weather-image
23°

Freundestrio fiel über bewusstlose 17-Jährige her

0.0
0.0

Traunstein. In einer Diskothek in Freilassing hatte eine 17-Jährige Mitte Dezember einen Mann kennengelernt. Sie folgte dem 25-Jährigen trotz ihrer 2,3 Promille Alkohol im Blut in seine Wohnung. Dort kamen zwei weitere Männer hinzu und das Martyrium für die junge Frau begann. Gestern begann der Prozess gegen das Freilassinger Freundestrio am Traunsteiner Landgericht.


Ein Joint hatte die 17-Jährige in dieser Nacht gänzlich willenlos gemacht. Das alkoholisierte Freundestrio fiel laut Anklage über die Bewusstlose her, missbrauchte sie über mehrere Stunden massiv und verletzte sie erheblich. Doch dem noch nicht genug: Die Täter filmten ihre Aktivitäten mit ihren drei Handys.

Anzeige

Die insgesamt etwa eine Stunde dauernden Videosequenzen sind zentrales Beweismittel in dem gestern gestarteten Prozess der Jugendschutzkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann. Bei der Vorführung der Videos schloss das Gericht die Öffentlichkeit aber aus.

Die Vorwürfe von Staatsanwältin Monika Veiglhuber lauten auf gemeinschaftlichen sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person, gefährliche Körperverletzung, Drogendelikte und Herstellen jugendpornografischer Schriften.

Anwältin will Aussage des Opfers verhindern

Nach derzeitigem Plan des Gerichts soll die Geschädigte, die sich seit dem Geschehen in psychologischer Behandlung befindet, am zweiten Tag aussagen. Das will Opferanwältin Manuela Denneborg aus Rosenheim verhindern. Der Grund: Ihre Mandantin habe bereits dreimal alles im Detail schildern müssen. Die Nebenklagevertreterin hoffte gestern vor Prozessauftakt auf geständige Einlassungen der Täter, wie sie gegenüber unserer Zeitung erklärte.

Die Angeklagten aus Freilassing – ein arbeitsloser 22-jähriger Ex-Barkeeper, ein 32 Jahre alter, deutsch-kasachischer Arbeiter und ein 25-jähriger, seit März 2012 wegen der aktuellen Vorwürfe vom Dienst suspendierter Zeitsoldat – äußerten sich gestern zur Person und zur Sache. Fragen der Jugendkammer galten auch dem Sexualleben, was den Männern offensichtlich peinlich war.

Der 25-jährige Wohnungsbesitzer schilderte gestern als Erster den verhängnisvollen Abend. Mit den Freunden habe er zwei Flaschen Wodka und einige Bier getrunken. Kurz vor der Sperrstunde habe er das Mädchen getroffen. Sie sei bereit gewesen, noch mit in seine Wohnung zu gehen. Zehn Minuten später seien seine Freunde, wie schon vorher in der Diskothek vereinbart, nachgekommen.

Über den genauen Ablauf der sexuellen Handlungen wisse er nichts mehr – »weil ich so besoffen war«. Gewalt – die Anklage geht von heftigen Schlägen aus – sei aber nicht im Spiel gewesen: »Warum sollten wir sie schlagen?« Aus Sicht des 25-Jährigen sei die 17-Jährige nicht komplett weggetreten gewesen: »Ich hab sie stöhnen hören.« Alle hätten viel gelacht.

Der 25-Jährige weiter: »Durch das Rauchen und den blöden Joint hat einer angefangen zu filmen. Wahrscheinlich haben wir die Situation verkannt. Ich hatte nicht vor, sie abzufüllen oder ihr Drogen zu geben. Der Angeklagte schilderte weiter, das Mädchen sei morgens aufgewacht und habe gemeint: »Ihr habt ausgenutzt, dass ich so dicht war.« Nach Worten des Zeitsoldaten war die junge Frau »hauptsächlich sauer wegen der Videos«. Sie habe gefordert, sie zu löschen.

»Als die Polizei kam, bin ich aus allen Wolken gefallen«

Der 25-Jährige war sich angeblich zunächst nicht bewusst, was man dem Opfer angetan hatte: »Als die Polizei kam, bin ich aus allen Wolken gefallen. Keiner dachte, er habe was Falsches gemacht.« Er, so der 25-Jährige, sei »froh« über die Videos gewesen – »dass man anhand von dem Stöhnen erkennt, dass wir keine Straftat begangen haben«. Er habe der Polizei sein Handy freiwillig gegeben, von sich aus gesagt, auf den Handys der anderen seien auch noch andere Videos drauf. Drei Tage später sei er verhaftet worden. Der Angeklagte wiederholte: »Ich habe das keinesfalls mit Vorsatz gemacht. Das Ganze tut mir leid.«

Einige der sechs Verteidiger regten gestern ein Rechtsgespräch an. Nach einer Stunde teilte Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann mit, man habe keine Einigung hinsichtlich der Strafhöhen bzw. Strafrahmenmilderungen erreicht. Erklärtes Ziel der Nebenklage sei für alle Angeklagten Freiheitsstrafen und ein finanzieller Ausgleich von insgesamt 15 000 Euro für die Geschädigte.

Zwei der Angeklagten haben bereits teilweise finanzielle Wiedergutmachung geleistet. Deshalb wurden ihre Haftbefehle außer Vollzug gesetzt. Der 22-Jährige sitzt aber bis dato in Untersuchungshaft. Am Freitag findet der nächste Verhandlungstag statt. kd