weather-image
22°

Fragwürdiger Job

0.0
0.0

Das Landgericht Traunstein hat gestern einen 27-jährigen Freilassinger wegen »leichtfertiger Geldwäsche« zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. Der junge Mann war als sogenannter »Warenagent« tätig gewesen.


Internet-Betrüger spähen immer wieder Daten von Kreditkarten aus und bestellen damit Waren, die sie weiterverkaufen. Um den Betrug zu verschleiern, setzen sie »Warenagenten« ein, die die Waren umverpacken und weiterverschicken.

Anzeige

Der von Schulden geplagte Freilassinger war im Januar 2012 auf der Suche nach einer Verdienstmöglichkeit im Internet auf ein Unternehmen in Großbritannien gestoßen. Zwischen Anfang und Ende Februar 2012 verschickte er dann knapp 30 Pakete. Dann hörte er nichts mehr von seinen Auftraggebern. Anfang März bekam er Besuch von der Polizei.

Ein Kripobeamter erklärte gestern vor Gericht, dass Kollegen aus Berlin auf den Namen des Freilassingers gestoßen seien und um seine Überprüfung gebeten hätten. »Der 27-Jährige wirkte wie vor den Kopf gestoßen«, so der Polizist. Er betonte, dass die eigentlichen Täter »sehr gut organisiert« seien. Auf der Liste aus Berlin seien »jede Menge Warenagenten« in ganz Deutschland gestanden, berichtete der Beamte. Eine Ermittlungsgruppe in Stuttgart habe inzwischen Waren im Wert von 400 000 Euro aus 600 Fällen sicherstellen können.

Dass die Waren in den Paketen aus illegalen Geschäften stammten, wusste der 27-Jährige angeblich nicht. In erster Instanz sprach ihn das Schöffengericht Laufen im Januar vom Vorwurf der »leichtfertigen Geldwäsche« frei. Dagegen zog die Staatsanwaltschaft in Berufung.

Staatsanwalt Andreas Miller forderte eine Geldstrafe von 60 mal 10 Euro für den nicht begüterten Angeklagten. Verteidiger, Franz Tradler aus Freilassing plädierte auf 40 Tagessätze. Das Gericht folgte dem Staatsanwalt. Vorsitzende Richterin Heike Will unterstrich im Urteil: »Menschen in finanzieller Notlage werden missbraucht für eine solche Tätigkeit. Aber man muss Sorgfalt walten lassen.« Das gestrige Urteil wurde von allen Beteiligten akzeptiert und dadurch rechtskräftig. kd