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Frieden ist alles andere als selbstverständlich

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»Gedenken ist ein Puzzleteil zum Frieden« sagte Oberbürgermeister Christian Kegel und legte zum Gedenken einen Kranz am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus und an der Gedenkstätte für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg Gefallenen im Stadtpark nieder. (Foto: M. Peter)

Traunstein – Mit einer Gedenkfeier und einer Abendveranstaltung zum Thema erinnerte die Stadt Traunstein an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Die ökumenische Vesper zur Gedenkfeier mit Kranzniederlegung an der Kirche Sankt Georg und Katharina im Stadtpark eröffnete die Stadtmusik unter der Leitung von Augustin Spiel mit »Wie ein Choral« von Anton Bruckner aus der Sammlung »Musica Sacra«.


Die ökumenische Vesper zelebrierten Dekan Peter Bertram und Stadtpfarrer Georg Lindl. Der 8. Mai sei ein Tag, zu dem jeder andere Erinnerungen habe, sagte Bertram. Bei Kriegsende kam der eine heim, der andere verlor seine Heimat, der eine wurde befreit und der andere ging in Gefangenschaft. Bei der Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus und an der Gedenkstätte für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg Gefallenen schoss die Gebirgsschützenkompanie Traunstein unter der Leitung von Hauptmann Sebastian Knittler den Salut.

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Der Philosoph Immanuel Kant habe schon gesagt, dass ein dauerhafter, echter Frieden nur durch erhebliche Anstrengungen erreicht werden könne, erinnerte Oberbürgermeister Kegel. Wir dürften nun schon 70 Jahre in Frieden leben. Anderswo herrsche täglich Krieg und Terror. Frieden überall und für immer sei wohl ein frommer Wunsch, so Kegel. Doch auch wenn ein weltweiter Frieden ein weit entferntes, vielleicht unerreichbares Ziel sei, lohne es sich, für ein friedliches Miteinander aller Menschen einzutreten. Denn jeder Tote, jeder Verletzte in den zahllosen Kriegen und Konflikten einer zuviel, betonte Kegel.

Der Frieden sei eine Gnade und alles andere als selbstverständlich, sagte Kegel. Dieses wertvolle Gut bedürfe der Pflege, um es zu erhalten. Dabei sei Frieden wie ein Puzzle, das sich aus vielen kleinen Teilen zusammensetze. Ein Puzzleteil sei das Gedenken, so Kegel. Das Jahr 2015 stehe im Zeichen des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Dieser Krieg habe unermesslichen Schmerz, Tod und Zerstörung über weite Teile Europas gebracht. Auch heute verlieren in den Konflikten auf der ganzen Welt unzählige Menschen ihr Leben. Darum solle an alle Opfer von Gewalt und Krieg gedacht werden, sagte Kegel.

Bei der Abendveranstaltung im Rathaussaal wurde der Dokumentarfilm »Das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Einmarsch der amerikanischen Truppen in Traunstein« von Franz Haider gezeigt, außerdem hielt Altbürgermeister Stahl einen Vortrag zum Kriegsende in Traunstein. Der Film von Franz Haider zeigte die großen Zerstörungen des Bahnhofsviertels in Traunstein bei den Fliegerangriffen am 18. und 25. April 1945.

In seinem Vortrag ging Stahl erst auf die Vorgeschichte seit 1933 ein und meinte, dass sich das Regime der Nationalsozialisten schrittweise allumfassend gebärdete und mit der Gleichschaltung, Aussonderung, Verfolgung und Unterdrückung begann. Die planmäßige Vorbereitung für den Krieg wurde betrieben und gipfelte mit dem Ausspruch Hitlers am 1. September 1939: »Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen!« Der Zweite Weltkrieg forderte 55 Millionen Tote und brachte zerstörte Städte, Flucht und Leid. In Traunstein würden die Gedenkstätten davon zeugen, so Stahl.

Am 3. Mai 1945 war der Krieg in Traunstein zu Ende. Doch musste die Traunsteiner Bevölkerung bis dahin um ihr Schicksal bangen, denn die Frage, ob die Stadt verteidigt werde und so zu einer Frontstadt werde, lag nach wie vor in der Luft. Sie wurde nicht verteidigt und wurde so von weiteren Angriffen verschont. Stahl ging auch auf die Frage ein, ob es angesichts der Morde durch das Regime seinerzeit überhaupt noch einen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur gab und konnte aus den Zeiten vor Kriegsende auf drei öffentliche Proteste in Traunstein verweisen. Aber wie solle man reden, wenn einem die Angst die Kehle zuschnüre, wie handeln, wenn die Furcht erschossen oder denunziert zu werden, nicht nur die Knie zittern lasse, so Stahl nachdenklich. MP