersplitterten Gruppierungen sein Fett ab. Pfarrer Klaus Wernberger, berichtete Bruder Andreas, werde jetzt Koch bei Benedikt XVI. in Rom. Die Pfarrgemeinden Unterwössen, Schleching und Reit im Winkl helfen sich derweil und bewältigen ihre Aufgaben mit Multiveranstaltungen. Taufe, Hochzeit und Beerdigung würden allerweil in einem Termin abgehandelt.

Der Tourismusstandort boomt. Das Hallenbad wird bezuschusstes Baudenkmal, die Skischaukel führt vom Balsberg zum Dürnbachhorn, Steinplatte und zuletzt zum Sonntagshorn. Die Fußballer des SV Unterwössen erhalten den Friedensnobelpreis, weil sie ohne Angriff spielen. Theaterchefin Claudia Schweinöster baut das Auschuster-Stüberl zur Theaterbühne um. Von Bauer sucht Frau bis zum Dschunglcamp prägen künftig namentlich genannte Unterwössner Fernsehstars die Abendunterhaltung, wusste Bruder Andreas.

Unter dem Motto »Alle Räder stehen still, wenn die Touristinfo es will«, beklagte Bruder Andreas den Ausfall des Ostermarktes. Schreckensszenarien malte er auf für den Fall, dass auch der Bauhofleiter oder gar der Bürgermeister ausfallen. Weil bei der Rede jeder sein Fett abbekam, konnte auch jeder trefflich lachen. Die Besucher zeigten sich begeistert. lukk