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Freispruch und Entlassung aus Klinik

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Traunstein – Der 26-Jährige, der sich seit Mitte März vor dem Schwurgericht Traunstein in dem Sicherungsverfahren um den gewaltsamen Tod eines Rentners in Traunreut verantworten musste, wurde am Freitag frei gesprochen. Er konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Die Kammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs hob die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, in dem der psychisch kranke Beschuldigte seit seiner Festnahme Ende Juli 2014 in Niedersachsen weilte, mit dem Urteil auf.


Im Plädoyer hatte Staatsanwalt Björn Pfeifer die weitere Unterbringung in der Psychiatrie beantragt, während die Verteidiger, Axel Kampf und Raphael Botor aus Rosenheim, gefordert hatten, die Unterbringung abzulehnen.

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Der Vorsitzende Richter begründete den Freispruch damit, dass das Gericht nach Ende der Beweisaufnahme nicht die - für eine Anordnung der Unterbringung erforderliche Überzeugung gewinnen konnte, dass der Beschuldigte die Tat begangen habe. Unmittelbare Beweismittel oder Hinweise hätten gefehlt, betonte Fuchs. Zwar sei nachgewiesen, dass sich der 26-Jährige am 12. Mai 2014 in der Wohnung des Opfers in Traunreut am St. Georgs-Platz aufgehalten habe. Der Vorsitzende Richter dazu: »Das zeigen die DNA-Spuren, die nicht zu einem früheren Zeitpunkt entstanden sein können.« Zur Frage des Todeszeitpunkts führte Erich Fuchs aus: »Es ist nicht sicher, wann der 61-Jährige genau getötet wurde.« Der Hintergrund: Sachverständige konnten den Tod des 61-Jährigen am 13. oder 14. Mai 2014 nicht vollständig ausschließen. Zu dieser Zeit war der Beschuldigte jedoch nachweislich nicht mehr in Traunreut.

Zu dem vom Staatsanwalt als mitentscheidend gewerteten »Täterwissen« bei der zweiten polizeilichen Vernehmung des 26-Jährigen merkte der Vorsitzende Richter an: »Mit der Aussage, die Polizei habe doch Lampen, um Blutspuren wieder sichtbar zu machen, hat der Beschuldigte eindeutig Täterwissen offenbart. Er hätte nicht wissen können, dass am Tatort Blut weggewischt wurde. Allerdings hat er die Aussage nicht im Zuge der protokollierten Vernehmung getroffen. Es ist nur ein Aktenvermerk. Um sie beurteilen zu können, fehlt der Zusammenhang, in dem er diese Einlassung getroffen hat.« Der Beschuldigte könne dabei auch Spuren an seinem Rucksack oder seiner Kleidung gemeint haben.

Zu den DNA-Spuren des 26-Jährigen an einer in der Wohnung des Opfers sichergestellten Flasche Essigessenz hob der Vorsitzende Richter heraus: »Diese Spuren müssen zwar jüngeren Datums sein. Sie können nicht bei einem früheren Besuch des Beschuldigten in der Wohnung entstanden sein. Nicht auszuschließen aber ist, dass der 26-Jährige die Flasche bei seinem Besuch am 12. Mai 2014 achtlos angefasst hat oder die Spuren durch eine Kontaktübertragung durch das Opfer dort hingekommen sind.«

Ob das Urteil rechtskräftig wird, steht noch nicht fest. Staatsanwalt Björn Pfeifer kündigte an, er werde eine Revision der Staatsanwaltschaft prüfen. Die Verteidiger und der Beschuldigte zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden. kd