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Freie Wähler vom Volksbegehren beflügelt

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Die Kabarettistin Simone Solga eroberte bei ihrem Auftritt im Rahmen des Neujahrsempfangs der Freien Wähler im Landkreis Traunstein das Publikum im Sturm. Sie räumte hinter den Kulissen der Macht auf. Unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos gibt es weitere Bilder. (Foto: Rasch)

Traunreut. Für die Freien Wähler hätte es zum Jahresauftakt nicht besser laufen können: Das von ihnen initiierte Volksbegehren gegen Studiengebühren verlief erfolgreich. So war auch beim Neujahrsempfang der Freien Wähler des Landkreises Traunstein im »k 1« in Traunreut mit der Polit-Kabarettistin Simone Solga Feierlaune angesagt. So erinnerte der Ortsvorsitzende der Freien Wähler in Traunreut, Claus Ritter, an das amtliche Endergebnis, wonach 14,4 Prozent aller bayerischen Wahlberechtigten – im Landkreis Traunstein 13,3 Prozent – nein zu Studiengebühren gesagt haben. »Dies ist ein Achtungserfolg für uns Bürger und uns Freie Wähler«, räumte der Kreisvorsitzende Andreas Danzer ein.


Letztes Krippenjahr soll in Traunreut kostenlos sein

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Danzer ist sich sicher, dass sich dieses Engagement positiv auf die Ergebnisse 2013 und 2014 bei den Landtags-, Bezirktags- und Kommunalwahlen auswirken werde. Dieser Achtungserfolg werde »uns noch mehr Achtung einbringen und vor allem ein paar Prozentpunkte für unsere bürgernahen Ziele bescheren«, sagte Danzer und warb um Zusammenhalt in den kommenden zwei Jahren. Für eine bürgernahe und transparente Gestaltung sprachen sich auch der Traunreuter Ortsvorsitzende Claus Ritter und der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag, Dr. Lothar Seissiger, aus.

Ritter forderte für seine Stadt mehr Bürgerfreundlichkeit, nachdem die Kommune finanziell so gut da stehe. Wie berichtet, ist die Stadt Traunreut seit dem 24. Januar schuldenfrei. Zu diesem Ergebnis hätten alle Traunreuter mit beigetragen und sollten deshalb auch ein Stück weit belohnt werden. So forderten die Freien Wähler im Stadtrat unter anderem, dass das letzte Krippenjahr kostenfrei ist.

Dass sich die Freien Wähler auch im Kreistag um eine ernsthafte Debatte bemühen, machte Lothar Seissiger deutlich. Im Kreishaushalt 2012 hätte seine Fraktion mit durchsetzen können, dass die Kreisumlage nicht über 55 Punkte gestiegen sei und eine steigende Neuverschuldung vermieden werde. Weiter räumte Seissiger ein, dass um den Haushalt 2013 noch gerungen werde. So werde die Kreisumlage 2013 trotz über 17 Prozent Steigerung der Umlagekraft bei 55 Punkten bleiben, gleichzeitig könne mit der Schuldentilgung begonnen werden. In seinen Augen eine »vernünftige Entscheidung«. Er appellierte, mit den finanziellen Ressourcen sorgsam umzugehen. »Wir müssen nicht nur Brücken und Straße bauen, die wiederum Unterhaltskosten produzieren, wir sollten das, was wir haben, erhalten und unzumutbar verkehrsbelastete Orte durch Umgehungen entlasten.«

Eine der wichtigsten Aufgaben im Bereich des Straßenbaus sehen die Freien Wähler im Ausbau der Bundesstraße 299/304. Darüber hinaus sollte in der Orts- und Städteplanung auf Barriere-Freiheit geachtet werden, und auch über die Finanzierung der vor allem sozialen Aufgaben, die der Bezirk Oberbayern zu tragen habe, müsse neu nachgedacht werden. Seissiger: »Wir werden dafür kämpfen, dass das, in Bayern nach langem Bemühen der Freien Wähler gesetzlich verankerte, Konnexitätsprinzip in Zukunft, wenn, wie in letzter Zeit häufiger, vom Freistaat den Kommunen neue Aufgaben übertragen werden, besser greift.« Gerade wegen solcher Themen sei es wichtig, dass sich die Freien Wähler auch in der Landes- und Bundespolitik engagieren.

»Kanzlervorauskommando« zog richtig vom Leder

Engagiert und scharfzüngig präsentierte sich die Hauptdarstellerin des Abends, die Kabarettistin Simone Solga, mit ihrem aktuellen Programm »Bei Merkels unterm Sofa«. Die Leipzigerin, die in wenigen Augenblicken die Zuhörer für sich gewinnen konnte, insbesondere den Traunsteiner Oberbürgermeister Manfred Kösterke, den sie als »nachtaktive Beutelratte« bezeichnete, überzeugte mit einem genialen Auftritt. Als »Kanzlervorauskommando« sorgte sie dafür, dass auch alles funktioniert, wenn Angela Merkel nächste Woche nach Traunreut kommt und zog dabei so richtig vom Leder.

Frech, witzig und wortgewaltig waren ihre Pointen und sie schreckte auch vor fiesen Seitenhieben nicht zurück. »Das einzig Sinnvolle, was Familienministerin Schröder zustande gebracht hat, ist die Geburt ihrer Tochter. Da kam wenigstens mal was mit Hand und Fuß heraus.« Der rund zweistündige Auftritt von Simone Solga, die so manchen männlichen Polit-Kabarettisten in die Tasche steckt, erntete frenetischen Beifall. ga