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Freude bei der CSU, Enttäuschung bei der SPD

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Die Christsozialen sind auch bei den Direktmandaten in den Wahlkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land die haushohen Gewinner: Klaus Steiner aus Übersee zieht mit gut 51 Prozent Prozent erneut in den Bayerischen Landtag ein. Michaela Kaniber aus Bayerisch Gmain holte auf Anhieb 51,19 Prozent und ist damit ein neues Gesicht im Maximilianeum in München.


»Ich bin wirklich überrascht über den deutlichen Zuwachs«, sagte Klaus Steiner, CSU-Direktkandidat im Wahlkreis Traunstein, zufrieden. Vor fünf Jahren war er mit 44,75 Prozent der Stimmen erstmals in den Landtag eingezogen – und konnte somit beim Ergebnis diesmal ordentlich drauflegen. Über 50 Prozent bei neun Gegenkandidaten zu holen, das sei »natürlich schon bedeutend«, so der Überseer. Er sah seine Arbeit »gut bestätigt«. Von einem »Sieg« wolle er aber nicht sprechen. »Ich übe mich da in Bescheidenheit.«

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Als er zusammen mit anderen Direktkandidaten und Journalisten im extra am Sonntagabend eingerichteten »Wahlstudio« im Landratsamt Traunstein auf die ersten Ergebnisse gewartet hatte, hatte er noch versucht, seine Erwartungen zu zügeln: »Ich wär´zufrieden, wenn ich mich dem Parteiergebnis anschließen könnte.« Dass er dieses letztlich doch deutlich übertraf, schrieb er auch seinem Fleiß zu: »Ich hab´ die letzten fünf Jahre viel gearbeitet. Ich war zum Beispiel der einzige Abgeordnete in Bayern, der in vier Ausschüssen tätig war.«

Auf die Frage, ob er heute Abend sein Ergebnis noch feiere, meinte Steiner: »Ich setze mich mit Freunden zusammen, die mir im Wahlkampf geholfen und mich unterstützt haben. Wir trinken ein Bier – und morgen geht die Arbeit wieder los.« Auf die Frage, was er sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen habe, meinte Steiner: »Ich würde in jedem Fall gerne im Bildungsausschuss bleiben. Mein Ziel ist es, das dreigliedrige Schulsystem zu erhalten.«

Zum Ergebnis der CSU in Bayern sagte Steiner: »Bei den entscheidenden Lebensthemen wie Bildung oder soziale Gerechtigkeit nimmt Bayern eine Spitzenposition ein. Das ist natürlich ein Verdienst der Bürger. Aber in Hamburg sind die Bürger auch fleißig. Also muss es doch auch an den politischen Rahmenbedingungen liegen, die wir hier im Freistaat haben.«

Reichenau: »Natürlich bin ich enttäuscht«

Dirk Reichenau aus Tittmoning, Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Traunstein, war gestern nahezu sprachlos über sein niedriges Ergebnis: »Natürlich bin ich enttäuscht«, sagte er. Damit meinte er nicht nur sein eigenes Abschneiden, sondern auch das der SPD in Bayern. »Es ist höchst erstaunlich, dass es die CSU bei so vielen Affären und Fehlentwicklungen immer wieder schafft«, so Reichenau.

Zufrieden war dagegen Gisela Sengl, Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen: »Das ist ein super Ergebnis. Sie habe sich im Wahlkampf »wirklich reingehängt – und es hat sich ausgezahlt.

Der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl konnte beim Betreten des Wahlstudios seine Freunde über das Bayern-Ergebnis seiner Partei nicht verhehlen: Er strahlte und hob beide Daumen. »Ich bin sehr erfreut, dass wir knapp an den 50 Prozent sind – und dass hier in Bayern möglich ist, was sonst in keinem anderen Bundesland möglich ist: dass eine Partei alleine regieren kann.« Für ihn sei das ein Zeichen dafür, dass »unsere Arbeit auf einen Großteil der Bürger ausgelegt ist«. Mit ihrer konstruktiven Politik kämen die Christsozialen an – »und das tut gut«, so Steinmaßl.

Im Wahlstudio im Landratsamt in Bad Reichhall konnte Michaela Kaniber – als um 18 Uhr die erste Prognose des Bayerischen Fernsehens über die Bildschirme flimmerte – ihre Freude ebenfalls nicht verbergen. Ihr erster Kommentar: »Das ist ja irre, damit hätte ich nicht gerechnet. Also das ist schon sehr erfreulich, damit ist das ewige Liberalisieren zu Ende.«

Schnell folgte aber ein Dämpfer: In der Gemeinde Marktschellenberg holte Kaniber selbst lediglich 39 Prozent der Erststimmen. Gegen 20 Uhr war ihr Ergebnis immerhin schon bei über 51 Prozent: »Jetzt ist es schon annehmbar, ich würde sagen, noch sehr ausbaufähig.«.

Bartl Wimmer, Direktkandidat der Grünen aus Berchtesgaden, zeigte sich enttäuscht über das bayernweite Abschneiden der Grünen. »Ich glaube, Horst Seehofer ist es schlichtweg gelungen, die Wähler einzulullen«, so Wimmer. san