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Freistaat droht mit Schließung der Traun-Alz-Bahnstrecke

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Sollte es dem Landkreis Traunstein nicht gelingen, im Rahmen des laufenden ÖPNV-Gesamtkonzeptes eine optimale Verknüpfung von Bus und Bahn zu erreichen, droht die Einstellung der Traun-Alz-Bahnstrecke. Für den Güterverkehr in Traunreut könnte dies fatale Folgen haben. Die BSH-Herdefabrik hat ihr Logistikkonzept um ein Güterterminal ausgebaut. Dadurch können jetzt bis zu 900 Lkw-Fahrten eingespart werden. (Foto: Rasch)

Traunreut. Der »Geisterzug« zwischen Traunstein und Traunreut hat jetzt auch den Freistaat Bayern auf den Plan gerufen. Wie mehrfach berichtet, liegen die Fahrgastzahlen, die man sich durch den Ausbau der Bahnstrecke erhofft hatte, weit hinter den Erwartungen zurück. Der Freistaat Bayern will jetzt – nach rund sechs Jahren – die Augen nicht mehr verschließen und droht mit der Schließung der Traun-Alz-Bahnstrecke. Verhindert werden könnte die Schließung durch eine optimale Verknüpfung von Bus und Bahn.


Beim Personenverkehr wurde in der Vergangenheit offenbar nicht erkannt, dass auf der Strecke Traunstein–Traunreut und umgekehrt zu viele Bus- und Bahn-Parallelfahrten stattfinden. Diese zeitgleichen Fahrten sollen jetzt im Rahmen des für den Landkreis Traunstein in Auftrag gegebenen ÖPNV-Gutachtens auf Bus und Bahn aufgeteilt werden. Über den aktuellen Stand dieses Konzeptes, insbesondere den Bereich der Stadt Traunreut betreffend, informierte der Nahverkehrsberater Stefan Kroll vom Planungsinstitut in Heidelberg den Traunreuter Stadtrat. Wie der Experte einräumte, wolle der Freistaat Bayern angesichts der leeren Züge auf der Traun-Alz-Bahnstrecke im September diese Strecke schließen. Es sei denn, der Landkreis schaffe es im Zuge der Neukonzeptierung, eine optimale Verknüpfung von Bus und Bahn herzustellen.

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Kroll schlägt einen integralen Taktfahrplan vor. Im Klartext würde das bedeuten, wenn kein Zug fährt, fährt ein Bus – und umgekehrt. Damit könnten in den Augen des Nahverkehrsberaters nicht nur viele Buskilometer eingespart werden, sondern auch mehr Fahrgäste in die Züge gelockt werden. Gleichzeitig könnte die RVO, die ebenso wie die Südostbayernbahn eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Bahn AG ist, zusätzliche Strecken, wie beispielsweise Traunreut–Tittmoning, bedienen und die Haltestellen im Stadtbereich ausdehnen. Ein Vorteil dieses integralen Fahrplans wäre auch, dass mit ein- und demselben Fahrschein von der Bahn in den Bus und umgekehrt umgestiegen werden könnte. Kroll ist der festen Ansicht, dass so die Züge gefüllt werden können.

Bürgermeister Franz Parzinger appellierte an das Gremium, das Konzept zu unterstützen. Auch ihm sei bewusst, dass die Fahrgastzahlen hinter den Erwartungen liegen. Eine Schließung der Schiene könnte jedoch fatale Auswirkungen auf den Güterverkehr in Traunreut haben. Parzinger: »Es werden so viele Güter transportiert wie nie zuvor.« Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH setzt seit Jahren auf nachhaltige Logistikkonzepte, die die Effizienz jedes einzelnen Transportes erheblich steigern. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auf dem Firmengelände der Traunreuter Herdefabrik ein Containerterminal mit unmittelbarem Gleisanschluss an das Bahnnetz errichtet. Durch den neuen Umschlagplatz können in Traunreut jetzt jährlich bis zu 9000 Lkw-Fahrten eingespart werden. Johannes Danner von der Bürgerliste erinnerte an die vielen Gespräche bezüglich einer besseren Verknüpfung zwischen Bus und Bahn. Die Problematik sei lange bekannt, sagte Danner. Auch Günther Dzial (SPD) kritisierte, warum in der Vergangenheit nicht schon längst reagiert worden ist. In der Hoffnung, dass sich was ändert, warnte er aber auch davor, durch die Umkrempelung, die Leute zu verärgern, die ohnehin das Bahnangebot nutzen. In den Augen von Martin Czepen (Grüne) sollte in dem Konzept vor allem der Pendler- und Schülerverkehr noch stärker Beachtung finden und das Angebot der Zubringerbusse ausgebaut werden. Mit großer Mehrheit sprach sich das Gremium nach über zwei Stunden dafür aus, das Konzept mitzutragen. Ebenso wurde dem Antrag von Sepp Winkler (Bürgerliste) stattgegeben, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer um Unterstützung zu bitten. ga