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Freude an der Mundart wecken

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Dr. Helmut Wittmann (links) und der Kreisvorsitzende des Bayernbundes Traunstein, Heinz Wallner, präsentieren einen Vordruck des Abschlussberichts des Projekts »Freude an der Mundart wecken und verstärken«, der in Form eines Lesebuches erscheinen wird und in Kindergärten und Schulen in Altbayern aufgelegt werden soll. (Foto: Rasch)

Traunstein. Das in den vergangenen drei Jahren von den Bayernbund-Kreisverbänden Traunstein und Rosenheim initiierte Schul- und Kindergartenprojekt »Freude an der Mundart wecken und verstärken« wurde jetzt erfolgreich beendet. Ziel war es, bei Kindern und Jugendlichen die Freude an der Mundart zu wecken und eine grundlegende Wertschätzung für den heimischen Dialekt zu entwickeln. Das Projekt solle einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die bairische Seele auch weiterhin in der heimatlichen Mundart Atem schöpfen könne, sagte der Projektleiter, Ministerialdirigent a.D. Dr. Helmut Wittmann, dem Traunsteiner Tagblatt.


Wittmann und seine ehrenamtlichen Mitstreiter, Bayernbund-Archivar Norbert Zehrer sowie die Bayernbund-Kreisvorsitzenden Heinz Wallner (Traunstein) und Christian Glas (Rosenheim), gewannen für das Projekt drei Kindergärten und zwölf Schulen. In Veranstaltungen aller Beteiligten und mit Referenten, die sich als Ansprechpartner für Literatur, Musik, Brauchtum, Tanz und Bildende Künste zur Verfügung stellten, wurden fachliche Grundlagen erarbeitet, ausgetauscht und erweitert.

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Die Erkenntnisse, die gegenwärtig ausgearbeitet werden, sollen im Sommer im Rahmen einer Abschlussveranstaltung veröffentlicht werden. Der Abschlussbericht wird in Form eines Lesebuchs mit vielen didaktischen Anregungen, fundierten Fachartikeln und Kurzbeiträgen von bekannten Persönlichkeiten aus dem Sport und dem öffentlichen Leben zur Mundart erscheinen und an Kindergärten und Schulen in Altbayern (Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz) als Anregung verteilt. Die Kosten für die Drucklegung trägt der Bayernbund. Nach Angaben von Dr. Wittmann, habe Landrat Hermann Steinmaßl, die Einrichtungen mit didaktischen Materialien und Büchern unterstützt. Das Projekt habe schon mehrfach überregionale Würdigung erhalten, etwa in den neuen Handreichungen des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München. Es gebe Anregungen zur Neufassung des Lehrplans für die Grundschulen in Bayern, der im kommenden Schuljahr in Kraft treten werde.

Den Erkenntnissen nach sind Kinder gut motivierbar, Mundart zu sprechen, wenn Eltern und Pädagogen der Mundart Wertschätzung entgegenbringen. Die im Erziehungs- und Bildungsplan (BEP) für Kindergärten und in den Lehrplänen enthaltenen Hinweise, Möglichkeiten und Freiräume bilden nach Wittmanns einen guten Rahmen für die pädagogische Arbeit in der Praxis. Nahezu in allen Fächern seien mundartliche Aktivitäten möglich, besonders in Deutsch, Musik, Fremdsprachen (zum Beispiel Ableitungen in Französisch und Latein) und Sport. Die Begründungen bildeten für Pädagogen eine wichtige rechtliche und fachliche Argumentationshilfe im Hinblick auf Eltern, die der Verwendung der Mundart noch skeptisch oder gar ablehnend gegenüber stünden. Die Mundart finde ihre Entfaltung besonders auch in außerschulischen Bereichen.

Als besonders hilfreich habe sich in der Praxis die Zusammenarbeit mit Vereinen, wie beispielsweise Trachtenvereinen, herausgestellt. Das unabdingbare Ziel des Unterrichts, die Hinführung zur Hochsprache, sei dabei nicht zu vernachlässigen, was aber einen situationsgemäßen Gebrauch von Mundart, also eine gewisse »Zweisprachigkeit« nicht ausschließe. Wissenschaftliche Studien belegten, dass Kinder, die »zweisprachig« aufwachsen, sich erheblich leichter beim Erlernen einer Fremdsprache tun. »Mundart – darin sind sich Fachleute einig – ist für Mundartsprecher immer eine Bereicherung.«

An dem Projekt beteiligten sich der Integrationskindergarten Frasdorf, die Kindergärten Aschau und Hirnsberg sowie die Grundschulen Halfing, Söllhuben, Bernau und Seeon, die Grund- und Mittelschulen Obing, Chieming, Ruhpolding und Neubeuern, die Mittelschule Prien, die Johann-Rieder-Realschule Rosenheim, das Herzthaimer Gymnasium Trostberg und das Landschulheim Schloss Ising. ga