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Freude an der bayerischen Sprache wecken

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Im Beisein von Ministerialdirigent a.D. Dr. Helmut Wittmann (von links) erhält der Vorsitzende des Bayernbundes Traunstein, Heinz Wallner, einen Scheck von Wolfgang Stark, Präsident des Lionsclubs Traunstein, für das Projekt »Freude an der Mundart«. Der Bildhauer Andreas Kuhnlein unterstützt das Projekt mit seinen Kunstaktionen an Schulen. (Foto: Giesen)

Traunstein. Noch viele ältere Leute erinnern sich, dass es als ausgesprochen verpönt galt, in der Schule bayerisch zu sprechen. »Inzwischen gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass sich eine 'Zweisprachigkeit' nicht nur für den Schulerfolg, sondern auch im späteren Leben durchaus positiv auswirkt«, erklärt Dr. Helmut Wittmann, früherer Ministerialdirigent am bayerischen Kultusministerium. Seit seiner Pensionierung engagiert er sich für das Projekt des Bayernbundes »Freude an der Mundart wecken und verstärken«.


Der Bayernbund ist ein überparteilicher Zusammenschluss »landesverbundener und staatsbewusster« Bürger in oder aus Bayern, »ungeachtet ihrer landsmannschaftlichen Herkunft«. Kreisvorsitzender Heinrich Wallner aus Chieming erhielt jetzt einen Scheck von dem früheren Leiter der Berufsschule Traunstein, Wolfgang Stark, der Präsident des Lionsclubs Traunstein das Projekt ebenfalls unterstützt.

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»Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche zu motivieren, Freude an ihrer Muttersprache zu entwickeln. Die Mundart schafft Vertrautheit und im Vergleich zur Schriftsprache zusätzliche Laute und Klangfarben – das gibt eigene Denkansätze zur Erschließung der Welt«, so Stark.

Wie Wallner erklärt, hat der Bayernbund mit Schulen aller Kategorien, Kindergärten und anderen Kindertagesstätten ein Projekt entwickelt, das Kinder motivieren soll, ihre Sprache zu sprechen und sich damit zu befassen. Gerade im Bereich der Volksmusik und des Volkstanzes, aber auch in der Literatur gebe es unzählige Möglichkeiten, so Wallner.

»Mundart schafft kulturelle Identität« und führe zu einer stärkeren Verbundenheit mit der Heimat, so Wittmann. Er verwies auf einen Absatz in der bayerischen Verfassung, nach dem Schüler auch in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen seien. In den Lehrplänen aller Schularten gebe es eine Fülle von Anregungen für die Beschäftigung mit Dialekten. In Mittelschulen und Realschulen soll die Verwendung der Sprachebenen untersucht werden. Im Gymnasium stehen Untersuchungen über Merkmale und Leistungen von Mundart im Lehrplan. In der Oberstufe könne zum Beispiel der Dialektgebrauch in der Schule, der Familie oder den Medien untersucht werden.

Für sein Projekt zur Stärkung der Mundart arbeitet der Bayernbund auch mit Künstlern zusammen, zum Beispiel mit dem Grassauer Musiker Stefan Dettl oder dem Unterwössener Bildhauer Andreas Kuhnlein. Aus der Landwirtschaft stammend und eigentlich Schreiner von Beruf hat er in den letzten 20 Jahren schon über 50 Projekte mit Schulklassen gemacht. Dabei weicht er nie von seiner bayerischen Muttersprache ab – auch nicht bei Vernissagen von Ausstellungen in Berlin, China oder den USA. Durch seinen selbstverständlichen Gebrauch der bayerischen Muttersprache werden die Kinder angeregt, »selbst auch so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist«, erklärt Kuhnlein.

Die Ergebnisse der Arbeiten in Kindergärten und Schulen sammelt der Bayernbund für einen Schlussbericht, den er nächstes Jahr in Form einer Broschüre herausgeben möchte. gi