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Freimenge für Grüngut vervierfacht sich

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Traunstein – Künftig dürfen Bürger viermal mehr Grüngut kostenlos an den Wertstoffhöfen abgeben – zwei Kubikmeter statt des bisherigen halben Kubikmeters im Monat. Der Kreisumweltausschuss brachte gestern einstimmig ein neues, ab 1. Januar 2017 geltendes Abrechnungskonzept für die 36 kommunalen und privaten Wertstoffhöfe auf den Weg. Nicht nur die Bürger profitieren davon, etwa über die Grüngut-Freimenge, sondern auch die Gemeinden und Städte. Ihre Serviceleistungen werden in Zukunft deutlich besser honoriert vom Landkreis Traunstein.


Die Einzelheiten des neuen Konzepts erläuterte Marcus Dieplinger vom Landratsamt. Demnach stehen aktuell mehr als 100 Mitarbeiter in Diensten der Kommunen, die die Wertstoffhöfe betreiben. Über 100 Containerstellplätze sind ein zusätzliches, flächendeckendes Angebot, wohnortnah Wertstoffe umweltfreundlich los zu werden. In Traunstein, Tittmoning, Chieming, Traunreut, Trostberg, Ruhpolding und Inzell haben private Entsorgungsfachbetriebe die Aufgaben der kommunalen Einrichtungen übernommen. Spätestens im Oktober 2017 kommt noch eine neue Einrichtung im Grassauer Gewerbegebiet Eichelreuth hinzu.

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Leichtverpackungen für Berechnung verwendet

Wie Dieplinger informierte, werden derzeit bis zu rund 20 verschiedene Wertstoffe akzeptiert. Seit 1993 leistet der Landkreis den Städten und Gemeinden einen Kostenersatz. Derzeitige Basis der Abrechnung sind vier Parameter – eine Pauschale von 4,622 Euro je Einwohner, nach Anzahl gestaffelte Pauschalbeträge für die Containerstandorte, eine pauschale Pacht von 1,0228 Euro pro Quadratmeter Wertstoffhoffläche im Jahr sowie eine »Wertstoffmengenpauschale« für eine bestimmte Fraktion, die in allen Höfen in hohen Sammelmengen anfällt. Zurzeit werden für die Berechnung die Leichtverpackungen herangezogen. Dazu Marcus Dieplinger: »Altpapier eignet sich nicht, da es in Kommunen unterschiedlich viele Papiertonnen privater Entsorgungsfirmen gibt.«

In der Neukonzeption wird die einwohnerbezogene Pauschale an die Vereinbarungen mit dem Dualen System Deutschland (DSD) gekoppelt. Außerdem wird die Höhe der Containerstandortpauschalen in den Kommunen etwas angehoben. Künftig erstattet der Kreis für die ersten zehn Standorte 2000 Euro. Ab dem elften Standort gibt es 3000 Euro im Jahr. Berücksichtigt wird auch die Fläche der Wertstoffhöfe. Gab es bisher einheitlich 1,023 Euro je Quadratmeter, so sind es in Zukunft bei einer Fläche von unter 1000 Quadratmetern ein Euro, darüber 2,50 Euro. »Wenn der Wertstoff größer ist, werden mehr Container, aber auch mehr Parkplätze offeriert.«

Die bisher vier Abrechnungsparameter ergänzt der Landkreis mit zwei weiteren. So spielen die gestaffelten Zahlen der Mitarbeiter und die Öffnungszeiten des Wertstoffhofs eine Rolle. Je mehr Mitarbeiter nötig sind, desto mehr Geld überweist der Kreis – bis zu 5000 Euro pro Jahr. Eine Öffnungszeit von unter zehn Stunden bringt 1000 Euro ein, von mehr als 30 Stunden 6000 Euro jährlich. Dieplinger betonte, das Konzept bedeute für alle Kommunen Mehreinnahmen, zum Beispiel für Reit im Winkl eine Steigerung von 17 630 Euro auf 26 036 Euro. Die Gesamtausgaben des Landkreises für alle kommunalen Wertstoffhöfe klettern von bisher 884 682 Euro um 145 431 Euro auf gut 1,03 Millionen Euro je Jahr.

»Jede Gemeinde kommt gut weg dabei«

»Das ist eine Evolution, wenn auch keine Revolution«, merkte Landrat Siegfried Walch an. Dank gebühre der gesamten Arbeitsgruppe für das Mitwirken an dem Konzept. Lob richtete er auch an das Personal in den Wertstoffhöfen. Fritz Stahl (SPD) begrüßte die Neufassung: »Jede Gemeinde kommt gut weg dabei.« Die bisherige Freimenge Grüngut sei »nie auskömmlich« gewesen. Sich der Wirklichkeit anzunähern, sei notwendig. Eine Gebührenungerechtigkeit bleibe die Praxis beim Grüngut aus Wohnanlagen mit Abtransport durch Unternehmen. Der Landrat erwiderte: »Eine absolute Gerechtigkeit zu erreichen, ist schwierig. Die Stadt Traunstein ist ein Sonderfall.« Dr. Ute Künkele (ÖDP) hob heraus, andernorts landeten 40 Prozent der Leichtverpackungen in Verbrennungsanlagen. Für den Landkreis Traunstein treffe das jedoch nicht zu. kd

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