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Freispruch für Sportangler

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Traunstein – Vom Vorwurf der »Fischwilderei« sprach das Amtsgericht Traunstein mit Richter Maximilian Lermer einen 35-jährigen Selbstständigen frei. Der Angeklagte soll am 7. Juni auf dem Chiemsee vom fahrenden Elektroboot aus eine Angel mit Blinker vom Heck ins Wasser geworfen haben. Solches »Schleppen« mit laufendem Motor – oder auch von einem fahrenden Elektroboot aus – ist nach den Statuten der Fischereigenossenschaft nicht erlaubt. Die Beweislage in dem Verfahren war dünn, hatte doch ein 54-jähriger Fischereiaufseher das Angelgerät weder besichtigt noch sichergestellt oder fotografiert.


Dem Prozess lag ein Strafbefehl wegen Fischwilderei über eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro zugrunde. Dagegen hatten der 35-Jährige und seine Anwältin, Kerstin Zinke aus Traunreut, Einspruch eingelegt. Laut Anklage von Staatsanwalt Florian Walter hatte der Fischereiaufseher an jenem Tag gesehen, wie der Sportfischer zwischen Kailbacher Winkl und Mühlner Bucht die Angel auswarf – obwohl der Motor in Betrieb war und die Lebensgefährtin das Boot steuerte. Der 35-Jährige habe gewusst, dass das verboten ist. Bei der Kontrolle habe der Angler zu dem Kontrolleur gesagt: »Was ist denn schon dabei, wenn man kurz blinkert?« Die von dem Fischereiaufseher eingeschaltete Genossenschaft erstattete Strafanzeige.

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Der sich keiner Schuld bewusste Angeklagte schilderte, er sei spätnachmittags mit seiner Lebensgefährtin und dem kleinen Sohn mit dem Elektroboot Richtung Herreninsel gefahren. Die Familie habe gebadet, während er »die Angel auf Renken ausgeschmissen« habe. In der Zwischenzeit habe er – wie schon tags zuvor – den Fischereiaufseher entdeckt, der in der Bucht vor Breitbrunn geankert habe. Er sei näher hingefahren, »damit der Mann kein Fernglas braucht«, und habe den Anker ausgeworfen. Nebenbei habe er die Renkenangel rausgeholt und noch ein paar Würfe mit der Spinnangel gemacht, während seine Frau dem Buben vorgelesen habe. Auf dem Weg zum Heimathafen habe er die Angel »ausdrallen« lassen – ohne Blinker, ohne Köder oder ähnlichem. Das Kind habe die Rute halten und die Schnur einholen dürfen. Als alles nach etwa 200 bis 300 Metern Fahrt übers Wasser bereits verstaut lag in der Box, sei der Aufseher gekommen: »Mit seinem Acht-Zylinder-Boot kam er angerauscht wie bei Miami Vice. Es war klar, dass er uns kontrollieren wollte. Er verschätzte sich mit der Geschwindigkeit und rumpelte in unser Boot, dass der Sohn vom Sitz fiel.«

»Ich fische seit über 20 Jahren und hatte noch nie Ärger«

Der 35-Jährige betonte weiter, er habe seinen Fischereierlaubnisschein und die Fischkarte für den Chiemsee ausgehändigt. Der 54-Jährige habe ihn nach der Vorschrift gefragt, wonach man nicht mit Angelschnur fahren dürfe. Es habe sich ein Disput entwickelt. Der Angeklagte – wie später der Zeuge – räumte ein, ziemlich aufgeregt gewesen zu sein. Der 35-Jährige beteuerte: »Ich fische seit über 20 Jahren am Chiemsee und hatte noch nie Ärger. Ich fische auch im Ausland. Ich möchte fischen, Natur erleben und meine Ruh’ haben, Fischen als Entspannung nutzen.« Seine Frau bestätigte diese Angaben im Wesentlichen und sagte im Zeugenstand, sie habe das Elektroboot noch nie gesteuert.

Der Kontrolleur lieferte in Details eine andere Version, die sich mit der Darstellung im Strafbefehl deckte. Er habe mit seinem sehr guten Fernglas das Werfen der Angel vom fahrenden Boot aus nach hinten genau gesehen. Der ungefähr zehn Zentimeter große Blinker habe in der Sonne geblitzt. Warum er die besagte Angel, insbesondere den Blinker, bei der folgenden Kontrolle nicht angeschaut, eingezogen oder fotografiert hatte, das konnte der 54-Jährige nicht erklären. Das blitzende Teil könnte ein Karabiner gewesen sein, meinte der Richter. Der Zeuge verneinte: »Es war eindeutig ein Blinker.«

Im Plädoyer hob Staatsanwalt Florian Walter heraus, Aussage stehe gegen Aussage. Er halte die Aussage des Zeugen für glaubwürdiger. Der 35-Jährige habe eine Fischwilderei begangen. Die Strafe aus dem Strafbefehl könne leicht ermäßigt werden auf 40 Tagessätze zu je 30 Euro. Verteidigerin Kerstin Zinke bezeichnete den Kontrolleur hingegen als »völlig unglaubwürdig«. Sie könne beim besten Willen kein strafbares Verhalten bei ihrem Mandanten erkennen. Er sei freizusprechen zu Lasten der Staatskasse.

Im Urteil stützte sich Richter Maximilian Lermer auf die Argumente der Verteidigerin. Ein Tatnachweis sei nicht erbracht. Aus seiner Sicht neige sich die Waagschale etwas zu Gunsten des Angeklagten. Vieles spreche dafür, dass der 35-Jährige den Kontrolleur erkannt habe: »Da hätte der Angeklagte schon ganz schön – entschuldigen Sie den Ausdruck – blöd sein müssen, in seiner Gegenwart eine Schleppangel auszuwerfen.« kd