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Frei laufende Katzen unbedingt kastrieren lassen

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Ein Häuflein Elend sind viele Katzenwelpen von wilden und streunenden Katzen. Tierschützer fordern deshalb schon lange eine Kastrationspflicht weiblicher Katzen, um die ungebremste Vermehrung und damit auch zahlreiche dramatische Leidensgeschichten zu verhindern. Foto: Tierschutzring Traunstein

Traunstein – Die einen kriegen nur das teuerste Futter, haben Körbchen mit Decken, einen Kratzbaum, Spielzeug und jeden Luxus, den es nur gibt, die anderen haben zum Sterben zu viel...


... und zum Leben zu wenig, sind halb verhungert und todkrank – Katzen. Tierschützer sind sich einig: Nur eine bundesweite Kastrationspflicht wird das Katzenelend verhindern. Aus Anlass des heutigen Weltkatzentags hat sich das Traunsteiner Tagblatt einmal umgehört.

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»Häufig werden Katzen nicht kastriert, weil der Nachwuchs so niedlich ist oder das Risiko einer Trächtigkeit fälschlicherweise als gering eingeschätzt wird«, sagen dazu mehrere Tierschutz-Organisationen aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, darunter der Tierschutzring Traunstein, Tierisch Aktiv Chiemgau, die Bayerische Tierschutzjugend und die Katzenhilfe Salzachtal.

Alles zum Info-Programm am Samstag

Diesen Samstag (12.08.) geben die Tierschutzvereine der Region an Infoständen in den Innenstädten von Bad Reichenhall, Freilassing, Traunstein und Laufen nähere Informationen zum Thema.

Der Tierschutzverein Bad Reichenhall informiert bei dieser Gelegenheit auch über seine aktuelle Kastrationsaktion. Kastrationsgutscheine an Katzenhalter in Bad Reichenhall, Piding, Anger, Bayerisch Gmain und Schneizlreuth werden derzeit kostenlos im Tierheim Bad Reichenhall ausgegeben.

Infostände in der Region am Samstag (12. August):

Tierschutzverein Bad Reichenhall:

  • ab 10 Uhr in Bad Reichenhall vor der Ägidikirche

Tierheim Freilassing:

  • von 9 Uhr bis 12 Uhr in Freilassing, in der Fußgängerzone

Tierschutz Ring Traunstein, Tierisch Aktiv Chiemgau, Bayerische Tierschutzjugend:

  • von 9 Uhr bis 12 Uhr in Traunstein am Maxplatz

Katzenhilfe Salzachtal:

  • von 9 Uhr bis 12 Uhr in Laufen am oberen Stadttor

»Kleine Kätzchen sind kein Spielzeug«

»Kleine Kätzchen sind kein Spielzeug, sie haben ein hohes Ruhebedürfnis, brauchen das Spiel mit Artgenossen und vor allem den Schutz und die Prägung der Mutter.« Die Tierschützer appellieren an Katzenhalter, Jungtiere erst ab mindestens drei Monaten von der Mutter zu trennen. Angesichts der vielen heimatlosen Katzen solle jeder Halter seine Katze oder seinen Kater unbedingt kastrieren lassen, um weiteres Elend zu vermeiden.

Anlässlich des Weltkatzentags erneuern die Tierschutzorganisationen ihre Forderung nach der dringend notwendigen Einführung einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Auch die Bundestierärztekammer unterstützt diese Forderung. Tierheime und Tierschutzorganisationen kämpften mit den Folgen der Katzenschwemme, die erhebliche Kosten für Unterbringung und tierärztliche Versorgung verursache, heißt es weiter.

Oft sähen Tierschützer schreckliches Elend, wie chronischen Katzenschnupfen, schwere Augenerkrankungen bis zur vollständigen Erblindung oder durch Würmer und andere Parasiten verursachte Krankheiten. Ohne Behandlung drohe den Tieren ein langsamer, qualvoller Tod, hieß es. Auch wütende Menschen, die in Katzen nur Feinde geliebter Singvögel sehen, gehen gelegentlich brutal gegen frei laufende Katzen vor.

Revierkämpfe mit Wildkatzen enden häufig mit schlimmen Verletzungen

Zwischen Hauskatzen mit Freigang und unkastrierten wild lebenden Tieren komme es zu Revierkämpfen, die mit schlimmen Verletzungen endeten, so die Tierschützer weiter. Nicht selten kämen auf die Katzenhalter hohe Tierarztkosten zu. Kastrierte Katzen zeigten ein weitaus geringer ausgeprägtes Revierverhalten und legten in der Regel auch keine so weiten Wege zurück.

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Eine schlimm zugerichtete Katze mit einem kranken Auge. Foto: Katzenhilfe Salzachtal e.V.

»Auch wir sind für eine Kastrationspflicht«, sagt dazu Anna Obermeier, Leiterin des Tierheims in Trenkmoos. Denn durch die unkontrollierte Vermehrung lebten inzwischen sehr viele Tiere wild. Natürlich würden auch heute noch überzählige Katzen auf Bauernhöfen erschlagen. Aber gerade in der Landwirtschaft sei inzwischen glücklicherweise auch ein Umdenken erfolgt: »Manche Landwirte rufen uns auch an und bitten um Hilfe bei der Kastration. Und sie füttern auch die wilden Katzen mit.«

Oft würden so zum Beispiel wilde Katzen an Feldscheunen versorgt. Auch Spaziergänger fütterten wilde Katzen manchmal, vor allem im Sommer. »Aber im Herbst kommen die Tiere dann doch oft zu uns.« Wichtig sei die Zusammenarbeit aller Beteiligten, »und dass uns frei lebende Katzen gemeldet werden. Nur dann können wir etwas tun«, so Obermeier.

Derzeit sind im Tierheim 40 Katzen zu vermitteln, und zwar ausschließlich an Plätze, an denen sie – nachdem sie kastriert wurden – auch Freigang haben. Natürlich kann der Tierschutzverein als spendenabhängige Organisation nicht jede Katze im Landkreis kostenlos kastrieren lassen. »Aber je nach Einkommen geben wir Gutscheine dazu oder übernehmen die Kastration auch ganz«, sagt Obermeier.

»Wir haben das schon vor zwei Jahren intensiv geprüft«, sagt dazu auf Anfrage der stellvertretende Leiter des Traunsteiner Veterinäramts, Wolfgang Käsweber. »Aber wir kamen zu dem Ergebnis, dass das rechtlich gar nicht umsetzbar ist.« Denn es sei schon schwer bis unmöglich festzustellen, ob eine frei laufende Katze einen Besitzer hat. »Es gibt ja keine Pflicht, eine Katze registrieren zu lassen.«

Auch sei es schwierig festzustellen, ob eine Katze bereits sterilisiert (die Eileiter werden abgebunden) oder gar kastriert (die Eierstöcke werden entfernt) ist. »Narben sind oft nicht mehr feststellbar, und für eine Ultraschalluntersuchung bräuchte man einen sehr hochauflösenden Ultraschall und hätte dennoch eine Fehlerquelle. Wer soll das dann überprüfen? Das wäre ein unglaublicher Aufwand«, so Käsweber.

Über die genaue Zahl frei laufender Katzen wisse er auch nicht Bescheid, so Käsweber weiter. Denn träten irgendwo auffallend viele wilde Katzen auf, würden zunächst die Tierschutzorganisationen verständigt. Und zuständig seien dann die Kommunen.

Erfreulich: Immer mehr Landwirte engagieren sich

Aber auch Käsweber registriert erfreut ein Umdenken in der Landwirtschaft: »Kleine Katzen werden nicht mehr einfach getötet. Da gibt's jetzt oft eine Frau und Kinder, die dem Bauern in den Ohren liegen, und auch der eine oder andere Feriengast wird dazu beigetragen haben.« Zudem dürfe kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden, »also etwa um Leid zu vermeiden«. Und weder dürfe ein Bauer eine Katze töten noch dürfe sie ein Jäger erschießen – »die dürfen nur jagdbares Wild erschießen«.

Insofern appelliert auch Käsweber an die Vernunft der Katzenhalter, Freigänger unbedingt kastrieren zu lassen und verwahrloste Streuner dem Tierschutz zu melden. coho

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