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Freiheitsstrafen nach Vergewaltigung

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Traunstein – Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein verurteilte zwei 27 und 37 Jahre alte Rumänen wegen mehrfacher und gemeinsamer Vergewaltigung einer 40-jährigen Rosenheimerin zu Freiheitsstrafen von fünf Jahren und neun Monaten beziehungsweise fünf Jahren. Das Urteil wird jedoch nicht rechtskräftig. Beide Verteidiger ziehen in Revision.


Wie berichtet, hatten sich die Beteiligten abends in einem Lokal in Rosenheim zufällig getroffen und zusammen getrunken. Danach gingen sie gemeinsam in die Wohnung einer der Angeklagten. Dort wurde die Frau festgehalten und gewaltsam zu verschiedenen Sexualpraktiken gezwungen. Später konnte sie flüchten und gegen vier Uhr eine auf der Straße vorbeifahrende Polizeistreife stoppen.

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Staatsanwältin Monika Reisinger hatte sieben Jahre beziehungsweise sechs Jahre und neun Monate Haft beantragt. Sie rechnete beiden Angeklagten die lange Untersuchungshaft strafmildernd an, dazu jeweils eine – wenn auch nicht sehr hohe – alkoholbedingte Enthemmung an, ebenso, dass sie schließlich von sich aus mit der Vergewaltigung aufgehört haben. Dem stünden die Gewaltanwendung mit zum Beispiel Schlägen, die schmerzhaften Verletzungen der Geschädigten, »die erniedrigende Behandlung ohne Ende«, der ungeschützte Geschlechtsverkehr und die Demütigung, »die absolute Geringschätzung des Opfers« entgegen.

Die Anklägerin hob weiter heraus, ein fehlendes Geständnis dürfe nicht strafschärfend gewertet werden: »Aber es fehlt ein ganz erheblicher und wesentlicher Strafmilderungsgrund.« Die zutreffende und umfassende Würdigung des Sachverhalts und der Strafzumessung durch die Staatsanwältin lobte Nebenklagevertreter Christoph Michel aus Rosenheim im Namen der 40-Jährigen. Die Täter hätten gemeinsam gehandelt und sollten letztlich auch die gleiche Strafe erhalten.

Verteidiger Wolfgang Müller aus Rosenheim forderte, den 37-Jährigen freizusprechen, den Haftbefehl aufzuheben und für die Untersuchungshaft zu entschädigen. Auch Dr. Markus Frank aus Rosenheim forderte für den 27-jährigen Angeklagten Freispruch und Haftentschädigung. Die Angeklagten selbst hatten sich zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Im Urteil hob der Vorsitzende Richter Erich Fuchs heraus, die Angeklagten bestritten die Taten. Nach der Beweisaufnahme sei die Kammer jedoch vom Gegenteil überzeugt. Unmittelbar nach dem Geschehen habe die 40-Jährige eine schlüssige Schilderung gegeben und sie im Kern später immer wieder bestätigt. Mit den von den Anwälten angekreideten »Widersprüchen« in Aussagen der Zeugin habe sich die Kammer auseinandergesetzt. Es könne sich zum Beispiel um Erinnerungslücken, Übersetzungsfehler oder unterschiedliche Wertung in der Bedeutung von Fakten gehandelt haben. Unter den negativen Aspekten nannte Fuchs das vielschichtige Vorgehen der Täter, ihr stark ausgeprägtes verachtendes Verhalten sowie die enorme Demütigung des Opfers ohne Mitleid und Nachsicht. kd

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