Freispruch und Unterbringung

Traunstein – Wegen Diebstahls eines VW-Busses am 26. Juni 2014 in Bad Reichenhall ohne den passenden Führerschein, aber mit über 1,7 Promille Alkohol im Blut, und wegen anderer Vorwürfe musste sich ein 32-jähriger Mann aus Bad Reichenhall einem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Traunstein verantworten.


Unterbringung wegen paranoider Schizophrenie

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Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel sprach den geständigen, nicht für seine Tat verantwortlichen sowie zusätzlich alkoholabhängigen Mann frei. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung des an einer paranoiden Schizophrenie leidenden Beschuldigten auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik an.

Die Probleme begannen an jenem Tag kurz nach 0 Uhr in einer Spielothek mit einem heruntergefallenen Glas und Geschubse. Mitarbeiter drängten den 32-Jährigen in Richtung Ausgang. Danach entwendete dieser – wegen der Alkoholisierung gemäß Antragsschrift von Staatsanwältin Veronika Denk absolut fahruntüchtig – auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnhofstraße den Kleinbus eines Busunternehmens, der unversperrt war und normalerweise spät von Touren zurückkehrenden Angestellten zur Heimfahrt diente.

Ein Gast der Spielothek bekam das mit, konnte den Diebstahl trotz seines beherzten Eingreifens aber nicht mehr verhindern. Beim Ausparken rammte der 32-Jährige mit dem VW-Bus fast ein zufällig vorbeikommendes Fahrzeug der Polizeiinspektion Fahndung.

Der Polizeibeamte am Steuer seines Dienstwagens konnte eine Kollision gerade noch verhindern. Der Beschuldigte fuhr durch die Stadt auf die Autobahn Salzburg–München und konnte erst bei Traunstein von der Polizei angehalten werden. Die Blutprobe ergab einen Wert von 1,71 Promille.

Außerdem lagen dem 32-Jährigen ein versuchter Diebstahl in einem Geschäft in Bad Reichenhall sowie ein versuchter Betrug an einer älteren Dame vor etwa einem Jahr in deren Wohnung zur Last. Der Zeugin gegenüber hatte der Beschuldigte behauptet, die Heizung ablesen und einige 100 Euro kassieren zu müssen. Als die Frau ihre Vermieterin beziehungsweise deren Sohn zu Hilfe holte, redete sich der 32-Jährige darauf hinaus, nur »einen Freund zu suchen«.

Unverständnis für die Verweigerung einer Therapie

Im Urteil stellte der Vorsitzende Richter in den Raum, »was alles hätte passieren können« – beim Start der Trunkenheitsfahrt und bei der Fahrt über die Autobahn. Unverständnis habe die Kammer, dass sich der 32-Jährige nicht therapieren lassen wolle. Der Rat Dr. Zenkels: »Lassen Sie sich behandeln, machen Sie mit. Dann können Sie auf Bewährung entlassen werden. Wenn Sie sich nicht behandeln lassen, sitzen Sie in fünf Jahren immer noch in Unterbringung.« kd

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